Microsoft-Posse: Keine Fremd-Apps mit ‘Windows’ im Store

[English]Aktuell bekommen Entwickler diverser Apps, die im Microsoft Store vertreten sind, Post von einem Anwalt, der im Auftrag Microsofts unterwegs ist. Ziel: Der betreffende Entwickler muss seine App aus dem Store entfernen, weil der Name 'Windows' in der App-Bezeichnung vorkommt. Juristisch wohl legal – klingt aber nach 'das Kind mit dem Bade ausschütten' – man braucht offenbar keine Windows-Communities mehr.


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Posse: Microsoft stört sich plötzlich an App-Namen

Das Thema macht aktuell die Runde, weil sowohl WindowsArea.de als Dr. Windows jeweils eine App im Microsoft-Store eingestellt haben, in der der Name Windows irgendwie enthalten ist. Bei erste Witz bei der Sache: 

  • die App von WindowsAerea steht seit 2012 im Store zur Verfügung, wie man bei WindowsArea.de nachlesen kann.
  • Und die App von Martin Geuß und seiner Dr. Windows-Community ist wohl auch seit dieser Zeit, also seit sechs Jahren im Store, wie Martin bei Dr. Windows schreibt.

Und wenn ich nicht gänzlich falsch liege, haben die Site-Betreiber von Microsoft den Windows Insider MVP genau wegen dieser Community-Aktivitäten erhalten (bei Martin Geuß war es vorher auch der 'echte' MVP für Windows Consumer).

Mail am Wochende, Frist 1 Tag zum Reagieren

Die Betreiber der beiden genannten Sites haben die Mail wohl am Samstag erhalten. Generös, wie Microsoft und seine Anwälte nun mal sind, gibt es eine Frist von einem Tag, um die App umzubenennen. Andernfalls fliegt sie aus dem Store – und die Drohung, den Entwickler-Account zu schließen, steht auch im Raum. Bezieht sich wohl auf 'America first' und ab high noon wird dort scharf geschossen.

Da sich der Copyright-Verstoß im App-Namen bzgl. des geschützten Namens Windows auf die USA bezieht, hat Martin die App-Verfügbarkeit auf DACH geändert. Er ist also auch am Wochenende aktiv. Aber die Posse geht noch weiter …

Anwälte kennen offensichtlich die Details nicht

Die echte Prise Salz in der Anwaltssuppe geht aber aus dem Schreiben der Spezialisten hervor, welches Martin auf seiner Webseite veröffentlicht hat. Ich habe mal einen Ausschnitt herausgezogen:

Die freundlichen Leute von der juristischen Fakultät haben wohl noch nicht mitbekommen, dass Microsofts Marketing den Windows Store vor langer Zeit in "Microsoft Store' umbenannt hat.

Wer juristisch spitzfindig ist – und Microsoft war es wohl bei der Klage der Verbraucherzentrale wegen des Windows 10-Zwangsupdates, siehe mein Blog-Beitrag Windows 10 Gratis-Upgrade: Unterlassungserklärung wirksam mit den schmutzigen Details – könnte natürlich argumentieren: Die Juristen verlangen etwas, was nicht gegeben ist, denn die App steht im Microsoft Store.


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Mir jagte so ganz spontan der Gedanke 'wie der Herr, so's Gescherr' durch den Kopf – weiß nur noch nicht wieso mir das plötzlich einfiel und wie ich das mit dem aktuellen Fall zusammen bringen könnte … vielleicht komme ich noch drauf.

Macht Laune, irgendwie …

Da kommt natürlich echte Laune bei den Leuten auf – bin mal gespannt, ob Microsoft auch Rechtsabteilungen beauftragt, Websites zur Änderung des Namens 'Windows' aufzufordern. Ich meine, meine URL für meinen Webauftritt ist erst einmal unverfänglich – und den Namen dieses Blogs habe ich schnell in Borns IT- und Linux-Blog geändert – Windows kommt ja eh nicht mehr so häufig in den Artikeln vor. Es wäre mir auch ein leichtes, per Suchen und Ersetzen den Markennamen gegen 'dieses Schrott OS aus Redmond' auszutauschen.

Der Dampfer hatte schon häufiger Schlagseite

Als altes Schlachtschiff der IT-Szene habe ich schon diverse Winkelzüge von Microsoft miterlebt. Das reicht von der Erfahrung, ein Manuskript für Microsoft Press USA drei Mal überarbeitet zu haben, weil im Jahr 2000 plötzlich die Teams durcheinander gewirbelt wurden (war die Zeit, als die 'chinese wall' zwischen Windows- und Office-Entwicklern hochgezogen wurde). Da hatte ich alle 6 Wochen neuen Lektoren und es gab einen neuen Ukas, was Bücher und deren Umfang betrifft (erst ein Opus über 1.000 Seiten fordern, um 6 Wochen später zu verkünden, wir dürfen keine Titel über 600 Seiten mehr machen). Am Ende des Tages habe ich die Reißleine gezogen und die Zusammenarbeit mit MS Press USA beendet.

Dann gab es die Posse, dass Microsoft die Verlegertätigkeiten von Microsoft Press an O'Reilly in den USA übertrug, sich dann aber nach 3 Jahren mit denen verkrachte. Alle Titel, die ich bei O'Reilly Deutschland hatte, gingen damals in den Orkus. Auch das Lektorat von Microsoft Press in München sowie später von O'Reilly in Köln wurde aufgelöst – die Leute standen auf der Straße. Kurze Zeit später bekam ich mit, das die gleichen Leute, die bei mir inzwischen in der Rubrik 'Pleiten-, Pech- & Pannen-Geier' segeln, eine neue Kooperation zwischen Microsoft Press und Pearson Education verkündeten (Pearson Deutschland hatte kurz vorher ebenfalls alle Autoren sowie ein Großteil der Verlagsangestellten geschasst).

Von meinen Erfahrungen im Community-Support, wo gute Leute aus dem Dienstleisterbereich binnen Tagen rausgekickt wurden, weil es irgendwo noch billiger ging, (oder als Ex-MVP) mag ich erst gar nicht anfangen.

Meine 2 Senf

Von meiner Seite noch zwei Senf: Vor vielen Jahren waren Microsoft-Leute an mir dran, ich möge doch eine App für Windows 8 erstellen, die meine Blog-Beiträge anzeigt. Die hätten alles bezahlt, nur den Entwickler-Account hätte ich bezahlen müssen. Ich habe mir dann das mal genauer angesehen und festgestellt, dass hunderte Schrott-Apps im Store landeten, die nichts anderes als einen RSS-Feed abonnierten und dann anzeigten.

Mein Entschluss lautete damals: Du gibst keinen Cent für so einen Mist aus, sollen die mit dem Store dahin gehen, wo der Pfeffer wächst. Wer deinen Blog besuchen will, soll das in einem Browser tun – wie unsere Vorfahren dass bereits seit dem vorherigen Jahrtausend taten. Und ich stelle gerade fest, die Websuche im Blog funktioniert – der Rant Der Windows 8 Store und der App-Müll stammt aus dem Jahr 2012. War doch das Datum, wo die oben erwähnten Apps im Store gelandet sind.

Tja, und der zweite Gedanke: Vermutlich ist Microsoft juristisch auf der sauberen Seite und kann das verlangen. Aber nun wird klar, wohin der Zug fährt. Ich hatte es in Blog-Beiträgen immer mal wieder thematisiert 'man muss als Entwickler mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um ausschließlich Apps in Stores der Hersteller zu stellen'. Die Store-Betreiber haben das absolute Monopol, wenn irgend etwas nicht passt, fliegst Du raus. Mein ranten gegen Apps, den Store und Windows 8, 8.1 und 10 wurde dann als Hetze gesehen – ein paar Fans haben sich über die letzten Jahre aus dem Blog verabschiedet. Im nachhinein scheint es aber nicht ganz so unklug von meiner Seite gewesen zu sein, einen eigenen Stiefel zu fahren und nicht ein bestimmtes Loblied zu flöten. Offenbar braucht Microsoft die Communities nicht mehr – und Linux ist auch ein interessantes Feld, was man beackern könnte.

Dass bei Microsoft die linke Hand nicht weiß, was die Rechte tut, ist schon Programm. Microsoft USA geht Dr. Windows wegen der gleichnamigen App im Store an. Microsoft Deutschland richtet dagegen den Dr. Windows Community Day aus. Bin ich froh, vor vielen Jahren aus einem Großunternehmen ausgestiegen zu sein.

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19 Antworten zu Microsoft-Posse: Keine Fremd-Apps mit ‘Windows’ im Store

  1. Geronimo:) sagt:

    Hallo,

    auf dieser Artikel Seite kommt das Wort "Windows" zur Zeit 43 mal vor.
    Und das Wort "Microsoft" kommt 30 mal vor.

    Mein Kommentar mitgerechnet.

    Für Abmahnanwälte doch ein gewaltiges Fressen.

    Posse ende…

    • Günter Born sagt:

      Auch wenn es wie eine Glosse ausschaut, im Impressum/About dieses Blogs gibt es einen Disclaimer bzgl. der Verwendung von Warenzeichen in den Texten.

      • Geronimo:) sagt:

        Na klar. War ja auch nur eine Posse…aber Moment mal, ich überlege gerade ob die in Redmond nicht vielleicht mal einen Dreh finden, eine Art Lizenzgebühr für die beiden "Wörter" zu verlangen, sobald sie öffentlich ausgesprochen und oder irgendwo niedergeschrieben werden.
        Gelddruckmaschine lässt grüßen!

        Gott bewahre…

  2. Ralf sagt:

    Als nächstes kommt dann eine Abmahnung wegen des Domainnamens?

    Dass Microsoft seine eigene Gefolgschaft angreift, ist schon ein Tässchen Kaffee am Samstag Nachmittag wert.

    • Günter Born sagt:

      Wenn ich es richtig mitbekommen habe, wurde der Kollege von netzwerktotal.de im Jahr 2004 genau zu so was gezwungen, weil er Netzwerke und Windows in seinem Domainnamen verwendet hat.

      • Paule21 sagt:

        Das wundert mich ehrlich gesagt schon lange, dass der Name drwindows von Microsoft geduldet wird. Vor einigen Jahren hat Microsoft einige Seiteninhaber aufgefordert die Begriffe Windows und Microsoft aus den URLs zu entfernen.

        Das Microsoft mit solchen Aktionen (App-Name) den Communities massiv schadet, ist ihnen wahrscheinlich gar nicht bewusst. Oder vielleicht auch egal, da alles außerhalb der USA ja eh unwichtig ist.

      • Damian Dandik sagt:

        Hallo Günter,

        ja, du hast es richtig mitbekommen. Ich wollte damals keinen Rechtsstreit mit Microsoft riskieren und hatte mich für die Namensänderung von http://www.windows-netzwerke.de auf http://www.netzwerktotal.de entschieden.

        Gruß,
        Damian

  3. Georg S. sagt:

    Im Logo von Dr. Windows ist auch ein blaues Kreuz integriert. Da könnte es noch Probleme geben. http://www.blaues-kreuz.de
    Ach ja, es ist Karneval und am Valentinstag haben sich alle wieder lieb. ;-))

  4. Tim sagt:

    "Tja, und der zweite Gedanke: Vermutlich ist Microsoft juristisch auf der sauberen Seite und kann das verlangen. "

    Selbst wenn nicht… wer will da finanziell auf Dauer gegen an stinken um vielleicht "Recht" zu bekommen, oder eben auch nicht?

    Microsoft ist zu Pipi Langstrumpf mutiert und macht sich die Welt, wie sie Microsoft gefällt. Und Entwickler und Kunden die nicht mitspielen wollen, sind die Bösen und deshalb muss MS immer wieder zahlenden Kunden die Dienste wegstreichen. Seit Windows 8 gelebte Wahrheit bei MS, denn MS weiß was Kunden wollen und brauchen…

    Wenn mehr Linux, dann bitte auch Hardwareseitig berichten, welche Hersteller und Entwickler sich da wirklich reinhängen…

    Ansonsten können wir auch abwarten, bis aus Windows wie man es kannte das geworden ist, was Linux heute ist. Statt spezialisiert auf Plattformen Einheitsbrei der mehr oder weniger zum Teil unterstützt überall läuft und wenn man Glück hat, läuft auch irgendeine "alte" Software virtuell, oder in Containern.

    Das klingt original nach sowas wie Linux mit Wine und damit nach na ja, wenn man aus der Windows Welt ins Linux Universum vorstößt…
    Läuft vielleicht, aber wie gut oder schlecht, sei mal dahingestellt.
    Was Linux wirklich fehlt, ist die Unterstützung durch die wesentlichen Hersteller und Entwickler, aber die verdienen mit Linux ja kein Geld, oder machen es sich mal eben ganz einfach, siehe Kapitel "Steam Machine".

    Pipi Langstrumpf wirds jetzt schon richten…

  5. Paule21 sagt:

    Zum Thema Linux: Das Hasso-Plattner-Institut bietet einen kostenlosen Linux-Kurs an. Start in 2 Tagen am 12.02. https://www.paules-pc-forum.de/forum/thread/182790-linux-f%C3%BCr-alle-kostenloser-online-kurs-des-hasso-plattner-instituts/

    Vielleicht wäre das auch eine Meldung wert? ;-)

  6. daniel sagt:

    gibt es eigentlich noch Ecosysteme die ausschliesslich Microsoft Store unterstuetzen aber sonst keine direkte Win32 Apps ?

    nein die gibt es nicht mehr – abgesehen von vielleicht Windows 10 S – die Windows Phone Platform existiert ja nicht mehr.

    Ergo braucht eigentlich keiner mehr den Microsoft Store und die Win32 Plattform schafft MSFT sicher auch noch einzustampfen wenn sie so weiter mit den Windows Users umgehen.

    • anthropos sagt:

      Es gibt kein Windows 10 S mehr, es wird nur einen S-Modus geben für Windows 10.

      Vermutlich wird der Store keine größere Bedeutung erlangen auf dem PC, der wird ein Nischenprodukt bleiben, und ich mutmaße, dass der Microsoft Store erst zentral werden wird mit dem System, das jetzt unter Polaris bekannt ist.

      Da man keine heutige Maschine auf Polaris umrüsten können soll, wird der Store für uns also uninteressant bleiben. Was danach kommt, kann dazu führen, dass der Store endet am PC oder dort nur als Brücke und Krücke dient zu dem neuen System, um einen Übergang zu schaffen.

  7. anthropos sagt:

    Es bleibt Hetze, wie man die Geschichte auch dreht, eher aus Frust geschehen, würde ich vermuten wollen, denn aus bösem Willen, weil die Risiken immer bestanden und Vorsicht genauso geboten war, da alles darauf ankommt, wie gut das Unternehmen arbeitet, das hinter dem Store steht; andere Unternehmen haben genauere Angaben dazu, wie man eine App nennen darf, die den Namen des Unternehmens führt oder des Systems.

    Microsoft beweist damit einmal mehr eindrücklich, wie wenig sie mit den Leuten können, der Vorschlag von Martin aus Dr. Windoof wird immer verständlicher, dass sie sich hätten zusammentun sollen mit Apple: Microsoft im Hinterzimmer und Apple vorne bei den Kunden.

    • Ralf sagt:

      Nein, bitte nicht. Immer, wenn ich in Hannover an dem Apple Store vorbei komme, überkommt mich das kalte Gruseln. Empfinde es als den unpersönlichsten, atmosphärisch kältesten und leersten Laden (von den angebotenen Waren) in ganz Hannover. Dagegen ist Gravis ein Hort der Gemütlichkeit.

      Und Apple ist ja nun auch der Meister des Schweigens. Dagegen ist Microsoft noch geradezu geschwätzig. Obwohl sie sich seit der Ausrichtung hin zu Mobile und dann zu Cloud auch ganz schön in dieselbe Richtung bewegen.

  8. Sam sagt:

    Sie schreiben: "…Ich meine, meine URL für meinen Webauftritt ist erst einmal unverfänglich – und den Namen dieses Blogs habe ich schnell in Borns IT- und Linux-Blog geändert – …"

    Ich sehe aber immer noch überall den Namen "Borns IT- und Windows-Blog".

    Das würde ich aber auch so lassen. Die spinnen ja wohl total bei MS!!

    • anthropos sagt:

      Kann man nicht so lassen, wenn Microsoft es verlangt, sonst wird es passend gemacht mit Zwang.

      Dass es kontraproduktiv ist, steht außer Frage, es klingt etwas nach Harry Potter und Voldemort.

  9. Martin W. sagt:

    Dr. Windows ist eine der wenigen Seiten, die in (fast) allem, was Microsoft macht, das Positive sucht. Über den letzten treuen Fans jetzt noch ein Kübel Gülle auszuschütten, ist schon eine neue Dimension der Ignoranz!!!

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