Münchens Intrigantenstadel: Neues zu LiMux und der Rückkehr zu Microsoft

Aktuell ist das Thema “München setzt auf Linux und Open Source” (kurz das LiMux-Projekt) ja wieder in der Presse. Es geht um die vorgebliche Abkehr der Stadt München von Linux (aka LiMux) und der Hinwendung zu Microsoft-Produkten. Jetzt gibt es einige neue Informationen, die ich euch nicht vorenthalten will.


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Seit 2004 läuft ja ein Projekt in München, die Stadtverwaltung mit 20.000 Clients weg von proprietärer Software (aka Windows/Office) hin zu Linux und Open Source-Lösungen umzustellen. Diese Entscheidung stößt immer wieder auf Kritik und es gibt Ansätze, diese Umstellung in Frage zu stellen bzw. sogar zurück zu drehen. Vor ein paar Tagen hatte ich den Blog-Beitrag 180 Grad-Volte: Will München zurück zu Windows/Office? veröffentlicht. Es ging um die vorgebliche Abkehr der Stadt München von Linux (aka LiMux) und der Hinwendung zu Microsoft-Produkten. Die Information ging auf einen Beitrag bei techrepublic.com zurück. Tenor: Ein externer Bericht gibt Oberbürgermeister Dieter Reiter jetzt Munition an die Hand, über eine 180-Grad-Volte weg von Linux und OpenOffice bzw. LibreOffice und hin zu Windows und Office zu wechseln. Auch die Redaktion von heise.de einen ausführlichen Artikel Linux in München: Berater empfehlen Ausstieg aus LiMux auf Raten zur Thematik veröffentlicht.

Die Sitzungsvorlage für die Stadratssitzung

Im Beitrag von techrepublic.com gab es keine Hinweise auf das 450 seitige Original-Gutachten von Accenture. Dieses ist wohl nicht öffentlich – so konnte natürlich die Variante “München will von Limux weg, hin zu Microsoft Windows 10 und Office 365” gedeihen. Es ist daher sinnvoll, einen Blick in die Sitzungsvorlage zum Beschluss des Verwaltungs- und Personalausschusses vom 09.11.2016 (VB) zu werfen. Dort werden Hinweise auf das Ziel des Gutachtens und Empfehlungen gegeben. Eine Kernaussage aus diesem Dokument lautet.

Die Gutachter gehen auftragsgemäß auch auf die Frage der Client-Betriebssystem-Welten ein, ohne jedoch eine Empfehlung dahingehend auszusprechen, entweder nur mit dem LiMux-Basisclient oder nur mit dem Windows-Standard-Client die zukünftige Client-Architektur fortzuentwickeln. Die Gutachter empfehlen punktuelle Verbesserungen bei LiMux-Client und einen vollständigen Neuaufbau beim Windows-Client. Für die nächsten Jahre bleibt damit der Einsatz beider Client-Alternativen erforderlich.

Der Satz “empfehlen einen vollständigen Neuaufbau beim Windows-Client” hat dann wohl die Diskussion “Abkehr von LiMux” ausgelöst. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass da langsam das betreffende Süppchen gekocht werden soll. Und es gibt einen zweiten Beitrag Linux in München: Opposition im Stadtrat will bei LiMux bleiben bei heise.de, wo die Opposition ihre Stellungnahme abgibt. Aber auch dort kommt zwischen den Zeilen heraus, dass es bisher wohl keinen Beschluss zur direkten Abkehr von Linux hin zu Windows 10 und Office gibt.

Vielmehr gibt es die Empfehlung der Gutachter – so lese ich es heraus – für die bisher auf Windows laufenden Clients, einen neuen “Windows-Client-Standard” zu definieren und dessen Einführung zu prüfen. Hintergrund ist wohl, dass 4.163 PCs mit Windows betrieben werden (müssen) und dort teilweise Windows 2000 und Windows XP als Betriebssystem im Einsatz ist. Und dort macht eine Standardisierung schon Sinn.

Aktuelles Ziel: Die IT Münchens fit für die Zukunft zu machen

Tenor der oben verlinkten Beschlussvorlage ist aber, die IT-Betriebe der Stadt München für zukünftige Aufgaben fit zu machen. Zur Zeit ist die IT wohl auf drei Betriebe und einzelne Fachabteilungen aufgeteilt.

1.2. Zweck der Beschlussvorlage

Die vorliegende Beschlussvorlage dient dem Zweck, das externe Gutachten über die IT der LHM im Stadtrat vorzustellen, den Inhalt des Gutachtens geeignet zusammenzufassen und die Ergebnisse des Gutachtens auf dem Hintergrund der vorhanden Strukturen der IT in einen verständlichen Kontext zu stellen.

Insbesondere ist Zweck der Vorlage, eine Entscheidung über die im Gutachten enthaltenen Alternativen bezüglich der zukünftigen aufbauorganisatorischen Struktur herbeizuführen und so die Grundlage für die weitere Ausplanung der gewählten Alternative zu schaffen (Grundsatzbeschluss).

Zielsetzung des Gutachtens

Die gutachterliche Betrachtung soll die nachstehenden Zielsetzungen der Landeshauptstadt München unterstützen:

  • Verbesserung der Leistungsfähigkeit der IKT der Stadt München im Hinblick auf die Ansprüche an eine moderne Großstadtverwaltung. Hierzu gehören insbesondere die Berücksichtigung der Kunden- und Nutzersicht, die Anforderungen der Fachbereiche, die Qualifikation und Kapazität des IT-Personals und die Sicherstellung eines für eine Großstadtverwaltung angemessenen Betriebs.
  • Betrachtung, ob die Nutzerbedürfnisse jederzeit zufriedenstellend abgedeckt werden können und wie eine Erhöhung der Nutzerzufriedenheit erzielt werden kann, insbesondere auf Basis der bei der LHM vorliegenden Befragungsergebnisse.
  • Stärkung der Effizienz der IT der LHM bzgl. Aufbau- und Ablauforganisation, Entscheidungswegen, Verantwortung und Wertschöpfung.
  • Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit der IT der Landeshauptstadt München einschließlich der vielfältigen Schnittstellen intern und extern sowie der eingesetzten Technik. Hierbei ist auch die Finanzierungssystematik und dabei insbesondere die Finanzbeziehungen zwischen Eigenbetrieb und Hoheitsverwaltung zu betrachten.
  • Festlegung zum geeigneten Maß an aufeinander abgestimmten, fachunabhängigen, fachspezifischen und fachübergreifenden IKT-Standards für alle relevanten Einsatzbereiche.

In der länglichen Sitzungsvorlage wird auf die bestehende IT-Organisationsstruktur sowie auf mögliche Lösungen eingegangen. Präferiertes Modell: Eine IT-Dienstleistungs-GmbH auszugründen und diese über ein politisches Referat zu steuern. Wie es aber ausschaut, wird dieser Ansatz von den Betroffenen abgelehnt (Weisungen aus der Politik, wenn es schief geht, ist man der Arsch und bekommt Prügel von allen Seiten).

Einen (in meinen Augen) ganz guten Abriss des Themas findet sich hier bei Golem – dort wird dann auch ausgeführt, dass die CSU-Fraktion eigentlich die Abkehr von Linux/LibreOffice, hin zu Microsoft-Lösungen wollen (der Beschluss hin zu LiMux kam ja von SPD und Grünen). Hier wird offenbar also ein Süppchen von Fraktionen gekocht, welches das Gutachten so nicht im Fokus hatte. Nun will man bis 2017 prüfen, was geht – der Intrigantenstadel Münchener Stadtrat dürfte also auch künftig für weitere Aufführungen gut sein.

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10 Antworten zu Münchens Intrigantenstadel: Neues zu LiMux und der Rückkehr zu Microsoft

  1. Nils sagt:

    Ich verfolge das LiMux Thema eigentlich nur am Rande, aber so wie ich das bisher Mitbekommen habe, läuft dort vieles schlecht bis dilettantisch.

    Wenn ich lese, dass dort noch parallel zu LiMux auch noch Windows 2000 und Windows XP eingesetzt wird…. und dann vermutlich auch noch Windows 7…. dann müssen dort also mehr oder weniger 4 (!!!) Umgebungen gepflegt werden. Zumal die LiMux Welt wohl auch nicht gerade auf einem aktuellen Stand ist.

    Und mit dieser Vielfalt in der Betriebssystemumgebung ist die IT wohl überfordert. Wenn nicht fachlich, dann zumindest personell. Der Aufwand mit so vielen verschiedenen Betriebssystemen ist schließlich auch höher. Zumal dort dann wohl auch noch mehrere Dienstleister parallel rumwursteln.

    Und die Einführung von LiMux wurde wohl auch eher halbherzig durchgezogen.

    Wenn ich einen Wechsel zu LiMux durchziehen will, dann muss das auch konsequent umgesetzt werden. Mit Schulung des IT-Personals und der Anwender. Wenn es keine Schulung gibt, dann fehlt zwangsläufig die Akzeptanz. Und ohne Akzeptanz ist das Projekt doch von vornherein zum Scheitern verurteilt.

    Und wenn ich lese, dass über 4.000 Clients auf Windows bleiben müssen…. Auch damit ist so ein Projekt eigentlich schon zum scheitern verurteilt. Klar, ein paar Reste werden immer in der Windows Welt bleiben müssen, aber 4.000 ist schon eine stolze Summe. Und wenn man schon alleine deshalb zwei Welten am laufen halten muss, dann ist das einfach zu viel Aufwand, der eben auch finanziert werden muss. Da stellt sich dann eben irgendwann auch die Kosten/Nutzen Frage.

  2. woodpeaker sagt:

    Günter, wenn du kein lebenslanges Einreiseverbot für Bayern haben möchtest, dann ändere gaaanz schnell die CDU Fraktion in CSU Fraktion. :-)

    Zum Thema selbst wäre es interessant zu wissen, wer in der Stadtratsversammlung mit MS, einem nicht unbedeutenden Gewerbesteuerzahler, verbandelt ist.
    Das Ganze stinkt doch zum Himmel!
    Aber genau weiß man es dann, wenn wieder Posten vergeben werden und die ehrenwerten Politiker in die Wirtschaft wechseln.

    Ein absolutes Highlight in der Richtung ist Joschka Fischer. Der Supergrüne, der, bitte festhalten, „Umweltberater“ bei BMW ist. Natürlich mit einer fetten Honorierung der Tätigkeit. Ein Schelm, wer HIER etwas vermutet…

    • Tim sagt:

      Das ist doch gar kein Widerspruch…

      Auf Berater hört eh niemand so richtig, wenns nicht zusammenpasst und BMW streicht sich etwas grüner an.
      Ob politisch, oder der Umwelt wegen, sei nun dahingestellt.

      Ich weiß jetzt nur nicht genau, ob Umwelt überhaupt das passende Thema für nen grünen Politiker ist?

      Man munkelt, das grüne Wähler ja eh die letzten sein werden, die sich ein Auto irgendwann überhaupt noch leisten können… Die interessieren sich auch nicht für steigende Strompreise. Hauptsache auf dem Vertrag im Ordner steht „ihr Strom ist grün und ökologisch abbaubar“ und trotzdem haben wir wie bisher schon das große Problem, wenn beim Nachbarn mal ein AKW platzt…
      Grün und blöd lagen irgendwie nie weit auseinander in dieser Welt. Ein Spiel mit Mogelpackungen.

      • Eike Justus sagt:

        Ich glaube, ich weiß, was Tim am vergangenen Dienstag gewählt hätte.

        • Herr IngoW sagt:

          Wo genau in Deutschland war denn Wahl?

          • Tim sagt:

            Er meint doch „die“ Wahl in Amerika, die die ganzen selbsternannten „intelligenten“ Menschen grad so an ihrem Weltbild zweifeln lässt… Haben ja nur die dummen dort gewählt, wenn man den Forschern und schreibenden Schnackern glaubt, die einen ganz anderes Ergebnis erwartet haben. War beim Brexit irgendwie ähnlich…

            Als wäre der Amerikanische Präsident plötzlich sowas wie ein Messias und Erlöser der Welt und nicht nur der Vortänzer seines Stabes und Landes…
            Wäre die Position so allmächtig, hätte Obama wohl mehr seiner angedachten Ziele erreicht, denk ich mir mal so…

            Mich würde eher mal interessieren wie Eike Justus weltweit grünes Denken und Handeln mit einer globalen Wirtschaft verbindet, die nur durch ungebändigtes Wachstum am laufen gehalten wird und die ohne Überflusskonsum zusammenklappt wie ein Kartenhaus. Nur grün im kleinen Deutschland zu sein, ist albern und eine Mogelpackung!

            Beim Verzicht auf eigene, dusseligerweise privatisierte, AKWs, während rundrum überall neue entstehen und gleichzeitig Strom eine Ware darstellt, die gehandelt wird und da wir ja kurz vor der elektrischen Mobilität stehen… Schönen Dank auch…

            Das was ich wählen kann, reicht leider nicht aus um etwas zu verändern, lieber Eike Justus. Egal, was ich wähle… ich überlege manchmal schon, einfach zu würfeln, wer mal meine Stimme bekommt.
            Die Leute die namentlich auf meinen Wahlzetteln stehen, haben eh meist nicht viel zu bestimmen.

          • Herr IngoW sagt:

            @Tim
            hab ich mir schon gedacht.
            Daumen nach oben für die Antwort ;-)

  3. Herr IngoW sagt:

    Die IT-Leute in München können einem nur leid tun, oder gibt es in Bayern zu viele IT-Leute das man solche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen machen muss.
    Naja auch alte IT muss ab und zu mal gepflegt werden, ein altes Auto kann ja auch nur gepflegt werden und kommt dabei nie auf den neuesten Stand der Technik.
    Vielleicht ist es ja auch die Tradition auf die in Bayern ja sehr viel wert gelegt wird, da ist es mit neuen Sachen nicht so einfach, denn es soll ja alles bleiben wie es ist.
    Egal welches BS es dann nun wird, es muss 1. Sicher und 2. auf dem Neuesten stand sein.
    Aber das wichtigste für den der damit arbeiten muss ist dann die Effektivität und die Funktionalität einer Software, denn er ist ja nur Anwender und kann sich nicht den halben Tag mit dem Support (IT) herumschlagen weil wieder mal irgend was nicht funktioniert, es hat einfach zu gehen und gut, das vermeidet Stress und erhöht die Zufriedenheit der Arbeitnehmer!

  4. Dieter Schmitz sagt:

    And the Winner is …

    Microsoft.

    Das ist jedenfalls sicher. Diese Kampagne führt in der öffentlichen Wahrnehmung zu der Auffassung, Linux sei nur Murks.

    :-(

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