Antivirus-Disput: Kaspersky und Microsoft einigen sich

Virenschützer Kaspersky lag ja mit Microsoft im Clinch, weil sich der Hersteller unfair behandelt sah und hatte eine EU-Wettbewerbsbeschwerde eingereicht. Nun haben sich Microsoft und Kaspersky in diesem Fall geeinigt.


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Worum geht es?

Eugene Kaspersky hatte sich bereits im November 2016 öffentlich darüber beklagt, dass Microsoft andere Antivirushersteller in Windows austrickse – siehe mein Artikel Kaspersky: Microsoft trickst andere Antivirushersteller aus. Kaspersky wirft Microsoft vor, seine Marktmacht zu missbrauchen und Mitbewerber vom Markt fern zu halten. Im April 2017 kündigte Kaspersky eine Beschwerde wegen Wettbewerbsmissbrauchs gegen Microsoft an und machte diese Ankündigung wahr.

In diesem englischen Blog-Beitrag wirft er Microsoft vor, seine marktbeherrschende Stellung auszunutzen, um die eigene Sicherheitssoftware in Form des Windows Defender in Windows 8 bis Windows 10 zu verbreiten. Der Benutzer habe keine Wahlmöglichkeit, ob er Fremdprodukte oder eher die Microsoft-Lösung einsetzen möchte. Über das Thema hatte ich im Blog-Beitrag Kaspersky reicht EU-Beschwerde ein berichtet.

Kaspersky zieht Beschwerde zurück

Am 9. August 2017 hat Microsoft den Blog-Beitrag Microsoft agrees to changes coming in the Windows 10 Fall Creators Update veröffentlicht, in dem es um die Vorwürfe der Wettbewerbsverzerrung geht. Ab dem kommenden Windows 10 Fall Creators Update nimmt Microsoft einige Änderungen vor.

  • Man will von Seiten Microsofts verstärkt mit den Herstellern von AV-Produkten kooperieren, um deren Kompatibilität sicherzustellen. Endanwender sollen erst ein Funktionsupdate erhalten, wenn die Kompatibilität gewährleistet ist.

    [Spontan habe ich mich gefragt, wie das gehen soll? Kann ein AV-Hersteller die Auslieferung der Funktionsupdates blocken? Dann ist mir aber eingefallen, dass Microsoft einen Mechanismus hat, um das zu steuern. Über die Telemetriedaten weiß Microsoft, welche Software installiert ist und blockiert einfach auf diesen Maschinen das Funktionsupdate, bis die AV-Software kompatibel ist.]

  • Weiterhin sollen die AV-Hersteller besser in die Planung der Releases von Funktionsupdates einbezogen werden. Man plant, den AV-Herstellern mehr Zeit zu geben, um die AV-Software mit den finalen Builds zu testen.
  • AV-Programme dürfen eigene Benachrichtigungen und Alarme anzeigen und sind nicht mehr auf das Benachrichtigungscenter angewiesen. Windows 10 zeigt eine Benachrichtigung an, falls eine Fremd-Antivirus-Lösung ausgelaufen ist. Der Benutzer kann sich dann aktiv entscheiden, ob er das Abonnement verlängert oder auf einen anderen Schutz umsteigt.

Kaspersky hat in diesem Blog-Beitrag zum Microsoft-Blog-Beitrag Stellung genommen. Das Unternehmen zeigt sich zufrieden mit den Änderungen und will alle Schritte unternehmen, um die Beschwerden vor diversen Wettbewerbsbehörden zurück zu ziehen.

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2 Antworten zu Antivirus-Disput: Kaspersky und Microsoft einigen sich

  1. Herr IngoW sagt:

    Das MS bei den Russen eingeknickt ist, hat wohl den Grund das eine Beschwerde bei Russischen Behörden sicher nur für “Kaspersky” entschieden werden würde (gute Verbindungen zur Regierung).
    MS will sicher ja weiterhin ein Fuß bei Russland in der Tür behalten.

  2. htiouer (uwe) sagt:

    Hallo G Born Wenn über die Telemetrie Daten das Update blockiert wird hat das Virenprogramm noch mehr zeit sein Unwesen auf dem System zu treiben. Und im Endeffekt bleibt dann wirklich nur noch die Neuinstallation des BS übrig

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