Phönix aus der Asche: Bekommt XaX in Win 9 ein Revival?

Vorige Woche sind ja einige Screenhots und Videos der kommenden Windows-Version an die Öffentlichkeit gelangt. Abseits der großen Neuerungen wie Startmenü ergeben sich Anzeichen, das Microsoft im kommenden Windows noch einige Überraschungen vorhat. Ein Thema könnte möglicherweise die Verwendung der Virtualisierungstechnik XaX in der kommenden Windows 9-Version des Internet Explorer 12 sein.


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Es gibt so Tage, da fallen Puzzleteile an die richtige Stelle und ergeben plötzlich ein Gesamtbild. Die vorige Woche öffentlich gewordenen Screenhots und Videos der “Technical Preview for Enterprise” sind ein Puzzleteil. Falls ihr damit nichts anfangen könnt, das ist der offizielle Name für die Ende September erwartete Windows 9 Preview.

Googles NaCl-Technologie für Chrome

Und das andere Teilchen: Vorige Woche hatte ich im Artikel Android-Splitter: 2 Stunden App-Testzeit, Apps für Chrome OS über die Möglichkeit berichtet, dass Android-Apps unter Chrome OS laufen. Möglich macht dies eine Runtime for Android, die über NaCL im Browser läuft. NaCl ist eine Virtualisierungstechnologie, die von Google entwickelt wurde (siehe Google stellt kommende Woche den Native Client vor).

Microsofts XaX-Technologie

Microsoft hat mit XaX etwas ähnliches in seinen Labors am werkeln (nennt das Projekt zwischenzeitlich aber Drawbridge). Über Microsofts eigene XAX-Technologie und Drawbridge hatte ich mehrere Artikel im Blog, unter anderem Microsofts “Drawbridge”-Projekt vorgestellt.

Da es die letzte Zeit sehr still um XaX bzw. Drawbridge geworden ist, hatte ich in obigem Artikel die Frage gestellt, was mit dem Projekt sei. Die dort benutzten Ansätze für Pico-Prozesse, die ein minimales Windows zur Ausführung virtualisierter Anwendungen bereitstellen, halte ich für eine geniale Sache. Eröffnen sich doch viele Möglichkeiten, um Altanwendungen unter Windows in isolierten Pico-Prozessen auszuführen. Ich hätte mir sogar x86-Anwendungen unter Windows RT vorstellen können – aber Microsoft sieht das offenbar anders. Mein Verständnis war, dass diese Technologien, wenn überhaupt, womöglich in Microsoft Azure einziehen könnten.

Der neue Internet Explorer 12 und Browser-Erweiterungen

Hab mich aber wohl getäuscht, XaX lebt. In diesem Artikel geht Mary Foley auf die kommende Version des Internet Explorer, Codename “Spartan” ein (es gibt wohl ein Special Projects and Resources Team, Abkürzung SPARTAN). Aus den Leaks hat sie ein paar Infos zusammen gewürfelt, wie dort Browser-Erweiterungen implementiert werden könnten. Die basieren wohl auf diesem Neowin-Artikel, der sich der Oberfläche des kommenden IE 12 widmet. Die Sensation steckt bei Mary Foleys Artikel aber zwischen den Zeilen. Einer ihrer Quellen hat wohl einen kurzen Blick auf eine zSpartan-App werfen können, die auch in den WinFuture-Screenshots zu sehen ist. Es gab auch mal eine ähnliche zCortana-App.

Und nun hat Foley wohl auch Stellenanzeigen von Microsoft verfolgt und herausgefunden, dass ein Team an so etwas wie nativen Apps arbeitet, die Bing-Aufgaben (Datenanalyse) übernehmen sollen. Es handelt sich also quasi um Browser-Erweiterungen für den Internet Explorer 12 – die auch als eigenständige Apps laufen können. Also quasi das, was Google mit den Chrome-Apps oder der Android Runtime for Chrome macht. Dort läuft alles im Virtualisierungsclient NaCl. Foley spekuliert nun, dass bei Microsoft XaX zum Einsatz kommt. Sie bezieht sich auf ein – mir bisher auch unbekanntes Dokument aus der XaX-Entwicklergruppe.

Xax is a browser plugin model that enables developers to leverage existing tools, libraries, and entire programs to deliver feature-rich applications on the web. Xax employs a novel combination of mechanisms that collectively provide security, OS-independence, performance, and support for legacy code. These mechanisms include memory-isolated native code execution behind a narrow syscall interface, an abstraction layer that provides a consistent binary interface across operating systems, system services via hooks to existing browser mechanisms, and lightweight modifications to existing tool chains and code bases.”

Und die zweite Überraschung kommt ebenfalls von Foley. Sie weist auf diesen Artikel in Channel 9 hin. Dort stellt jemand die Frage, ob DrawBridge in Bruchteilen bereits in Windows 8.1 steckt. Es gibt nämlich neue Funktionen im 64 Bit ntoskrnl.exe Kernel von Windows 8.1:


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PspCreatePicoProcess
PspCreatePicoThread
PspGetPicoProcessContext
PspGetPicoThreadContext

ntoskrnl.exe importiert eine neue ApiSet Stub Library von ext-ms-win-ntos-pico-l1-1-0.dll und exportiert die Funktionen:

PicoInit
PicoDispatchException
PicoSystemCallDispatch
PicoProcessExit
PicoThreadExit

Dem Betreffenden ist nun aufgefallen, dass die Namen mit den Pico-Prozessen, die im Drawbridge/Xax/Embassies-Projekt benutzt werden. Um auf den Kern zurück zu kommen: Ist alles spekulativ und möglicherweise Bullshit. Möglicherweise erfahren wir Ende September mehr – spannend fände ich das Ganze auf jeden Fall. Und ich denke, Microsoft muss hier auch Milch geben, den mit NaCl gibt Google bei der Anwendungsvirtualisierung gefühlt schon den Takt vor.


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2 Responses to Phönix aus der Asche: Bekommt XaX in Win 9 ein Revival?

  1. Thomas sagt:

    Im Grunde benutze ich das schon einige Jahre. Sandboxie ist hier das Zauberwort. Startet ein Programm in einer isolierten Mini Windowsumgebung. Sehr praktisch bei neuer fragwürdiger Software um sein restliches System zu schützen

    • Günter Born sagt:

      @Thomas: Ist formal etwas anderes. Die virtualisieren Datei- und Registrierungszugriffe in einer eigenen Schicht und können so die Änderungen isolieren und rückgängig machen. XAX stellt einen Pico-Prozessor als virtuelle Umgebung bereit, mit allen API-Aufrufen, die ein MinWindows umfasst. Ermöglicht eventuell alte Anwendungen in einer neuen Windows Version zu virtualisieren, ohne den Overhead eines vollständigen Windows mitzuschleppen.

      Ich habe Sandboxie unter Windows XP gelegentlich getestet. Gab auch noch Symantec Workspace Virtualization. Ich hab’s nicht im Blog, aber in meinen früheren Windows Insider-Büchern zu Windows XP beschrieben. Am Ende des Tages bin ich unter Windows Vista von beiden Lösungen abgekommen. Sandboxie konnte häufig nicht das, was ich brauchte. Und die Symantec-Lösung war nicht mehr kompatibel. Ich meine mich auch zu erinnern, ein Windows XP mal ruiniert zu haben, so dass ich nur noch ein Backup einspielen konnte.

      Aber danke für den Kommentar. Vielleicht mache ich mal was zu Sandboxie – obwohl ich nicht um Themen erlegen bin – und EMET 5.0 dümpelt auch noch als offener Posten herum (war auch eine Anregung eines Blog-Lesers). Muss mal wieder die mehrseitige Spickzettelliste mit notierten Blog-Themen abarbeiten ;-).

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