Aus für De-Mail, die Telekom schaltet ab

Es war eine absolute Erfolgsgeschichte, die elektronische Behördenpost, auch De-Mail genannt. Unsere Bundesregierung hatte damit eine sichere Möglichkeit elektronischen Kommunikation mit Behörden per E-Mail geschaffen. Keiner kam an diesem Medium vorbei, jeder hätte es nutzen können. Aber nun stellt die Telekom dieses Erfolgsprojekt ein – diese Weicheier …


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Ok, ok, ich gebe zu, ich habe im Eingangstext gehörig geflunkert. Als die sogenannte De-Mail vor zehn Jahren startete, konnte man schon absehen, dass das irgendwie ein toter Gaul werden würde. Dabei war es mit deutscher Gründlichkeit gemacht worden, sogar ein Gesetz zu den De-Mail-Diensten gab es. Die De-Mail-Dienste sollten einen sicheren, vertraulichen und nachweisbaren Geschäftsverkehr für jedermann im Internet sicherstellen. Der Dienst ermöglichte zudem auch Identitätsbestätigungs- und Dokumentenablagedienste. Ein De-Mail-Dienst konnte nur von einem akkreditierten Diensteanbieter betrieben werden.

Eigentlich eine gute Sache. Ich erinnere mich, dass ich mal kurz mit De-Mail geliebäugelt habe – aber wenn ich mich recht erinnere, wollte Web.de damals Geld für einen E-Mail-Dienst, den ich eigentlich nicht gebraucht habe. Auch wenn es hieß, dass das Leben einfacher werde, weil ich sensible Unterlagen und Verträge bequem von zu Hause verschicken und mir so Behördengänge ersparen können.

Das Problem war recht schnell klar: Es gab nur wenige Leute, die sich einen De-Mail-Zugang zulegten – obwohl ich gerade hier lese, dass dieser Dienst für Privatnutzer sogar kostenlos war. Die Behörden, die diesen Dienst eigentlich zur Kommunikation einrichten sollten, bummelten, für Privatnutzer gab es kaum Gelegenheit, dass man dieses Angebot gebrauchen konnte. Dunkel erinnere ich mich auch, dass der Chaos Computer Club über die Sicherheit moserte und Datenschutzprobleme vermutete.

Das Ende vom Lied: Deutschland hatte De-Mail, aber kaum einer nutzte diesen Dienst. Die Deutsche Telekom, die als akkreditierter Diensteanbieter das Ganze betrieb, machte dreistellige Millionenverluste.

De-Mail wird eingestellt

Jetzt wird De-Mail eingestellt, wie ich obigem Tweet entnehme. Die Telekom verschickte an Geschäftskunden eine Kündigung – zur Sicherheit per Briefpost. Darin heißt es von der Telekom, dass man sich aus strategischen Gründen entschieden habe, den De-Mail-Dienst aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit nur noch bis Ende August 2022 anzubieten. Wer ein privates De-Mail-Postfach besitzt, wird die Kündigung wohl im September erhalten.

Es ist ein weiterer Fehlschlag in Sachen Digitalisierung, bei dem viel Geld verbrannt wurde. Aktuell prüft GMX laut diesem SPON-Beitrag, ob das Angebot weiter geführt werden kann.


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16 Antworten zu Aus für De-Mail, die Telekom schaltet ab

  1. Anonymous sagt:

    Die beste Nachricht zum Sommerende 2021!

  2. strahlemann sagt:

    Ich denke ich möchte keine rechtskräftigen E-Mails haben, das ist besser, wenn so etwas weiterhin auf dem Postweg per Einschreiben kommt. Ja altmodisch auf totem Baum. Datenverlust oder etwas aus Versehen gelöscht (von mir oder dem Anbieter) könnte teuer für mich werden. Sorry, ich habe da kein Vertrauen.

    Andere Projekte sind ähnlich „erfolgreich“ gewesen. Glaubt mir nicht? Schaut euch doch mal die Kritik / Sicherheit beim elektronischen Anwaltspostfach an:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Besonderes_elektronisches_Anwaltspostfach#Kritik

    Generell meide ich gerne solche Fallen: „Verbraucherschützer warnen vor Vertragsabschlüssen am Tablet“
    https://winfuture.de/news,124750.html
    Digitale Unterschriften? Oder mit Perso im Netz über NFC? Alles zu Heikel. Würde ich maximal für das digitale Bürgerbüro nutzen.

  3. TS sagt:

    Wie war das noch mal vor gefühlten 25 Jahre?
    Da gab es doch für alle die wollten – kostenfrei – die ePost Adresse bei der „deutsch Post“ – lebenslang, einzigartig und Offiziell. Das war zwar damals noch nicht als „Rechssicher oder Amtlich designt“ aber es war von der Deutschen Post! Die Adressen waren nach dem Schema Vorname.Nachnahme und einer nach oben gehende Nummer at epost punkt de – zumindest wenn man nicht der erste war!
    Und?
    Nach gefühlten 5 Jahren wurde es eingestellt – (un)wirtschaftlich, Unhandlich, Umständlich, Bürokratisch (kein POP/ SMTP anfangs) mit vielen Kosten und keinen Einnahmen für die POST. Weg damit das kostet nur! Lebenslang bedeutet bis der Anbieter keinen Bock mehr darauf hat.

    Wurde, aber wenn ich das richtig weiß wiederbelebt – ob’s einer nutzt – keine Ahnung. Meine damalige „lebenslange“ eMailadresse ist jedenfalls Tod – mordet bei fehlgeleiteter Wirtschaftlichkeit durch Controller und Bonus-Orientierten Vorständen.

    Das Bild oben mit dem rotzfrechen (T-) Grinsen sagt eigentlich alles zum Thema. Rahm abgeschöpft (Förderungen / Subventionen) – Dienst spartanisch gehalten und abschalten – das Nächste wichtige Projekt von der Regierung kommt – der Bonus ist gesichert!

  4. Blupp sagt:

    DE-Mail fand ich von der Theorie eigentlich nützlich, habe mir aber nie eine Adresse angelegt. Grund waren praktische Erwägungen.

    Wenn ich mich zurückerinnere, ich hoffe ohne Irtum:
    Erst hieß es, eine gewisse Anzahl Mails sei kostenfrei, mehr kostet aber. Dann hieß es, es sei sicher und die Kommunikation nachweisbar. Aber irgendwie war dann von einer Behörde zu lesen dass eine Mail als empfangen gilt wenn nur die Absendebestätigung vorgelegt werden würde. Der CCC hatte auch bedenken angemeldet… Wass wenn die Mail doch verloren geht, technische Probleme z.B. Als Normalbürger ist man dann gekniffen weil womöglich schludlos Fristen verpasst wurden.

    Da lob ich mir das hoffnungslos veraltete Fax, den qualifizierten Sendebericht bekommt man nur wenn vom Gerät der Gegenseite der korrekte Empfang bestätigt wurde. Gute Geräte schicken dieses OK auch nur wenn der Ausdruck in Ordnung war, überwachen den Tonerstand usw. Klar hat man ein Problem wenn das eigene Gerät nicht so gut ist und spinnt und nur leere Seiten ausgibt, aber man hat es weitgehend selbst in der Hand und ist nicht allein einer juristischen Definition ausgeliefert. Und da wär dann noch die Briefpost. Hab ich alles als sicherer empfunden als DE-Mail. Habe damals reiflich überlegt und DE-Mail verworfen, mich dann mangels Interesse nicht mehr damit beschäftigt. Vielleicht wurde es ja besser oder ich war einem Irrtum aufgesessen. Von der Sicherheit überzeugt war ich nicht, also kein DE-Mail. Das Ende sehe ich dann als Randnotiz.

  5. 1ST1 sagt:

    Ich habe damals DeMail von der Telekom beantragt. Nachdem ich zum dritten Mal auf die Post rennen sollte, um meine Identität per Postident zu bestätigen hab ich genervt aufgegeben. Das schien mir eine Endlos-Geschichte zu sein. Und dabei war ich schon damals Kunde der Telekom, wozu da nochmal Postident? Sinnlos. Man hätte das mit den bestehenden T-Online-Mailaccounts verknüpfen müssen, dann wärs kinderleicht gewesen. Gescheitert by Design.

  6. Steter Tropfen sagt:

    Vielleicht hätte man das Ganze von Seiten der potentiellen Absender einfach dem Kunden mal offensiver unter die Nase halten sollen.
    Mir ist irgendwie nicht klar, wozu ich persönlich De-Mail hätte nutzen können. Steuerbescheid und Wahlunterlagen papierlos kriegen? Einmal im Jahr Stand vom Wasserzähler übermitteln? Oder was?
    Vielleicht habe ich einfach zu wenig Phantasie. Oder zu wenig Behördenkontakte (…nicht dass ich etwa mehr davon haben wollte): Daran wird’s liegen.

    Meine Krankenkasse hat mich vor zwei Jahren genötigt, mich für irgendeinen Dienst zu registrieren, um „sicher“ Mails von ihnen bekommen zu dürfen: secmail7.bitmarck.org – Ein übereifriger Sachbearbeiter (auf dessen Stuhl schon wieder wer anderes sitzt) hatte mir dort eine nervige Rückfrage hingeschickt, statt einfach mal anzurufen. Seither nie wieder davon gehört. Die schicken weiterhin alles per Papierbrief, und gut tun sie dran…

  7. Extrawurst sagt:

    „Aktuell prüft GMX laut diesem SPON-Beitrag, ob das Angebot weiter geführt werden kann.“

    Fehlt da nicht ein Link?

  8. Gutscheinsammler sagt:

    Ich bin dankbar für die Einführung damals. Das System wurde intensiv beworben. Als Prämie für die Einrichtung eines de-mail Postfachs konnte ich damals einen Gutschein von Amazon abstauben. Der Wert lag wenn ich mich richtig erinnere bei 30 Euro. Angemeldet, Gutschein erhalten, Postfach nie benutzt. Ich bedanke mit bei den Steuerzahlern.

    • Günter Born sagt:

      Wir haben dann das 2020 mit den Masken gemacht, aber keine Fähnchen bei Amazon gekauft ;-). Und den Dank an die Steuerzahler spare ich mir, denn es läuft in der Art „linke Tasche, rechte Tasche“.

  9. Anonymous sagt:

    Ja war ja auch kostenpflichtig, also als Privater witzig eingeschränkt nutzbar.

  10. voko sagt:

    Kurioserweise kann man sich nach wie vor für einen De-Mail-Account immer noch registrieren? Sollte dies dann nicht abgeschaltet werden?

  11. Lorem Ipsum sagt:

    Wie ich gerade bei Heise¹ lesen konnte geht es mit der De-Mail mit 1&1 sowie Mentana-Claimsoft, eine Tochter von Francotyp Postalia weiter. Also das Aus für die De-Mail dürfte wohl noch etwas dauern…

    1) https://www.heise.de/news/Mentana-Claimsoft-haelt-an-De-Mail-fest-6180777.html

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