Windows 10 Version 1703: USB-Stick Multi-Partition-Support

[English]Zum Wochenende noch eine kleine Information für Nutzer des Windows 10 Creators Update. Microsoft hat dieser Windows-Variante erstmals eine Unterstützung für mehrere Partitionen auf removable Medien (USB-Sticks) verpasst. Hier mal ein paar Details, was man wissen sollte.


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Zum Hintergrund: Worum geht es eigentlich?

Bei Speichermedien wie Festplatten oder Wechseldatenträgern werden technisch zwei Varianten unterschieden.

  • Festplatten und Datenträger mit Fixed Media Bit
  • Wechseldatenträger wie USB-Sticks mit Removable Media Bit (RMB)

Die Kennung eines Medium mit Fixed oder Removable Media Bit erfolgt durch die Firmware eines USB-Sticks, einer USB-Festplatte oder einer Speicherkarte. Datenträger mit Fixed Media Bit behandelt Windows als Festplattenlaufwerke und zeigt diese auch im Windows Explorer in der betreffenden Gruppe an (siehe folgender Screenshot).

Medien mit Removable Media Bit (RMB) werden in Windows dagegen als Wechseldatenträger behandelt und in der betreffenden Gruppe des Dateimanagers einsortiert. Wechseldatenträger mit Removable Media Bit (RMB) unterliegen in Windows bestimmten Restriktionen. Ich habe das Thema im Blog-Beitrag USB-Stick wird als Festplatte angezeigt behandelt.

Man kann ein solches Medium (z.B. einen USB-Stick) mit Fremdtools oder dem Kommandozeilentool diskpart zwar mit mehreren Partitionen versehen. Im Gegensatz zu Linux kann Windows bisher aber nur eine Partition, konkret: Die erste Partition auf diesem Medium lesen. Die anderen Partitionen wurden ignoriert. Das kann schon mal zu Problemen führen, wenn ein USB-Stick unter Linux partitioniert wurde. Ich habe das Problem im Blog-Beitrag Partitionsprobleme mit der Datenträgerverwaltung sowie im Beitrag USB-Stick wird als RAW angezeigt – Disk-Doktor II angesprochen.

Ein Spezialfall nehmen USB-Sticks für Windows To Go ein. Seit Windows 8 lässt sich das Betriebssystem quasi als portable Version auf einem USB-Stick installieren. Dieses Feature steht offiziell nur für die Enterprise-Versionen von Windows 8, 8.1 und 10 zur Verfügung, klappt aber mit Tricks auch in den Home- und Pro-Versionen. Allerdings wird dort ein spezieller USB-Stick benötigt, der ein Fixed Media Bit in der Firmware gesetzt hat und sich wie eine Festplatte verhält. Dieses USB-Sticks sind partitionierbar und können somit mehrere logische Laufwerke aufweisen. Ich habe diese technischen Hintergründe im Blog-Beitrag Windows 8 To Go und USB 3.0-Sticks – Teil I erläutert.

Multi-Partition-Support ab Windows 10 Creators Update

Das Microsoft Marketing bläst zwar viel Papier über neue, tolle Features des Windows 10 Creators Update in die Welt. Da erfährst Du, dass eine Paint 3D-App (mit der niemand etwas anfangen kann) mit an Bord ist und Windows Ink verwendet werden kann. Aber so wichtige Sachen, wie der Umstand, dass die Einbindung von USB-Wechselmedien über die Dateisystem- und USB-Treiber nun Multi-Partition-Support bieten, bleibt im Dunkeln.

Der obige Screenshot zeigt einen USB-Stick, der als Wechselmedium gemountet ist, in der Windows-Datenträgerverwaltung. Es werden zwei Partitionen aufgeführt und auch die zugehörigen Laufwerke erscheinen. Vor Windows 10 Version 1703 wäre nur das der ersten Partition zugeordnete Laufwerk H: im Explorer angezeigt worden.

Ich bin vor ein paar Stunden erstmals bei heise.de und den Kollegen von deskmodder.de auf den entsprechenden Hinweis gestoßen. Als ich dann ein wenig recherchiert habe, stieß ich auf den tenforums.com Foreneintrag, wo dieses Feature bereits ein paar Tage früher erwähnt wird.


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Halb gar implementiert, das Ganze …

Bevor jetzt die ganze Gilde der Windows-Fans in kollektive Begeisterung ausbricht, möchte ich ein paar Wehrmutstropfen vergießen. Die Implementierung ist, in gewohnter Manier, nur halbgar erfolgt. Die Entwickler haben die Dateisystemfunktionen zum Zugriff auf Multipartition-USB-Medien zwar so ertüchtigt, dass logische Laufwerke im NTFS- und FAT-Dateisystem erkannt und eingebunden werden können (Linux-Dateisysteme bleiben außen vor). Aber die Hilfswerkzeuge zur Verwaltung solcher Datenträger sind nicht wirklich angepasst worden.

Was funktioniert, ist das Befehlszeilentool diskpart. Aber damit konnte man bereits in den vorherigen Windows 10-Builds und Windows-Versionen mehrere Partitionen auf einem USB-Stick anlegen und dann auf der Kommandozeilenebene formatieren. Die Windows Datenträgerverwaltung, die eigentlich fast jeder Nutzer verwenden will, patzt dagegen an einigen Stellen.

  • Ist ein USB-Stick bereits partitioniert und formatiert, verweigert die Datenträgerverwaltung die Möglichkeit, das Volume zu erweitern oder zu verkleinern (die Befehle im Kontextmenü werden grau abgeblendet, siehe obiges Bild). Man kann nur das Volume löschen oder formatieren.
  • Was skurrilerweise funktioniert (da sind die Kollegen der anderen Blogs wohl drauf reingefallen): Klickt man die ‘letzte’ Partition mit der rechten Maustaste an, gibt die Datenträgerverwaltung den Kontextmenübefehl Volume verkleinern frei und man kann die Partition in der Größe reduzieren. Das klappte bei meinen Tests aber nur, wenn ich die Partition unter Windows 10 Version 1703 auch erzeugt und formatiert hatte. Bei bestehenden USB-Sticks ließ sich die eine vorhandene Partition nicht per Datenträgerverwaltung reduzieren (der Kontextmenübefehl Volume verkleinern fehlte – möglicherweise vermutete die Datenträgerverwaltung dort Dateien, die da aber nicht vorhanden waren).
  • Aber es kommt noch krasser. Nimmt man einen USB-Stick und löscht die Partitionen, kann man per Datenträgerverwaltung den nun unpartitionierten USB-Stick mit Primärpartitionen versehen. Beim Formatieren wird aber als Dateisystem nur FAT und FAT32 angeboten – NTFS fehlt. Ich habe einen USB-Stick neu partitioniert, zwei Partitionen angelegt und mit FAT32 formatiert. Dann habe ich anschließend im Explorer die logischen Laufwerke mit der rechten Maustaste angeklickt und Formatieren im Kontextmenü gewählt. Im Formatieren-Fenster konnte ich dann die logischen Laufwerke im NTFS-Dateisystem formatieren.

Das ist natürlich eine Lösung, die in der Praxis nicht einsetzbar ist. Ich habe zum Testen, ob ein vorhandener USB-Stick als Multipartitions-Datenträger im Explorer erkannt wird, die Mini Partition Tools (waren zufällig auf der Testmaschine installiert) verwendet. Dort konnte ich, wie erwartet, bestehende Partitionen verkleinern und in diversen Dateisystemen formatieren.

Fazit: Microsoft hat mal wieder etwas unfertiges mit Windows 10 rausgehauen (was deswegen wohl nicht erwähnt) wird. Und wer mit einem solchen Multipartitions-USB-Stick auf eine ältere Windows-Version wechselt, wird nur das logische Laufwerk der ersten Partition zu sehen bekommen. Speziell beim Formatieren im Windows Dateimanager wird sich so mancher Zeitgenosse wundern, warum die Kapazität des USB-Sticks plötzlich kleiner als ursprünglich angegeben ist. Ihr werdet auch künftig nicht ohne Dritthersteller-Partitionierungswerkzeuge auskommen, sofern ihr halbwegs professionell arbeiten wollt.

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5 Kommentare zu Windows 10 Version 1703: USB-Stick Multi-Partition-Support

  1. deo sagt:

    Vielleicht tut MS gut daran, das “neue” Feature vorerst totzuschweigen. Denn wenn es nur bei Windows 10 Version 1703 einigermaßen funktioniert, hat man ein totes Pferd bei den anderen Windows Versionen. Für exFAT gab es zumindest Treiber zum Nachrüsten für XP, als es bei Vista eingeführt wurde.

  2. Ich Partitioniere grundsätzlich nur mit GParted weil ich da Windows eh nicht mehr Traue, ich hab hier ein 32GB USB-Stick den ich unter Windows 10 über die Datenträgerverwaltung zwar Formatieren aber nicht löschen oder ändern kann unter Windows 7 oder mit GParted geht es, möglicherweise auch über die diskpart Konsole. Aber da es immer wieder mal so Ungereimtheiten beim Partitionieren gibt bin ich schon seit lange eher Skeptisch und verwende lieber Linux zum Partitionieren von Datenträgern.

  3. Fred59 sagt:

    Ein vielversprechender Ansatz, der Freude aufkommen lässt.
    Hoffen wir, dass MS dieses nicht so unfertig stehen lässt.

  4. Henning sagt:

    hat Microsoft keine anderen Baustellen als diesen Unfug ?

    wozu benötigt man auf einem USB Stick mehrere Partitionen ?

    • Hans Roitner sagt:

      Also für mich wäre es (vor allem auf Reisen) schon eine große Erleichterung, wenn auf einem USB-Stick (noch besser auf einer SD-Karte) mehrere Betriebssysteme wahlweise verfügbar wären und damit ein ganz beliebiger Rechner (allenfalls auch ein Fremdrechner) jeweils mit dem von mir gewünschtem System mit meinen eigenen Daten verwendbar wäre. Und dazu braucht man halt mehrere Partitionen. Aber es gibt halt auch Leute die an durchaus wichtigen Dingen nicht das geringste Interesse haben. Warum diese Leute dann aber überall mitdiskutieren wollen ist eine andere Frage.

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