Schwindsucht bei Windows RT-Tablets

Vor zwei Tagen wurde das Aus für den Windows RT-Tablet Dell XPS 10 bei der Site TheVerge.com verkündet. Im TheVerge-Artikel wird ausgeführt, dass nun nur noch Microsoft allein mit Windows RT-Tablets auf weiter Flur tanzt. Spontan lag mir das Kinderlied “Zehn kleine Negerlein” (von den Toten Hosen als “Zehn kleine Jägermeister” verewigt) auf der Zunge. Stimmt aber nicht so ganz – wenn’s denn stimmt, was Martin Geuß von Dr. Windows hier schreibt. Dell soll nächste Woche wohl ein neues Windows RT-Tablet vorstellen. War aber für mich ein Grund, nochmals ein paar Gedanken zum Thema Windows RT zusammen zu schreiben.


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Mein persönlicher Blick zurück …

Es sollte ja eigentlich der Overkill werden: Windows on ARM (WoA) – besser bekannt als Windows RT – und jetzt als Update auf Windows RT 8.1 anstehend. Gerätepreise im Centbereich, wochenlange Akkulaufzeiten, Apps bis zu Abwinken und eine Käuferschlange, dreimal um die Erde – das waren Assoziationen, die ich seinerzeit bei der Vorstellung von Windows on ARM hatte. Ok, da sind mir die Pferde durchgegangen – aber jetzt ohne Scheiß, ein gutes Windows ARM-Tablet mit gescheitem Betriebssystem, zu vernünftigem Preis hätte schon Potential gehabt. In meinem Blogbeitrag “Windows 7 Mode” für Windows 8? habe ich daher im Mai 2011 auch etwas rumgesponnen …

Scheitern mit Ansage

… aber es sollte wohl nicht sein – bzw. anders ausgedrückt: Microsoft hat’s kaputt gemacht oder konnte, ganz FDP-like, einfach nicht liefern. Bereits am 1. Dezember 2011 hatte ich in diesem Artikel einige Zweifel geäußert, dass die ARM-Schiene so der Brüller werden wird und das auch begründet. Und am 2. Dezember 2011 wurde dann ruchbar, dass die ARM-Variante von “Windows 8” aka WoA wohl ziemlich kastriert werde und keine Desktop-Anwendungen ausführen kann.

Es ist zum Mäusemelken, da hätte Windows RT ein Alleinstellungsmerkmal gehabt – nämlich, dass auf ARM compilierte .NET-Anwendungen als Windows-Anwendungen laufen könnten. Das hätte den Rückgriff auf das riesige Angebot von Windows-Programm ermöglicht (von einer x86-Emulation mittels DrawBridge ganz zu schweigen). Und dann gibt Microsoft dieses Pfand aus der Hand, weil man auch Apps können will. Diese hat man auch 2 Jahre nach dem Start des Projekts nicht so wirklich, und dass man zügig zu Apple oder Android mit deren gut gefüllten App-Stores aufschließen kann, war wohl eher ein frommer Wunsch.

Anfang Februar 2012 habe ich im Beitrag Update zu Windows 8 on ARM die Vorstellungen von Microsoft für Windows on ARM präzisiert. Ich hatte zwar verdammt wenig Informationen, was Microsoft vorhatte, habe aber im Rückblick ziemlich gut die Knackpunkte aufgezeigt. Im Mai 2012 gab es den Artikel Kann Windows on ARM ein Erfolg werden?, wo ich die Probleme auf den Punkt gebracht habe.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Hersteller noch fröhlich optimistisch, dass Windows RT samt deren Tablet PCs ein Erfolg werden könnten. Hier gibt es einen Beitrag von Mai 2012, wo sich nVidia als Entwicklungspartner für Windows RT-Hardware outet. Und auch im Artikel ARM-Tablet PCs mit Windows RT im Anmarsch wurden ja ARM-Tablet PCs mit Windows RT angekündigt. Selbst Asus wollte Tablet PCs bauen – Acer saß eh auf diesem Zug. Sah also gut aus – obwohl ich ja Zweifel ob des Geschäftsmodells angemeldet hatte.

Verdammt einsam hier

Nachdem sich Acer, Asus und weitere Hersteller von ARM-Plattformen aus der Entwicklung von Windows RT-Geräten zurückgezogen haben, wird es recht einsam auf der Windows RT-Tablet PC-Plattform. Gerüchteweise soll wohl Dell nächste Wochen ein neues Windows RT-Tablet präsentieren. Ansonsten bleibt nur noch Microsoft mit seinen Surface RT bzw. dem kommenden Surface 2 als weiterer Anbieter übrig.

Und momentan sieht es nicht wirklich so aus, als ob sich alle Welt auf die Windows RT-Tablet PCs stürzt. Microsoft hat jedenfalls die Vorbestellungen für Komponenten des Surface 2 recht zurückhaltend gestaltet. War man bei Surface RT noch von 1 Million Geräten ausgegangen, die man verkaufen kann, munkelt man jetzt von ca. 300.000 Surface 2 und Surface Pro 2, die in Planung seien. Das ist quasi nix und wie viele Windows RT-Tablets über den Ladentisch gehen, wird man sehen. Ich schätze nicht wirklich viele. Denn wer will schon ein Windows RT-Tablet, wenn das von einem Nischenanbieter, kommt, quasi nix kann und auch noch teuer ist? Da kann ich auch gleich zum iPad oder zu einem günstigen Android-Tablet PC greifen.


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Gelegentlich orakelt man, dass die Zukunft von Windows RT auf Geräten mit 5 und 6 Zoll-Displays – also im Phablet-Bereich – liegen könnte. Nur da sitzt Android schon lange, und die Hardware ist so preiswert, dass das (mit meinen momentanen Kenntnissen) keine wirkliche Option für Microsoft darstellt …

Warten wir also ab, wo der Zug mit Windows RT hin fährt.

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1 Antwort zu Schwindsucht bei Windows RT-Tablets


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  2. Günter Born sagt:

    Kleiner Nachtrag: Ich hatte den Beitrag bereits vor 2 Tagen verfasst und “auf Halde gelegt”. Zwischenzeitlich hat heise.de hier einen Artikel zum Thema veröffentlicht. Interessant sind die Kommentare – offenbar stimmt der Markt mit den Füßen ab …

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