Viele Anwender hadern damit, dass ältere Scanner nicht mehr unter Windows 7 funktionieren. Auch bei dem in meinem Büro vorhandenen HP Scanjet 4470C wurde die Treiberentwicklung vom Hersteller HP mit Windows XP eingestellt. In diesem Beitrag möchte ich beschreiben, wie ich zumindest einen Notbetrieb unter Windows 7 (32-Bit) erreicht habe.
Häufige Leser meines Blogs haben vielleicht bemerkt, dass die Frequenz der Blogbeiträge etwas nachlässt. Nun, in den letzten Monaten haben mich einige Bücher zu Microsoft Office 2010 in “Atem gehalten” – und die letzten drei Wochen gönnte ich mir eine Auszeit. Aber jetzt kennen meine Füße wieder “den Weg ins Büro” und es gibt noch viel “Holz in der Pipe”, welches in Form von Büchern und Blogbeiträgen beackert werden will. Als erstes möchte ich mich nochmals des Themas Scannen unter Windows 7 widmen.
Ich hatte mir so 2002 bis 2003 einen HP Scanjet 4470C zugelegt, da dieses Gerät auch mit einer Durchlichteinheit zum Scannen von Dias und Negativen versehen ist. Umso größer war mein Ärger, als ich bereits 2007 feststellen durfte, dass der Hersteller Hewlett Packard die Treiberentwicklung verschlafen hat und seine Kunden “im Regen stehen lässt”. Die Treiberentwicklung wurde 2001 mit dem Erscheinen von Windows XP eingestellt – selbst aktualisierte Treiber für Windows XP SP2/SP3 oder Windows Server 2003 gab es nicht mehr. Wer auf Windows Vista umstieg, schaute in die Röhre.
Die Hintergründe zu diesem Thema habe ich in meinen Blogs unter [1] und [2] erläutert. Dort wurde auch grob skizziert, wie sich das Problem durch Virtualisierung oder Verwendung des Kompatibilitätsmodus entschärfen lässt. Mit einem Brother DCP 115 stand mir zudem ein Scanner zur Verfügung, der direkt durch Windows Vista und Windows 7 mit WIA-Treibern unterstützt wird. Trotzdem wurmte es mich, den HP Scanner zu entsorgen (ich hatte bereits einen Mustek SCSI-Scanner wegen fehlender Treiberunterstützung und PCI-Karten) bei Windows XP entsorgen müssen. Ein DualBoot-Betrieb mit Windows XP schied beim Wechsel auf einen neuen Windows 7-Rechner aus.
Als Notbehelf verwendete ich eine virtualisierte Windows XP-Umgebung, erlebte da aber mein persönliches Waterloo.
- Microsoft Virtual PC schied aus, da diese Lösung unter Windows 7 Home Premium keinen Windows XP-Mode unterstützt (weil die RDP-Unterstützung fehlt). Und auf die installierte 64-Bit-Ultimate-Variante auszuweichen, ist auch keine Option (zumal der Windows XP-Mode da beim Hochfahren extrem langatmig ist).
- Eigentlich bot sich das Produkt VMlite zur Virtualisierung an, welches die Verwendung des Windows XP-Modes auch unter Windows 7 Home Premium zulässt. Leider fehlt in der aktuell verfügbaren Version 3.1.2 die Virtualisierung von USB-Anschlüssen. Dieser Ansatz schied also aus.
- Die Alternative wäre Virtualbox gewesen, da es einmal ein Plugin von VMLite gibt, mit dem sich der Windows XP-Mode erzwingen lässt. Aber dies setzt voraus, dass VirtualBox in der älteren Version 3.1.2 vorliegt. Beim Schreiben dieses Beitrags lag bereits Virtual Box 3.2.4 vor. Zudem verwende ich bevorzugt die portable Version von VirtualBox ein, um unabhängiger zu sein. Dann lässt sich das VMLite-PlugIn aber nicht installieren. Ich habe mir daher extra eine separate Windows XP SP3-Installation zur Scanner-Unterstützung aufgesetzt. Zu meinem Ärger musste ich aber feststellen, dass die USB-Unterstützung in VirtualBox eine mehr als wackelige Angelegenheit ist. Offiziell ist diese zwar vorhanden, funktioniert aber häufig nicht. So war es mir in der portablen Version nicht möglich, den USB-Treiber zu installieren. Auch in der Installationsvariante meldete Windows 7, dass kein VirtualBox USB-Treiber gefunden werden könne (da ist Oracle wohl ein Lapsus passiert). Beim Einbinden eines USB-Geräts wird dann gemeldet, dass die Einheit mit einem vorherigen Request busy sei. Dies ist ein Bug, der sich durch verschiedene VirtualBox-Versionen zieht und in zahlreichen Forenbeiträgen beschrieben ist. Also auch Pustekuchen – obwohl die VMs sonst unter VirtualBox mit passabler Leistung laufen.
- Beim VMware Player 3 sieht es ebenfalls betrüblich aus. Ich verwende zwar die aktuelle Version – zumal diese auch Aero unter Windows 7 zulässt. Auch die USB-Unterstützung funktioniert besser als bei VirtualBox. Daher hatte ich mir eine Windows XP SP3 Home Edition eingerichtet, in der auch die HP-Scannersoftware installiert war. Leider musste ich unter meinem 32-Bit Windows 7 Home Premium die unschöne Feststellung machen, dass der VMware Player das System beim booten einer virtuellen Maschine lahm legt – Minuten lang tut sich nichts oder Windows 7 reagiert äußerst zäh – so dass kein Arbeiten möglich ist. Das Verhalten konnte ich auch bei einem frisch aufgesetzten Windows 7 reproduzierbar beobachten. Lediglich unter meiner 64 Bit Windows 7-Ultimate-Installation lässt sich VMware Player 3.x vernünftig einsetzen.
Da ich für diverse Sachen (z. B. läuft die Rechtschreibprüfung von MS Office 2000 unter einem 64-Bit-Windows nicht mehr) auch weiterhin die 32-Bit-Variante einsetzen möchte/muss, war also guter Rat teuer – die möglichen Ansätze: Auf den Scanner verzichten, weiter mit Virtualisierungslösungen herumstoppeln oder einen Weg suchen, die Treiber doch noch zu installieren? Ich habe mich für letzteres entschieden.
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Treiber und HP-Scansoftware installieren, so geht’s
Für den Scanner HP 44709C stehen bereits für Windows Vista keine WIA-Treiber zur Verfügung [3]. Unter dieser Adresse lässt sich aber die 65 MByte umfassende Datei sj659ge.exe herunterladen. Es handelt sich um ein selbstentpackendes Archiv samt Installer, welcher die HP-Scansoftware (HP Precisionscan Pro 3.14, das HP Kopierprogramm) sowie die Treiber für Windows 9x, Windows 2000 und Windows XP beinhaltet. Die Installation unter Windows 7 Home Premium (nur 32-Bit-Variante) wurde dann mit folgendem Ansatz vorgenommen:
- Im ersten Schritt habe ich die Datei sj659ge.exe unter Windows XP ausgeführt, um das Archiv entpacken zu lassen. Statt die Installation durchzuführen, habe ich den auf dem Windows-Laufwerk beim Entpacken erstellten Ordner sj659 an einen neuen Speicherort kopiert. Das Entpacken lässt sich u. U. auch unter Windows 7 durchführen, wenn das Setup-Programm im Kompatibilitätsmodus von Windows XP ausgeführt wird (habe ich aber nicht probiert).
- Dann wurde der Scanner angeschlossen und eingeschaltet. Windows 7 erkannte das Gerät und versuchte einen Treiber zu finden. Der Versuch schlägt aber fehlt, da weder in der Windows Treiberdatenbank noch bei Microsoft Update entsprechende Treiber vorhanden sind. Ich habe dann den Trick versucht, im Geräte-Manager den Eintrag für den HP 4470C-Scanner anzuwählen und den Treiber manuell zu aktualisieren. Dann lässt sich der Ordner mit den entpackten Installationsdateien als Quelle angeben. Windows 7 installiert zwar einen Treiber, meldet aber während der Installation einen Installationsfehler – der Ansatz klappte also nicht.
- Im nächsten Schritt wurde daher der Ordner sj659 mit den entpackten Archivdateien im Windows Explorer geöffnet. Dann habe ich die Datei Setup.exe mit der rechten Maustaste angewählt und den Kontextmenübefehl Eigenschaften aufgerufen. Dann wurde auf der Registerkarte Kompatibilität die Schaltfläche Einstellungen für alle Benutzer ändern angewählt und dann die Optionen Programm im Kompatibilitätsmodus ausführen für “Windows XP (Service Pack 2)” sowie Programm als Administrator ausführen eingestellt.
Anschließend wurde die Installation über die Datei Setup.exe gestartet. Nach dem Durchlaufen der Installationsschritte wurde der eingeschaltete Scanner als funktionsfähig im Geräte-Manager angezeigt und auf dem Desktop (bzw. im Startmenü) fanden sich Einträge wie HP Precisionscan Pro 3.14 und HP Kopierprogramm.
Die Anzeige im Geräte-Manager ist aber mit Vorbehalt zu betrachten, da der Treiber zwar eine TWAIN- und eine WIA-Schnittstelle bereitstellt – die WIA-Schnittstelle aber die Version 1.0.x aufweist, also nicht zu Windows Vista/Windows 7 kompatibel ist. Verwendet man ein Grafikprogramm wie PaintShop Pro oder PhotoFiltre, welches die Auswahl der Scanquelle (z. B. Befehl Twainimport/Quelle wählen im Menü Datei bei PhotoFiltre) zulässt, erscheint das hier gezeigte Dialogfeld.
Wählt man die WIA-Schnittstelle in einem Grafikbearbeitungsprogramm wie Paint Shop Pro oder FotoFiltre an, erscheint sogar das Dialogfeld des Windows 7-Scanassistenten. Aber die WIA-Schnittstelle ist nicht kompatibel mit Windows 7 – der Scanvorgang wird also scheitern und die Software hängt sich sogar auf.
Anmerkung: Es ist mir sofort nach der Installation zwar gelungen, mit dem HP Kopierprogramm eine Kopie mit dem Scanner zu erstellen und zu drucken. Aber das Programm erwies sich im Dauerbetrieb als nicht sonderlich zuverlässig – der Kopiervorgang führte regelmäßig zum Aufhängen des Programms – obwohl ich diesem die Kompatibilitätsoptionen für Windows XP zugewiesen habe.
Aber das ist kein wirklicher Beinbruch, denn das mitinstallierte HP Precision Scan Pro 3.14 greift auf den TWAIN-Treiber zurück und stellt auch Scanfunktionen bereit. Und über dieses Programm lässt sich sogar die Durchlichteinheit für DIA- und Negativscan ansprechen.
Hier sehen Sie das HP Precision Scan-Fenster unter Windows 7, in dem eine Auflichtvorlage gesannt wurde. Über das Menü Datei lässt sich ggf. eine angeschlossene Durchlichteinheit zum Scannen von DIAs wählen – und es stehen auch Funktionen zum Entfernen von Moiré-Mustern etc. zur Verfügung. Wird HP Precision Scan aus einem Grafikprogramm aufgerufen, können die Daten nach dem Scan an dieses Programm übertragen werden.
Anmerkung: Auch das Ansprechen des Scanners über Grafikprograme erwies sich als problematisch. Bei Paint Shop Pro hatte ich den Fall, dass der Scan-Schlitten über den mechanischen Ansatz hinaus positioniert wurde. Bei PhotoFiltre kam es zu Zugriffsverletzungen beim Speicherzugriff.
Tipps zum Scannen
Um solche Kollateralschäden durch Absturz der Scansoftware auszuschließen, empfiehlt es sich, allen .exe-Programmen im Programmordner C:\Program Files\Hewlett-Packard\Precisionscan Pro 3.1 die Kompatiblitätsoptionen für Windows XP zuzuweisen.
Zusätzlich erstelle ich die Scans direkt in HP Precisionscan Pro (d.h. ich rufe das Programm über eine Desktop-Verknüpfung auf). Kopien lassen sich dann direkt in HP Precisionscan Pro drucken – Scans speichere ich über das Scanprogramm direkt in Grafikdateien, die ich anschließend mit einem Grafikprogramm bearbeite.
Kommt es bei Verwendung von HP Precision Scan gelegentlich zu “Hängern”? Normalerweise muss dann Windows neu gestartet werden. Es gibt aber eine elegantere Möglichkeit:
- Einfach den Taskmanager aufrufen und HP Precision Scan als Task abbrechen.
- Dann den Scanner kurz aus- und dann erneut einschalten.
- Anschließend ist HP Precision Scan Pro zu starten und der Scanvorgang einfach zu wiederholen.
Auf diese Weise lässt sich der HP 4470C-Scanner auch unter Windows 7 einsetzen – und ich kann endlich wieder auf die DIA-Scanfunktion zugreifen.
Abschlusskosmetik beim HP Precisionscan Pro-Programm
Beim Start des HP Precisionscan Pro-Programms werden Skriptfehler in einem Dialogfeld gemeldet. Verhindern lässt sich dies, indem die Hilfedatei GTF.chm im Verzeichnis C:\Program Files\Hewlett-Packard\Precisionscan Pro 3.1 gelöscht oder in GTF.chm1 umbenannt wird.
Die Anzeige der Produkttour lässt sich unterbinden, indem Sie im Programmverzeichnis die Datei ProductTour.exe in ProductTour.exe_ umbenennen.
Zudem habe ich für die Datei HP Precisionscan Pro.exe im gleichen Verzeichnis den Kompatibilitätsmodus (Windows XP SP2) eingestellt. Für alle diese Aktionen benötigen Sie administrative Berechtigungen.
Wenn ich Zeit finde, evaluiere ich ggf. mal die INF-Installationsdateien für die Treiber. Vielleicht lässt sich der WIA-Treiber über Registrierungseinträge deaktivieren.
Weiterführende Links:
[1] Scanner/Digitalkameras und Vista
[2] Scanner unter Windows 7
[3] Scannersupport von HP
[4] Virtualisierung unter Windows
[5] PhotoFiltre (Download)
Weitere Infos zu Windows 7 finden sich in meinen Windows 7-Tricks-Titeln.
(c) by Günter Born www.borncity.de
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