Windows 10: Updates belegen ganze Netzwerkbandbreite

Nutzer von Windows 10 leiden unter einem Problem: Werden Updates gezogen, belegt dies die gesamte Internetbandbreite. Dann geht Surfen, Mailen oder ähnliches von anderen, im Netzwerk oder mit dem Router verbundenen Geräten so gut wie gar nicht mehr. Ich habe mal ein paar Informationen zur Problemlösung zusammen getragen.


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Ich gestehe, das Problem hat mich schon eine Weile genervt. Sobald eine meiner Windows 10-Testmaschinen ein Update (oder eine neue Insider Preview als Upgrade) zieht, kann ich im Netzwerk nichts mehr im Internet machen. Selbst Updates auf Windows 7-Maschinen waren nicht möglich und ich bekam die seltsamsten Fehler angezeigt.

Vorschläge aus dem Internet

Geht man auf die Suche nach einer Problemlösung, stößt man beispielsweise auf Ratschläge, die Updates zurückzustellen (bei Windows 10 Pro/Enterprise geht das ja) und den Download auf unkritische Zeiten zu verlagern. Bei PC World gibt es den Beitrag How to stop Windows 10 from using your PC’s bandwidth to update strangers‘ systems, der zeigt, wie man das in Windows 10 neue eingeführte P2P-Feature, mit dem man Updates im Netzwerk für andere PCs verteilt, deaktivieren kann. Dadurch soll die Bandbreitenbelegung durch den Download von Updates für andere PCs vermieden werden. Habe ich aber nicht verfolgt.

Es gibt (kostenpflichtige Tools wie NetLimiter) zum Begrenzen der Bandbreite. Und diverse Router bieten die Möglichkeit, über QoS (Quality of Service) die Bandbreite für einzelne Geräte beim Internetzugriff zu begrenzen. Für meine FRITZ!Box gibt es sogar diverse Anleitungen, habe ich aber bisher auch nicht verfolgt. Besser wäre ja, wenn man Windows 10 die Begrenzung der Bandbreite bei Update-Downloads beibringen könnte.

Irgendwo war mir, dass sich die Bandbreite, die eine Windows 10-Maschine für Updates reserviert, per Gruppenrichtlinien (nur Windows 10 Pro und Enterprise) einstellen lassen können sollte. Bei reddit.com gibt es einen Thread, wo das kurz angerissen wird und ein Beitrag im Windows-Club beschrieb dies sogar für Windows 8.1 und Windows 10. Und es gab den Kommentar von OlliD@IRQ8 hier im Blog, der auf die DeliveryOptimization per Gruppenrichtlinie sowie Registrierungseinträge hinwies.

Allerdings war mir dieser Microsoft Answers-Forenbeitrag vom August 2016 im Gedächtnis hängen geblieben, wo ein Nutzer bei Windows 10 Pro Version 1607 schreibt, dass Updates die gesamte Netzwerkbandbreite auffressen und die Gruppenrichtlinieneinträge für BITS & Co. nichts bewirken würden. Ich hatte ihn auf diesen heise.de-Kommentar verwiesen – aber es gab die Rückmeldung, dass das nicht helfen würde. Also habe ich die Sache schleifen lassen, gibt genügend andere Blog-Themen.

Einfach mal selbst probiert – GPO-Einstellungen die helfen

Die Tage stand dann im Windows Insider-Programm der Umstieg auf die Build 14971 an. Eine gute Gelegenheit, das Ganze mal zu testen, zumal die Insider Preview als Windows 10 Pro vorliegt, also Gruppenrichtlinien unterstützt. Hier die Schritte, wie man vorgehen sollte.

gpedit.msc aufrufen

1. Geben Sie im Suchfeld der Taskleiste gpedit.msc ein, wählen Sie den Treffer mit einem Rechtsklick an und verwenden Sie den Kontextmenübefehl Als Administrator ausführen, um administrative Rechte anzufordern.

Gruppenrichtlinie BITS-Übertragungsrate

2. Navigieren Sie in der linken Spalte unter Richtlinien für lokale Computer zum Zweig Computerkonfiguration – Administrative Vorlagen – Netzwerk – Intelligenter Hintergrundübertragungsdienst (Background Intelligent Transfer Service, BITS).


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3. Wählen Sie in der rechten Spalte die Richtlinie Maximale Netzwerkbandbreite für BITS-Übertragung im Hintergrund begrenzen an.

4. Markieren Sie das Optionsfeld Aktiviert und begrenzen Sie im Dialogfeld die Einträge auf 1.000 KBit/s (1 Megabit) für die Zeit zwischen 8 und 17 Uhr.

Die Werte können Sie ggf. auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Schließen Sie das Dialogfeld über die OK-Schaltfläche.

5. Navigieren Sie in der linken Spalte unter Richtlinien für lokale Computer zum Zweig Computerkonfiguration – Administrative Vorlagen – Netzwerk – QoS-Paketplaner.

6. Wählen Sie in der rechten Spalte die Richtlinie Reservierte Bandbreite einschränken per Doppelklick an.

7. Markieren Sie das Optionsfeld Aktiviert und begrenzen Sie im Dialogfeld den Wert Bandbreitengrenze auf 20%.

Der Wert können Sie ggf. auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Schließen Sie das Dialogfeld über die OK-Schaltfläche. Ich habe dann über das Schnellstartmenü (Windows+X) noch eine administrative Eingabeaufforderung geöffnet und den Befehl:

gpupdate /force

eingegeben, um die Übernahme der Richtlinien zu erzwingen. Im Anschluss konnte ich in meiner Netzwerkumgebung mit anderen Rechnern wieder im Internet surfen, mailen etc., während die Testmaschine das Update herunterlud.

Bei Windows 10 Home wird gpedit.msc nicht unterstützt. Ich habe es nicht getestet, ob es wirkt. Aber in diesem Beitrag ist der Wert EnableBITSMaxBandwidth im Registrierungszweig HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Policies\Microsoft\Windows\BITS angegeben. Auch dieser Beitrag beschreibt die gleichen Einträge. Die QoS-Einträge im im Registrierungszweig HKEY_LOCAL_MACHINE\Software\ Policies\Microsoft\Windows\Psched (Wert NonBestEffortLimit) sind in diesem Beitrg und hier sowie hier beschrieben.

Falls das nicht reicht, schaut euch den Kommentar von OlliD@IRQ8 hier im Blog an, der auf die DeliveryOptimization per Gruppenrichtlinie sowie Registrierungseinträge hinweist.

Vielleicht hilft es euch ja weiter. Hinterlasst ggf. Kommentare und Ergänzungen falls noch was vergessen wurde, oder falle es Probleme gibt. Ich habe das Ganze an einer Insider Preview-Build für Windows 10 Creators Update getestet. Möglicherweise gibt es bei älteren Windows 10-Builds Probleme. Nachtrag: Hier noch ein Link zu einem ZDNet-Artikel, der das Thema auch behandelt.

Ähnliche Artikel:
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18 Kommentare zu Windows 10: Updates belegen ganze Netzwerkbandbreite

  1. Nils sagt:

    Hmm…. ich frage mich ja was ganz anderes. Wenn das Update auf einem Windows 10 Rechner sogar die Bandbreite auf einem zweiten Rechner mit Windows 7 so massiv beeinflusst… dann müssen die Pakete vom Windows 10 Update im Netzwerk ja irgendwie eine höhere Priorität haben? Wie wurde dies technisch realisiert?

    • hs sagt:

      … eigentlich unmöglich, da eine Priorisierung einzelner Paket von keinem Netzbetreiber durchgeführt wird (meines Wissens nach).
      Angedacht wares zwar es mal, wurde aber gestoppt.

  2. Peter sagt:

    Besonders bei kleinen Firmen, die nicht zwingend einen WSUS betreiben, ist das wirklich ein Problem. Wenn 4-5 Clients mit Volldampf Updates ziehen ist der Internetanschluß dicht. Wenn man dazu noch gerade mal ein DSL 3000 hat…
    Ja, sowas gibt es in der Realität.

  3. Chris sagt:

    st es seitens Microsoft ein bekanntes Problem, dass BITS aktuell trotz der GPO nicht limitiert?

    • Keine Ahnung, die Infos finden sich in Foren – ich hatte ja einen Hinweis auf einen solchen Beitrag gegeben. Aber irgendwie scheint die GPO bei meiner Build etwas zu bewirken. Wobei mir die Zeit fehlt, bei beiden GPOs, die im Artikel angesprochen sind, selektiv zu testen.

      Schau dir aber auch die folgenden zwei Kommentare von OlliD@IRQ8 an.

    • Michael sagt:

      Ich habe auch noch keine BITS- Begrenzung für Windows 10 hinbekommen.
      Für BITS3.5 (soll ja Win10 haben) gibt es ja noch die Richtlinie „Arbeitszzeitplan für Beschränkung…“, aber auch damit nix zu machen!

      Beim Server 2012 R2 funktionierte es dagegen sofort mit der Beschränkung.

  4. OlliD@IRQ8 sagt:

    Hallo Günter,

    BITS funktioniert seit jeher ganz gut und ließ sich bei großen Downloads oder Filetransfers bei (damals noch) geringer Netzwerkbandbreite verwenden. Die Downloads zeilenweise in die Datei „DeployApps.txt“ erfassen und los geht’s…

    REM BITS.cmd
    REM OlliD@IRQ8, 04.03.2009
    REM BITSAdmin Examples (Windows)
    REM http://msdn.microsoft.com/en-us/library/aa362812.aspx

    SET JOBNAME=%DATE:~0,2%_%DATE:~3,6%%DATE:~11,2%_%TIME:~0,8%

    „%~dp0bitsadmin.exe“ /LIST /ALLUSERS /VERBOSE
    „%~dp0bitsadmin.exe“ /RESET /ALLUSERS
    „%~dp0bitsadmin.exe“ /CREATE /DOWNLOAD %JOBNAME%
    „%~dp0bitsadmin.exe“ /ADDFILESET %JOBNAME% „%~dp0DeployApps.txt“
    „%~dp0bitsadmin.exe“ /SETNOTIFYCMDLINE %JOBNAME% „%~dp0bitsadmin.exe“
    „%~dp0bitsadmin.exe“ /COMPLETE %JOBNAME%
    „%~dp0bitsadmin.exe“ /RESUME %JOBNAME%

    EXIT

  5. OlliD@IRQ8 sagt:

    Ergänzung:
    https://msdn.microsoft.com/en-us/library/aa363133(v=vs.85).aspx

    Network Bandwidth
    Background transfers use only idle network bandwidth in an effort to preserve the user’s interactive experience with other network applications, such as Internet Explorer. BITS adjusts its use of the bandwidth as the user increases or decreases their use of the bandwidth. Note that BITS still transfers a small amount of data during high network use to ensure that BITS jobs make Progress.

  6. HessischerBub sagt:

    Hallo,
    was ist mit:

    Computerkonfiguration – Administrative Vorlagen – Windows-Komponenten – Übermittlungsoptimierung

    Und hier dann:

    Maximale Downloadbandbreite (inKB/s)

    Und erst mit „Downloadmodus“ = „Umgehen“ verwendet Windows 10 BITS anstatt dem Peer2Peer.

    Oder erschlägt dein „Computerkonfiguration – Administrative Vorlagen – Netzwerk – QoS-Paketplaner“ dieses „Problem“ und zügelt das Peer2Peer.

    BTW: Aktuell habe ich noch das Problem nach Aktivierung von Downloadmodus = Umgehen und Nutzung von BITS das die Downloads nicht klappen. Da fehlt noch was an der Firewall der Firma. Hab jetzt Peer2Peer doch aktiv und die Firewall erlaubt alle Ports. Am transparenten Proxy habe ich den URL-Filter für den Testrechner abgeschaltet.

    Seitdem tut es was es soll. Normalerweise erhält Windows 10 Pro seine Updates per WSUS und wenn ich auf Microsoft klicke, holt es die Patches direkt von dort.

  7. Ralph sagt:

    Das Problem ist meiner Beobachtung nach gar nicht der Downstrem, der Upstream ist dicht. Und wer weiss, wie TCP/IP funktioniert, der weiss auch, dass ein ausgelasteter Upstream für Stillstand im Downstream sorgt. Die einzige Chance ist, Microsoft dahingehend zu verklagen, dass es ohne eine vertragliche Absprache mit mir als Endnutzer meine Bandbreite nutzt, um sein Produkt zu vertreiben.

    Oder man sucht einfach nach „OOSU10“ von O&O Software und wendet das nach jedem Updatelauf an. Auch dann ist Ruche im System. Es reicht dabei, die empfohlenen Aktionen anzuwenden, wenn man gleichzeitig auch Dinge wie Telemtrie, Cortana, Handschrifteneingabenerfassung und so weiter abschalten möchte. Ansonsten selektiert man halt von Hand, was nicht mehr passieren soll.

    • O&OShutUp10 ist mir auch schon in Google+ genannt worden. Da mir das Teil aber im MS Answers-Forum als Problembär aufgefallen ist und Kollateralschäden verursachte, würde ich das nicht mal mit der Kneifzange anfassen. Oder habt ihr da zwischenzeitlich andere Erfahrungen gemacht?

  8. Das Problem ist schon länger bekannt, zuhause bei mir habe ich kein Problem damit da alle Rechner nur über meinen Proxy Server mit Limitierung laufen, das hat mich nämlich Privat schon immer Gestört das man Einzelnen Rechnern nicht ein gewisses Maß zuweisen kann zudem ist es ganz praktisch die Telemetrieerfassung ein zu schränken bzw. zu stoppen.
    Mit genügend Bandbreite ist das eigentlich eigentlich kein Problem aber wenn dann so ein zwei Rechner mit ihren Updates losspurten kommt das Netz ganz schön in Wallungen.
    Letzte Woche scheine ich da wohl mit 5 Rechnern die ganze Firma zum Stillstand gebracht zu haben.

  9. Franzi Meyer sagt:

    Hi, ein Ansatz wär das Kommandline Tools wuinstall (www.wuinstall.com) zu verwenden.
    damit kann man die Updates gezielt einspielen und somit die Updates in die „Nacht“ verbannen.

    • Was mich an dem Teil stört: Es kostet und ich bekomme die Lizenzgebühr nicht genannt, bevor ich nicht mein Registrierungsformular mit e-mail-Adresse angegeben habe. Geht imho dar nicht.

      Weitere Kommentare mit Verweis auf das Tool werde ich als Spam löschen.

  10. Tim sagt:

    „Sobald eine meiner Windows 10-Testmaschinen ein Update (oder eine neue Insider Preview als Upgrade) zieht, kann ich im Netzwerk nichts mehr im Internet machen. Selbst Updates auf Windows 7-Maschinen waren nicht möglich und ich bekam die seltsamsten Fehler angezeigt.“

    Pffft… das ist nicht nur bei Updates so!

    Vermurkst haben das die Spezis schon seit Windows 8, wo ganze „netsh“ Befehle nicht mehr so funktionierten, wie MS das mal angedacht hat.
    Mittlerweile noch vermurkster durch die Verstickung mit der Powershell… Mal reicht netsh, mal muss es die Powershell sein. Oder man nutzt direkt die Powershell und hofft, das funktioniert, was man da macht… Optimal läuft Windows 10 im Netz nur, wenn man Hand anlegt und fummelt, je nach Verbindung die man da so nutzt.
    Von Haus aus lief es hier schlechter als Windows 8.1 davor und jetzt wieder.

    speedguide.net hat einige ganz nette Artikel zum Thema.

    • Tim sagt:

      Den angebotenen TCP Optimizer würd ich nebenbei nur nutzen, nachdem entsprechende Artikel gelesen wurden. Sind aber dort zum Teil verlinkt…

      • Tim sagt:

        Abgesehen von Windows 10 sind die Multifunktionsgeräte, im Volksmund als nur „Router“ bezeichnet, halt auch oft Schrott, was das verwalten mehrerer Geräte angeht…

  11. anthropos sagt:

    Ich bin etwas beruhigt, dass es ein bekanntes Problem ist. Bei uns zu Hause läuft auch nichts, wenn die Updates losgehen, sogar bei Updates aus dem Store. Wir haben hier bis jetzt auch nur 2 MBit, was schnell an eine Grenzen stößt.

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