Broadcom kauft den Anbieter VMware für 61 Milliarden US-Dollar

[English]Es gibt wohl eine Einigung mit dem Management des Cloud- und Virtualisierungsspezialisten VMware, so dass der Kauf durch den bisherigen Chip-Hersteller Broadcom über die Bühne gehen kann (sofern die Wettbewerbsbehörden zustimmen). Das Unternehmen Broadcom hat dies in einer Mitteilung vom 25. Mai 2022 bestätigt. Der Kaufpreis soll um die 61 Milliarden US-Dollar betragen.


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Die Woche hatte ich im Blog-Beitrag Kauft Broadcom den Anbieter VMware? das Ganze noch als Frage formuliert, da die Verhandlungen noch liefen, Insider die Information aber wohl durchgestochen hatten. In dieser Mitteilung bestätigen die Broadcom Inc. und die VMware, Inc. die grundsätzliche Einigung bezüglich der Übernahme.

Deal für 61 Milliarden US-Dollar

Broadcom wird alle ausstehenden Aktien von VMware in einer Bar- und Aktientransaktion erwerben. Basierend auf der Grundlage des Schlusskurses der Broadcom-Stammaktien am 25. Mai 2022 wird dieser Kauf rund 61 Milliarden US-Dollar bewertet. Darüber hinaus wird Broadcom 8 Milliarden Dollar der Nettoschulden von VMware übernehmen.

Das ist der zweigrößte Übernahmen in diesem Jahr. Nur der Kauf von Blizzard Inc. durch Microsoft für die unglaubliche Summe von 68,7 Milliarden US-Dollar liegt noch höher.

Die Player Broadcom und VMware

Broadcom ist ein Halbleiterunternehmen mit Sitz in San José, Kalifornien, das vor seinem Spin-off der Halbleiter-Produktbereich von Hewlett-Packard und später Agilent war. Das 2005 gegründete Unternehmen hat 19.000 Mitarbeiter und 2019 betrug der Jahresumsatz 22,5 Milliarden US-Dollar. Seit einiger Zeit kauft sich Broadcom bei diversen Sicherheits- und Softwarefirmen ein. So wurde der Softwarekonzern CA Technologies 2018 übernommen (siehe Links am Artikelende), und Ende 2019 gab es die Übernahme der Enterprise-Sparte Symantec. Speziell diese Übernahme endete für Symantec-Business-Kunden im Chaos, wie ich in mehreren am Artikelende verlinkten Beiträgen erläutere.

VMware ist ein 1998 mit dem Ziel , eine Technik zu entwickeln, physische Computersysteme auf Basis einer x86-Prozessorarchitektur mit Hilfe von Software zu abstrahieren und die Eigenschaften eines Computersystems virtuell abzubilden, gegründete US-Unternehmen. Das Unternehmen ist inzwischen Anbieter von Software-Lösungen im Bereich Cloud Computing sowie der Virtualisierung und hat fast 34.00 Mitarbeiter, bei einem Umsatz von rund 11,8 Milliarden US-Dollar. Michael Dell hält um die 40 % der VMware-Aktien.

Broadcom wird VMware

Nach Abschluss der Transaktion wird die Broadcom Software Group unter dem Namen VMware firmieren und die bestehenden Infrastruktur- und Sicherheitssoftwarelösungen von Broadcom in ein erweitertes VMware-Portfolio integrieren. Das Broadcom-Management verspricht sich durch die  Zusammenführung des komplementären Broadcom Software-Portfolios mit der VMware-Produktlinie Vorteile für Unternehmenskunden. Man will Unternehmenskunden eine erweiterte Plattform kritischer Infrastrukturlösungen zur Verfügung stellen.

Bleibt zu hoffen, dass das dann mit den VMware (Virtualisierungs-) Produkten nicht wie nach der Symantec-Übernahme läuft. Reuters zitiert Keith Townsend, Analyst bei der Beratungsfirma CTO Advisor, dass Broadcom nicht dafür bekannt sei, viel Geld für Forschung und Entwicklung auszugeben. Dies könnte sich negativ auf die Einführung neuer Produkte bei VMware auswirken, so Townsend, der auch eine kurze Zeit bei VMware als Architekt für Unternehmensrechenzentren tätig war. "Wenn ich mit Kunden spreche, stellen sie fest, dass sie dringend auf Innovationen von Unternehmen wie VMware angewiesen sind." wird er zitiert.

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15 Antworten zu Broadcom kauft den Anbieter VMware für 61 Milliarden US-Dollar

  1. 1ST1 sagt:

    Ich glaube ja eher, dass VMware langsam auf einem absteigenden Ast ist. Das Produkt ist zum einen für die meisten Kunden zu komplex geworden (vSAN, NSX, … Integration), und/oder zu teuer, zum anderen gewinnen immer mehr die "neuen" Cloud-Anbieter (Google, Microsoft, Amazon) die Oberhand, Firmen lagern eher dorthin aus als dass man noch eine eigene ESXi-Umgebung betreibt, oder der Funktionsumfang von mehr oder weniger kostenlosen Lösungen wie Hyper-V oder Zen/OpenStack reicht den potentiellen Kunden. Ich bin mal gespannt, was Broadcom mit VMware anfängt.

    • Sven Fischer sagt:

      Außerdem drängen da immer mehr Anbieter in das Segment. Da denke ich vor allem an Proxmox. Super Software, das sollte jeder Sysop mal getestet haben. Gerade im KMU Bereich macht die eine richtig gute Figur. Eine Einarbeitung ist sowieso Pflicht, aber wenn man das System verstanden hat, willste nie wieder auf was anderes zurück.

    • Blubmann sagt:

      Naja wobei Hyper-V auch in den Sternen steht. Microsoft hat da ja nicht mehr wirkliche Prioritäten drauf, da ja alles in die Cloud soll. Grundsätzlich aber eine gangbare Alternative, zumal es dann auch von Veeam gesichert werden kann. Aber insgesamt hoffe ich natürlich, dass VMware nicht dem Symantec-Disaster zum Opfer fällt. Das befürchte ich aktuell nämlich etwas. Broadcom war auch aus meiner Erfahrung heraus nie wirklich das gelbe vom Ei.

  2. MOM20xx sagt:

    kein guter tag für vmware kunden.

  3. Olli sagt:

    >>> "Wenn ich mit Kunden spreche, stellen sie fest, dass sie dringend auf Innovationen von Unternehmen wie VMware angewiesen sind." wird er zitiert.

    Ach so? Schon auf die Innovation HTML/Flash Client hätte ich gerne dankend verzichtet und wäre beim Native Client geblieben…

    • MOM20xx sagt:

      noch schlimmer, wenn der html client, dann in der supporteten vsphere version so gar nicht alles kann und flash mangels plugin nicht mehr funktional ist. aber glaub mir broadcom wird das noch toppen.

  4. Andreas F. sagt:

    Ich bin auch mal sehr gespannt, was daraus jetzt wird.
    Abwarten und Tee trinken 😅

    Ich persönlich muss sagen ich bin vor Jahren schon zu hyper-V gewechselt, da man es eh mit der Standart/Datacenter Version erworben hatte. Seid neustem geht das ja auch mit der Essentials. Für kleine Umgebungen eine wunderbare Sache und auch für etwas größer als Cluster.

    Ich sage mal so, der Markt wird es langfristig zeigen, was passieren wird. Für kleine Unternehmen gibt es sicherlich andere Lösungen, die auch kostengünstiger sein werden und können, aber für große wohl kaum, da seht etwas mehr Arbeit im Hintergrund.

  5. Sven Fischer sagt:

    Da wird es mal langsam Zeit, das man sich Alternativen ansieht. Mein Favorit ist Proxmox.

    • Lukas sagt:

      Proxmox ist nicht wirklich eine Alternative. VMware ist einfach noch mal eine ganz andere Liga. Für große Setups ist Proxmox einfach ungeeignet. Um ein paar Beispiele zu nennen: Kein SDN (bei Proxmox aktuell noch in Entwicklung), keine native FC Unterstützung, kein Fault Tolerance (nur HA), kein Support von 3rd Party SW-Herstellern (spontan fällt mir Unify ein, die würden bei Proxmox keinerlei Support geben).
      Wer das alles nicht braucht fährt mit Proxmox sicher nicht schlecht, dürfte aber auf die wenigsten großen Unternehmen zutreffen, da sind die Anforderungen einfach zu hoch. Dafür ist es auch nicht gemacht…

  6. gast0815 sagt:

    Hyper-V lässt MS am ausgestreckten Arm verhungern und wirft die Brocker eher Azure zu. VirtualBox bekommt seit Ewigkeiten z.B. keine sauberen Gast-Grafiktreiber auf die Reihe, … Daher mal die Frage in die Runde: welche Alternative gibt es denn im Desktop-Bereich zu VMware Workstation?

    • Sven Fischer sagt:

      Im Desktop Bereich sieht es in der Richtung imho mau aus. Mir fällt da auf Anhieb auch nur VirtualBox ein. Wenn jemand hier in der Runde einen Tipp hat, immer her damit.

      Seit einiger Zeit gibt es von Gnome was Ähnliches, nennt sich Boxes. Leider habe ich das selbst noch nicht getestet. Daher hier nur eine Info dazu.
      https://help.gnome.org/users/gnome-boxes/stable/index.html.en

      Damit könnte man auch Win10 in einer VM laufen lassen.
      https://www.ctrl.blog/entry/how-to-win10-in-gnome-boxes.html

      Aber wie schon gesagt, kann ich da nichts Konkretes dazu berichten. Das müsste man sich mal in Ruhe ansehen.

      Grüße

      • chw9999 sagt:

        "Damit könnte man auch Win10 in einer VM laufen lassen."
        Hmm, "Auch" im Sinne von "ebenfalls" oder "immerhin"?
        VirtualBox kann das ja. Ich habe mir eine 90-Tage-Win10-ova von Microsoft gezogen und unter Ubuntu/AMD für meine Steuererklärungssoftware genutzt. Mit meiner alten Kiste lief das zwar nicht raketenschnell, aber durchaus hinreichend.

        • Sven Fischer sagt:

          Da müsste man sich selbst ein Bild davon machen. Dazu ist aber ein Linux System mit Gnome notwendig.

          Oder innerhalb von Windows per WSL + Bsp. Ubuntu + Gnome Boxes. Da habe ich leider auch noch keine Erfahrungswerte.

  7. Markus sagt:

    Die Symantec Email Cloud hat sich nach Jahren erst die letzten Wochen im Portal verändert. Es wurde ein Speicherbutton eingeführt. Aus persönlicher Erfahrung kein Vertrauen in Broadcom. Persönlich glaube ich, das wir als Vmware Kunden dies massiv negativ bemerken.

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