Gegenwind für Googles FLoC-Ansatz

Der von Google vorgeschlagene FLoC-Ansatz, um das Cookie-Tracking durch anonyme Benutzergruppenbildung (als privacy-freundlich bezeichnet) für den Werbemarkt zu retten, scheint aktuell mächtig Gegenwind zu bekommen. Neben Browser-Entwicklern, die FLoC in Chromium-Clones ausbauen, sperren sich auch die WordPress-Entwickler gegen diesen Ansatz.


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Was ist FLoC?

Benutzertracking zu Werbezwecken über Drittanbieter-Cookies kommt mehr und mehr in Verruf. Die DSGVO fordert eine Einwilligung des Benutzers und immer mehr Browserhersteller gehen dazu über, Drittanbieter-Cookies direkt zu blocken. Der alte Cookie-Ansatz zum Tracken von Werbekunden geht (im Grunde berechtigt) seinem Ende entgegen. Für Google allerdings ein größeres Problem, machen die doch einen Großteil des Umsatzes in genau diesem Bereich.

Das Problem: Die Werbekunden wollen möglichst viel über den potentiellen Kunden wissen – der Kunde möchte aber genau dieses nicht. Zudem soll Werbebetrug verhindert und der Erfolg einer Werbeanzeige gemessen werden. Wie lässt sich sicherstellen, dass Werbung im Web ohne Cookies von Drittanbietern relevant ausgerollt, Werbebetrug verhindert und Werbung gemäß der Interessanlage der Nutzerschaft genau gemessen werden könnte – das ist die Fragestellung, die die Google (Browser-)Entwickler bewegte.

Ich hatte es im Blog nicht separat adressiert: Google versucht daher das Erfassen der Internetsurfer mit einem neuen Ansatz zu retten, um die Werbekunden mit Details über die Benutzer versorgen zu können. Ein Datenschutz-freundliches Tracking mit FLoC soll die Lösung sein. Das 2019 erstmals vorgestellte FLoC steht für Federated Learning of Cohorts und wurde von Google im Blog-Beitrag Building a privacy-first future for web advertising Ende Januar 2021 detaillierter angesprochen.

Die Idee: Nutzerinteressen erfassen, aber die Privatsphäre des Individuums schützen. Dazu soll die Privacy Sandbox-Technologie für interessenbasierte Werbung (FLoC), die bereits 2020 erstmals vorgeschlagen wurde, herangezogen werden. Der Ansatz hinter FLoC ist, dass Gruppen von Menschen mit gemeinsamen Interessen durch individuelle Identifikatoren ersetzt werden könnten. Statt ein Drittanbieter-Cookie für jeden Surfer zu setzen und diesen zu verfolgen, würde Google Gruppen von Surfern mit ähnlichen Interessen (z.B. Surfer mit Interesse an Technik-Produkten, Leute mit Interessen an Reisen, Mütter mit Babies etc.) über diese Identifikatoren kennzeichnen. Das individuelle Tracking würde entfallen, trotzdem ließe sich Werbung über diese Identifikatoren der Gruppe, statt über Drittanbieter-Cookies ausrollen. Google glaubt, dass das fast so effektiv sein kann wie Cookie-basierte Ansätze.

Google schrieb dazu in obigem Beitrag: Technologische Fortschritte wie FLoC, zusammen mit ähnlichen vielversprechenden Bemühungen in Bereichen wie Messung, Betrugsschutz und Anti-Fingerprinting, sind die Zukunft der Web-Werbung – und die Privacy Sandbox wird unsere Web-Produkte in einer Welt ohne Drittanbieter-Cookies antreiben. Details lassen sich über die obigen, verlinkten Beiträge herausfinden.

Google fährt aktuell wohl bereits Tests mit einzelnen Benutzern des Chrome-Browsers. Allerdings bleibt die Benutzerschaft in Europa bei diesen Tests außen vor, wie man hier erfährt.

Breite Kritik und Widerstand gegen FLoC

Die Electronic Frontier Foundation (EFF) spricht im verlinkten Dokument von einer schrecklichen Technologie. FLoC solle ein neuer Weg sein, den Browser dazu zu bringen, das Profiling der Benutzer zu erledigen, etwas, was Drittanbieter-Tracker früher selbst gemacht haben. Die EFF meint dazu, dass die Technologie die Datenschutzrisiken von Drittanbieter-Cookies zwar vermeidet, aber auch neue Datenschutzrisiken schaffe. So können FLoC Probleme, die nicht mit dem Datenschutz zusammenhängen, wie Diskriminierung und Predatory Targeting (abzielen auf Schwächen), verschärfen. Zudem fürchtet die EFF, dass ein Browser-Fingerprinting durch die Werbetreibenden per Hintertür eingeführt werde. Die EFF fordert Google und die Browserhersteller auf, das Tracking über Webseiten für Werbezwecke gänzlich abzuschaffen. Die vielen Argumente der EFF lassen sich im oben verlinkten Dokument nachlesen.

Die Entwickler der beiden Chromium-Clones Brave und Vivaldi haben in einer gemeinsamen Erklärung ebenfalls kund getan, dass FLoC ein Schritt in die falsche Richtung sei. Sie bauen daher die betreffenden Erweiterungen für FLoc im Chromium-Code in den eigenen Browsern aus. Und der Suchanbieter DuckDuckGo hat einen eigene Erweiterung bereitgestellt, um Chrome-Nutzern die Möglichkeit, FLoC zu blocken, zu geben. Der deutschsprachige Beitrag hier gibt einen umfassenderen Überblick über die obigen Fragestellungen.

Nun greifen die Entwickler des CMS WordPress diese Vorbehalte ebenfalls auf und haben gerade das Dokument Proposal: Treat FLoC as a security concern veröffentlicht. Die Entwickler sehen in Googles FLoC  ein Sicherheitsproblem, weil durch den Verzicht auf Drittanbieter-Cookies die im DSGVO-Raum geforderte explizite Nutzereinwilligung nicht mehr greift. Das Team plant daher in künftigen WordPress-Versionen standardmäßig FLoc zu blockieren. Im Beitrag wird sogar Code gezeigt, wie WordPress-Administratoren in bestehenden Installationen FLoC blockieren können. Die Kollegen von Bleeping Computer haben das hier aufgegriffen.


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Ergänzung: Auch GitHub will laut diesem Artikel FLoC auf seinen Seiten blockieren.

Es braucht Lösungen

Wie das Ganze mit FLoC ausgeht, ist also offen. Mir persönlich ist es am Ende des Tages egal, ob FLoC kommt oder blockiert wird – ich sitze als Publisher, der sich über Werbeeinnahmen finanziert, eh zwischen allen Stühlen. Hier würde kurzfristig ein planbares Monetarisierungsmodell – was sich weitgehend an der Besucherzahl orientiert – den Publishern helfen.

Dass Drittanbieter-Cookies über die DSGVO nur mit Nutzereinwilligungen gesetzt werden dürfen, ist eigentlich seit 2016 erkennbar gewesen – und mit Inkrafttreten der DSGVO (bzw. GDPR) ab Mai 2018 bekannt. Aber erst das Urteil des EuGH und später des BGH, dass Cookies für Werbezwecke nur mit Einwilligung des Nutzers gesetzt werden dürfen, hat Bewegung in die Sache gebracht. Und ja, der Elefant im Raum heißt Google, dessen Marktmacht und Behäbigkeit ein Problem darstellt.

Ich hatte es zum Jahreswechsel im Blog bereits thematisiert – hier sind die Einnahmen nach Einführung des Cookie-Consent im Dezember 2020 von einem Tag auf den anderen auf 30% gefallen. Als ich dem Sachverhalt dann nachgegangen bin, musste ich feststellen, dass Google keine Möglichkeit bietet, nicht Nutzer-bezogene Werbung bei Verweigerung der Cookie-Zustimmung auszurollen. Bei Google Adsense wurde genau das noch im Sommer 2020 angeboten – wurde aber m.W. zum Jahresende 2021 abgeschafft.

Was auch keine Freude bereitete: Nutzer, die nur eine Teil-Cookie-Zustimmung erteilt hatten, bekamen im Dezember 2020 und Januar 2021 ebenfalls keine Werbung mehr zu sehen. Seit März erholen sich die Einnahmen wieder (wobei ich aber ab diesem Zeitpunkt die doppelte Besucherzahl verzeichnen konnte). Bei einem kurzen Check habe ich eben festgestellt, dass Google zudem was geändert haben muss. Abhängig von den Teilzustimmungen für diverse Cookies kommt neuerdings wieder Werbung. Für diesen Schritt hat man – so mein Gefühl – bei Google wohl ca. 10 Monate gebraucht.

Für 2021 kriege ich – wenn nichts gravierendes passiert – wohl die Finanzierung für die Blogs zusammen (u.a., weil Verwertungsgesellschaften wie die VGWort im September einen gewissen Betrag für Seitenabrufe in 2020 ausschütten). Wie das längerfristig ausschaut, steht allerdings offen. Mittwoch soll ich Informationen bekommen, was Google ggf. in Bezug auf Werbeanzeigen ohne Cookies und mit FLoC in Zukunft so plant. Die Diskussionen innerhalb der EU um die ePrivacy-Richtlinie verheißen auch nichts Gutes. Da soll der Cookie-Consent nach aktuellen Entwürfen wieder gekippt werden – wäre kurzfristig gut für die Publisher – ich fürchte aber, dass das ggf. einige Zeit später wieder durch den EuGH kassiert werden könnte – dann beginnt das ganze Schlamassel von vorne. Daher fürchte ich, dass das Thema durch die obigen Diskussionen um FLoC wieder zur Hängepartie wird. Mir geht der Spruch „gibt es ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende – und musst Du irgendwann den Stecker ziehen“ im Kopf herum. Nun ja, wir werden sehen, wie das Ganze ausschaut – vielleicht wissen wir Ende 2021 mehr.


Cookies blockieren entzieht uns die Finanzierung: Cookie-Einstellungen

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19 Antworten zu Gegenwind für Googles FLoC-Ansatz

  1. M. aus O. sagt:

    Ich bin auch einer deren, die nicht mehr ohne aktiviertem Addblocker surfen. Und ich werde ihn auch nicht wieder abschalten, m.M.n. ist Werbung keine Lösung sondern ein großes Problem. Daher habe ich nun (nachdem ich diesen Blog vor ca 3 Wochen zum ersten Mal gefunden habe) einen kleinen Dauerauftrag eingerichtet. Da ich nicht weiß, wieviel so ein Blog pro Ansicht (page impression?) an Werbevergütung normalerweise so erhält, habe ich einen Betrag geschätzt, in niedrigen zweistelligen Cent-Bereich pro Monat.
    Vielleicht kann der Author dieses Bloges ja mal eine Schätzung seinerseits publizieren, was er erhalten würde, wenn ich (also ein User) meinen Addblocker nicht hätte.
    Ich denke, selbst bei kleinen Beträgen pro Person und Monat, könnte da schon eine spürbare Summe bei rauskommen. Ansonsten lasse ich mich auch gerne eines Besseren belehren wie hoch die Spende sein müsste.
    Netzpolitik.org z.B. macht es auch so und ziemlich erfolgreich. [Der letzte Satz kann gestrichen werden, wenn der Link gegen die Regeln verstoßen sollte.]

    • Günter Born sagt:

      Ich gebe mal einige kurze Antworten.

      1. Für 1.000 Seitenabrufe (durch verschiedene Nutzer) bekomme ich pro Anzeige so um die 0,70 Euro.


      Bei PayPal ist heute eine Buchung in Höhe von 0,10 Euro eingegangen. Mir ist das Herz in die Hose gerutscht, da ich mir gemerkt hatte: Pro Buchung fallen 0,35 Euro Gebühren an, so dass ich 0,25 Euro drauf gelegt hätte. Also nachgesehen, glücklicherweise hat PayPal nur 0,10 Euro Gebühren berechnet – treibt mich also nicht in den Ruin. Aber die Rechnung:
      Zugang durch Spende in Höhe 0,10 Euro
      – Abgang an Gebühren in Höhe von 0,10 Euro
      = Nullsummenspiel

      macht nicht wirklich Sinn. Der gute Wille ist angekommen – aber bitte den „Dauerauftrag“ stornieren – nichts für ungut.


      2. Die – auch in einem anderen Kommentar – geäußerte Vorstellung, dass Werbung statisch als Bild (ohne Tracking) eingebelendet werden kann, scheint nicht wirklich zu funktionieren. Aktuell kenne ich kein Angebot, wo so etwas bereitgestellt wird – die wollen immer etwas über die Benutzer wissen. Als Publisher habe ich aber auf diesen Teil keinen Einfluss – ich binde einen div-tag als Werbeplatz ein und den Rest regeln die Werbepartner, wobei das aktuell Google ist, die dann diverse Werbenetzwerke einbinden. Welche Art von Werbung geschaltet wird, kann ich auch nur grob vorgeben (ich habe z.B. bestimmte Anbieter wie eBay, weil die immer die Reichskriegsflagge beworben haben, oder besonders aufdringliche Werbeformate wie Vignetten, die die komplette Seite überblenden, sperren lassen oder auf Adsense gesperrt).

      3. Ich werde niemanden davon abhalten, seine AdBlocker hier eingeschaltet zu lassen. Es ist eine individuelle Entscheidung jedes Einzelnen – ich weise allerdings auf die Implikationen hin. Denn es geht ja nicht prinzipiell um den oder die Blog hier auf borncity.com – solange es noch Spaß macht und ich finanziell noch Land sehe, versuche ich das Angebot für die Community am Leben zu halten. Wie lange, werden wir sehen – ich kann für mich problemlos jederzeit den Stecker ziehen, wenn es aus technischen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen oder rechtlichen Gründen erforderlich wird.

      Das Problem wird halt die Landschaft der vielen kleinen Internetseiten treffen – für viele Seiten lohnt es schlicht nicht mehr, das Angebot aufrecht zu erhalten, weil sie sich nicht mehr finanzieren können. Übrig bleiben einige Enthusiasten, die das für Umme machen (können/wollen). Und wenn Verlage da eine Redaktion bezahlen müssen, wird es imho auch schwierig. Das Ergebnis – es geht ein Stück des Internets, wie wir es bisher kannten, schlicht verloren. Es gibt immer mehr Paywalls für die Artikel – ist ja aktuell schon deutlich zu beobachten.

      4. Die Erfahrung aus 14 Jahren bloggen ist schlicht, dass es mit Mikro-Payment (über Flattr, Paypal etc.) nicht klappt. Die Amazon-Affiliate-Vergütung lag die Jahre bei ca. 600 Euro, ist 2020 aber auf 300 Euro/Jahr gefallen. Die Flattr-Einnahmen bei einem 3-Monats-Versuch beliefen sich auf genau 0 Euro. Über Paypal sind 2019 und 2020 jeweils ca. 1.000 Euro pro Jahr rein gekommen (waren „Spitzenjahre“, vorher waren es 100 bis 300 Euro/Jahr). Danke an jeden Spender, der die Blogs damit unterstützt. Aber damit kann man keine Blogs als Vollzeitblogger betreiben.

      Ich habe hier in den Blogs auch Coil eingebunden. Die Einnahmen in meiner Ledger-Wallet nach drei Monaten – irgend etwas mit 0,04 Euro.

      Für mich waren die Werbeeinnahmen über Google Adsense (zu Beginn) und seit die Blogs eine gewissen Reichweite haben, über Google AdExchange (mit Versteigerung der Werbeplätze) eine einfache und effiziente Möglichkeit, die Arbeit zu montarisieren, aber unabhängig von Werbekunden zu bleiben. Es gibt nur die Abhängigkeit von Google (wo eine Art Wegezoll an Google und den Google Partner, der die AdExchange-Sache betreut, anfällt). Ich brauche nur die Werbeplätze über einen Code einzubinden, um den Rest kümmern sich Google und dessen Partner – so das ich mich aufs Bloggen fokussieren kann. Weitere Vorteile: Ich muss mir keine Gedanken um Leser machen, die mit Abo-Kündigung drohen, weil ich denen nicht nach dem Mund blogge. Ich muss auch keine Rücksicht auf einzelne Werbekunden nehmen, die mit dem Einstellen von Anzeigenschaltungen drohen, weil ich ggf. mal nicht so schön über ein Produkt schreibe. Das sind so Punkte, die für mich wichtig waren.

      Die Finanzierung über Bannerwerbung hat es mir auch ermöglicht, über Jahre die Zahl der sponsored Posts nahe Null zu halten. Ich muss mal schauen, ob ich da über einen Anbieter etwas mehr Einnahmen generieren kann, ohne meine Unabhängigkeit zu gefährden – Sponsoren habe ich – abseits meines Hosters, der einen kleinen Teil der Kosten trägt – aktuell nicht.

      5. Eine Paywall der Art: Zahlende und angemeldete Nutzer bekommen das Angebot werbefrei präsentiert, plane ich nicht. Das hat seinen Hintergrund, warum ich das nicht möchte: a) ich müsste so etwas technisch realisieren und b) würde es eine Anmeldung erfordern. Letzteres möchte ich aus zwei Gründen nicht:

      – Aktuell gibt es nur meinen Account, der gehackt werden könnte und entsprechend abgesichert ist. Jeder angemeldete Benutzer erhöht für mich sicherheitstechnisch das Riskio, dass der Account gehackt und missbraucht werden kann.
      – Zweitens ist es so, dass ich möglichst wenig von meinen Lesern wissen möchte – daher auch die Möglichkeit zur anonymen Kommentierung. Falls der Blog wirklich mal gehackt wird, hält sich der Schaden für alle Besucher in Grenzen – es gibt keine Ameldedaten von Benutzern, die abgegriffen werden können. Einem Angreifer fielen maximal die hier in den Kommentaren angegebenen E-Mail-Adressen in die Hände. Viele der hier hinterlegten E-Mail-Adressen sind erkennbar Freemail-Adressen, angelegt für Spammer. Das ist für mich aus DSGVO-Gründen ein riesiger Vorteil.

      Nur wenn ein großer Anbieter (möglicherweise Google) so etwas als „Dienstleistung“ anbietet – und ich das einfach in den Blog integrieren könnte (so in der Art: Ist der Benutzer beim Dienstleister angemeldet, stoppt der die Ausspielung der Werbung), würde ich drüber nachdenken. Dann wäre der Dienstleister für DSGVO-Verstöße und die Absicherung der Benutzerverwaltung verantwortlich. Vielleicht erfahre ich Mittwoch bei einem Webinar meines Werbepartners etwas darüber. Und der Dienstleister könnte das für viele Webseiten aufziehen – einmal anmelden, und einen monatlichen Beitrag über viele Blogs, die teilnehmen, verteilen lassen.

      Ist aber ein umfangreiches Thema, über das man stundenlang dozieren könnte – wofür mir die Zeit und der Nerv fehlt. Zu netpolitik.org: Die sind durch die angesprochenen Themen in einer besonderen Position – das funktioniert für viele andere Angebote (m.M.n.) schlicht nicht.

      • icke sagt:

        Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
        Ein ähnlicher Gedanke wie der von „M. aus O.“ ging mir auch durch den Kopf.
        Browser ohne Adblocker geht gar nicht, allerdings überweise ich den Seiten, die ich regelmäßig lese, auch regelmäßig Geld (teilweise per Dauerauftrag, teilweise per Paypal). An Paypal-Gebühren hatte ich bisher nicht gedacht.
        Noch heute kommt diese Seite auf die Liste, versprochen!

      • Knut sagt:

        Finde eigentlich ganz gut, wie das bei Twitch mit den Spenden geregelt ist. Kanal abonnieren, dann ist es für den Abonnenten werbefrei, fester Betrag, von den monatlichen 5 Euro kommen immerhin noch über 3 Euro beim Streamer an, und der muss sich um nichts weiter kümmern. Aber das sind halt audiovisuelle Medien und dann ist man wieder an einer Plattform gebunden.

        Würde mir für so einen Blog wie diesen überlegen, wie man das eventuell mit ergänzenden Angeboten quersubventionieren/kombinieren kann. Für so einen deutschsprachigen „Security Now“ (Twit) Wochen-Podcast ist sicher noch Platz in der Medienlandschaft.

      • Hans sagt:

        Vielen Dank für die ausführliche Antwort.
        Unterstützung ist unterwegs.

        Wie aufwändig wäre denn eine jährliche Spendenleiste ähnlich dem, was Wikipedia gegen Jahresende macht?

        (Die Zielsumme muss nicht öffentlich sein, nur eine Anzeige des prozentualer Anteil zu Ihrem veranschlagten Ziel und z.B. max. täglicher Aktualisierung, um nicht Rückschlüsse über die Höhe anhand von selbst getätigten Spenden machen zu können.)

        • Günter Born sagt:

          Lasst den Punkt jährliche Spendenunterstützung offen. Ich sitze gerade in einem Webinar, wo es um das Thema „wie kann ich Werbung ohne dieses Nutzertracking durch 3. Party Cookies monetarisieren“ geht. Abseits des FLoC-Themas scheint sich was zu tun. Vieleicht findet sich für die Blogs hier ein Weg, um mit weniger Werbung – und ohne Nutzertracking – trotzdem den alten Umsatz zu erzielen. Ich muss das für mich in Ruhe sortieren und bewerten und dann mit dem Partner umsetzen.

    • kg sagt:

      Ich löse das für mich so, dass ich meinen adblocker eigentlich immer aktiviert habe, dafür aber den für mich wertvollen Blogs wie auch diesem hier (insgesamt ca. 4-5 an der Zahl), die ich mehr oder weniger täglich besuche, einmal im Jahr eine Spende in Höhe von jeweils 50 Euro zukommen lasse.
      Der Informationsgewinn, die Tipps und die Lösungsvorschläge, die ich in den letzten Jahren gerade auch von Günter’s Blog erhalten habe, sind mir das definitiv wert!

  2. Hans sagt:

    Ich habe auch grundsätzlich nichts gegen Werbung, wenn sie zu 100% garantiert passiv ankommt, also ein reines und statisches Bild (jpg, png) ohne jegliches Skripting oder Tracking zu Werbeanalysen.
    Dabei stimme ich Ausnahmen für z.B. VGWort gerne zu.

    Bei der Werbung per Briefkasten funktioniert das doch auch:
    Statisch und ohne Tracking.
    Und bei Wunsch mit Sticker „Bitte keine Werbung“.

    Auch ich bin gerne bereit, abseits der Werbevergütung, einen Beitrag zu leisten.

    • Zocker sagt:

      Zusätzlich sollte Werbung nicht aufdringlich sein und auch nicht (zu sehr) ablenken (z.B. durch knallige Farben, die vom Rest zu sehr hervorstechen).
      Auf Mobilgeräten spielt zudem die Datengröße eine Rolle. Und sollte hier auch nicht er halbe Bildschirm voller Werbung sein.

      • Günter Born sagt:

        Mobilgeräte: Schwieriges Thema – hier im Blog sind das gerade mal 5%-6% der Besucher. Ich hoffe nicht, dass Google mich im Mai (wegen Änderungen in den Bedingungen) zwingt, auf Mobilgeräte abzustellen. Dann würde ich für 2-3 Euro mal wieder ein riesiges Rad drehen, wobei Google dann am Liebsten Overlay-Anzeigen, die alles verdecken, ausspielen will. Das sind dann die Gängelungen, die mir den Tag versauen und mich über „Stecker ziehen“ nachdenken lassen. Denn nur weil es hipp ist, fordert die Welt Mobilgeräte kompatible Seiten – ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, interessiert nicht.

  3. Zocker sagt:

    Das war nicht speziell auf diese Seite bezogen, sondern allgemein. Ich selbst schaue nur sehr selten vom Mobilgerät hier rein. Dieses hat dann mit Adaway einen systemweiten Werbeblocker, der auch bei Apps nützlich ist. In letzteren ist die Werbung auch gerne aufdringlich, weil sie permanent zu sehen ist. (Günstige) Einmalkäufe sind hier auch nicht mehr der Trend, sondern Abos.
    Overlays sind besonders auf Mobilgeräten grauenhaft, weil man diese nicht so einfach wegtippen kann (man tippt schnell daneben).

    Ab Mai wird responsive Webdesign zumindest für die Google Suche wahrscheinlich verpflichtend sein (ist mein letzter Stand und Google hat es ja schon lange hinausgezögert). Ziemlich unsinnig wenn man an die ganzen privaten Webseiten denkt (z.B. von Freeware, da wird vielleicht die Homepage dann schnell im Nirvana verschwinden und stattdessen eine unseriöse Seite präsentiert), die schon mit der DSGVO zu kämpfen haben. Für einfache Seiten lohnt sich eine Anpassung meist nicht. Trotzdem sind diese Seiten wertvoll und sollten nicht im Niemandsland verschwinden. Google missbraucht hier mMn seine Marktmacht. Das Web besteht aus mehr als nur den „großen“ Webseiten.

  4. chw9999 sagt:

    Bin ich bei Heise vor ein paar Jahren mal drüber gestolpert, „Werbung erklärt“. Ich will aber ausdrücklich das Forum hier davon ausnehmen! Aber häufig ist das halt so im weltweiten Web…:
    https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Zahl-der-Geraete-mit-Adblocker-waechst-weltweit-um-30-Prozent/Stellt-Euch-vor-Ihr-sitzt-auf-dem-Sofa-und-oeffnet-eine-Zeitschrift/posting-29878054/show/
    Ja, ein „Netzabo“, eine Summe pro Jahr an die VGWort oder Gema (ach, wird schon!) oder ähnliches abgedrückt und dann sorgen- und selbstvorwurfsfrei ohne Werbung in Blogs stöbern: das wäre was!
    Aber die Werbung der 90er hat bei mir Schäden hinterlassen, so dass ich seit dem nicht mehr ohne Werbeblocker „außer Haus“ gehe.
    https://dilbert.com/strip/2003-08-21
    (ersetze Spam Filter durch Werbe-Blocker)

    • Zocker sagt:

      „Ja, ein „Netzabo“, eine Summe pro Jahr an die VGWort oder Gema (ach, wird schon!) oder ähnliches abgedrückt und dann sorgen- und selbstvorwurfsfrei ohne Werbung in Blogs stöbern: das wäre was!“

      Nein, dass wäre nichts! Denn es erzeugt direkt das nächste Problem, und zwar auf Seiten des Konsumenten. Von diesem kann dadurch problemlos ein erstklassiges Profil erstellt werden, wenn der sich überall mit demselben Account anmelden muss. Um das zu umgehen, müsste man eine Zwangspauschale für alle Bürger (ähnlich wie bei der GEZ) kassieren. Da würden jedoch auch Leute zahlen, ohne eine Gegenleistung zu erhalten. Zudem reden wir hier nicht von ÖRs mit (angeblichem) Bildungsauftrag, sondern von Konzernen. Und wenn diese derzeit pro Webseite 3€ im Monat pro Nase verlangen, wird das ein ziemlich teurer Spaß werden. Jedenfalls dann, wenn die Auswahl der Webseiten nicht willkürlich werden soll, sondern schlicht alle umfassen soll.
      Und wenn man die GEMA als Vorbild nimmt, dann weiß man, dass die kleinen Verlage und Webseiten baden gehen werden, weil sie nur die Krümel bekommen werden. Kennt man schon von der Musikindustrie.

  5. 1ST1 sagt:

    Microsoft hat FLoC in Chromium Edge wohl auch wieder herausoperiert.

    • Günter Born sagt:

      Es deutet sich an, dass Microsoft mit Edge, Mozilla mit Firefox, Apple mit Safari und weitere Browser-Anbieter erst einmal nicht auf FLoC gehen. Wenn nichts gravierendes passiert, dürfte der Ansatz damit tot sein … Überraschungen nicht ausgeschlossen.

      • Zocker sagt:

        Bei der Marktmacht von Chrome würde ich das nicht sagen. Wenn Google nicht blöd ist, werden sie das weiterhin verfolgen.
        Chrome hat einen Marktanteil von fast 70%. Darin sind allerdings auch einige auf Chromium basierte Browser wie Vivaldi dabei, da die sich im User Agent aus Kompatibilitätsgründen als Chrome ausgeben. um Whitelists auszutricksen. Dennoch wird der Marktanteil von Chrome über 60% sein und das ist ein Brett, mit dem es im Bereich des Möglichen liegt, sich durchzusetzen.

        • Knut sagt:

          Google will jedoch ganz sicher auch nicht auf Marktanteil und Einnahmen verzichten. Insofern werden sie es sich gut überlegen.

          Bei Opera etwa kann man im Adblocker auch „acceptable ads“ einstellen, ist auch die Standardeinstellung.

          D.h. Amazon Werbung etwa wird mir noch angezeigt, nicht jedoch Casinowerbung, Phishing-Gewinnspielseiten und noch krankeres Zeugs.

        • Günter Born sagt:

          Vergiss nicht, dass 41% der Websites mit WordPress laufen. Dann noch x % Nutzer mit FLoC-Blocker abziehen, schon sehen die Zahlen anders aus.

          • Zocker sagt:

            Danke, die 41% waren mir nicht bewusst. Hätte ich nicht im Ansatz so hoch eingeschätzt.
            Was die FLoC-Blocker angeht, das werden wesentlich weniger Nutzer haben als bei den bisherigen Werbeblockern, da sich die Wenigsten der Problematik bewusst sein werden. Es sei denn, die Werbeblocker werden das integrieren. Dann sieht es anders aus, wobei hier nichts verloren geht, denn diese Nutzer blockieren Werbung und Tracking ohnehin schon.

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