Der Fluch des App-Store: Hausputz bei Apple und Microsoft

Apple, Google und Microsoft setzen auf Apps, die über einen App-Store des Anbieters verteilt werden. Aktuell wird sichtbar, welch zentrale Gatekeeper-Funktion die App-Store-Betreiber für Entwickler und Nutzer darstellen. Fluch oder Segen?


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Glaubt man Apple, Google und Microsoft, sind App-Stores das allein seligmachende in der neuen Gerätewelt. Immer verfügbar, preiswert und nur einen Fingerwisch im App-Store entfernt. In den letzten Tagen und Wochen sind mir einige Fundstellen unter die Augen gekommen, wo das Thema App-Store Ärger für Entwickler oder Nutzer bereithielt. Sei es, dass Apps aus den Stores flogen, sei es, dass plötzlich ernüchternde Zahlen über App-Verkäufe öffentlich wurden. Und es gibt immer wieder Fälle, wo Apps mit Malware verseucht sind. Zeit, einen Blog-Beitrag zum Thema zu verfassen.

App-Entwicklung: Reich werden wir (auch) morgen (nicht)

Der Traum eines jeden App-Entwicklers ist ja, mit seiner App Millionen über App-Verkäufe zu scheffeln. Mal abgesehen von der Tatsache, dass nur wenige Apps in die Top-Rankings kommen, sehen die Zahlen auch recht ernüchternd aus. Kürzlich bin ich bei heise.de auf den Artikel “Statistisch gesehen”: Geiziger Androide? gestoßen. Botschaft: Android-Nutzer haben in der Mehrheit in den letzten 12 Monaten keine Apps gekauft – und bei iOS sieht es nicht besser aus. Ich drücke es mal platt aus: Wenn ihr die Wahl zwischen “mit App-Entwicklung Kohle machen” und “einfach reich heiraten” habt, entscheidet euch für das letztere, falls ihr Geld braucht.

Zensur im App-Store

Auf App-Entwickler lauert beim Vertrieb ihrer Produkte über einen App-Store noch eine weitere Gefahr. Der Store-Betreiber kann frei nach Gusto entscheiden, ob er eine App aus dem Store wirft oder nicht. Mit ist der hier bei heise.de beschriebene Fall in Erinnerung geblieben. Apple hat die populäre App Dash für macOS aus dem Store geworfen, weil deren Funktionen nicht gefallen haben. Mit Dash konnten u.a. iOS- und OS-X-API-Dokumentation offline gelesen werden. Als Entwickler ist man der Gnade oder Willkür der Store-Betreiber ausgeliefert.

Apple putzt den Store, wirft 50.000 Apps raus

Kürzlich gab es von Apple die Ankündigung, dass man gegen “veraltete” Apps im iTunes-Store vorgehen werde. Alle alten Apps oder Apps, die lange nicht aktualisiert worden sind, sollen raus geworfen werden. Das ist jetzt wohl angelaufen, wie man u.a. bei heise.de nachlesen kann. Als Entwickler hast Du dann das Problem, dass deine App ggf. aus dem Store fliegt. Und als Anwender bist Du doppelt gekniffen. Wer ein altes iPhone oder iPad hat, bekommt keine iOS-Updates mehr. Wenn Apple jetzt alte Apps, die für ältere iOS-Geräte entwickelt wurden, raus wirft, wirst Du als Nutzer sukzessive enteignet (Du bekommst schlicht irgendwann keine Apps für dein Gerät mehr und zurücksetzen darfst Du iOS auch nicht mehr, weil Du gekaufte Apps ggf. nicht mehr bekommst). Apps aus alternativen Quellen (wie bei Google), lassen sich unter iOS ja nicht so einfach laden.

Auch Microsoft putzt den Windows Store

Ich erinnere mich an Zeiten, wo Microsoft jeden Schund als App im Windows Store haben wollte und kräftig die Werbetrommel rührte. Ich hatte das in Artikeln wie Der Windows 8 Store und der App-Müll, oder Microsoft, Prämien für Apps und Pachinco … thematisiert.

Nun wirft Microsoft das Ruder herum und mistet den App-Store ebenfalls kräftig aus. Momentan müssen Apps dran glauben, deren Entwickler die Altersfreigabe nicht durchlaufen haben. Bei Dr. Windows lässt sich nachlesen, dass wohl nur noch ein Drittel aller Apps übrig bleiben werde. Wenn ich dann wiederum sehe, dass Entwickler angehalten werden, Windows-Anwendungen mit Centennial in Univeral Windows Platform-Apps (UWP) zu überführen und in den App-Store einzustellen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Da sind ja die nächsten Bauchlandungen für Entwickler und Nutzer vorprogrammiert.

Unter dem Strich: Zwischenzeitlich sehe ich das Thema Apps extrem kritisch. Unter iOS und Android gibt es keine Alternative, wobei Android ja noch Apps aus anderen Quellen zulässt. Aber unter Windows hat man die Wahl und das App-Geraffel ist in meinen Augen auf lange Sicht nur gut für Apple, Google und Microsoft, um Gebühren für App-Verkäufe zu kassieren. Als Entwickler oder Nutzer bist Du immer der Doofe. Oder wie seht ihr das?


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6 Antworten zu Der Fluch des App-Store: Hausputz bei Apple und Microsoft


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  2. Cimba sagt:

    Aus eigener Erfahrung als Windows 8.1 (+Phone) Nutzer sehe ich inzwischen auch die Situation der Apps kritisch.

    Schnell gerät man in die Situation, das ein App Entwickler sich auf das neuste Betriebssystem festlegt und die alte 8.1 App nicht weiter gepflegt wird und dann wird man nur wegen ein paar “kleiner” Apps dazu genötigt, seinen Rechner auf ein neues Betriebssystem zu wuppen, oder auf die App zu verzichten.

    Das finde ich als alter *.EXE Anwender befremdlich, der bisher einerseits alte Programme problemlos auf neuen Rechnern mitnehmein konnte und neu entwickelte Programme fast immer bis hin zu XP runter noch abwärtskompatibel waren.

    Ich habe auch den Eindruck, das durch die ständige Neuentwicklung der Apps für das neue Betriebssystem die Apps nicht wirklich aus einem recht unfertigem Entwicklungsstadium rauskommen.

    Auf Windows 10 Mobile waren anfänglich die Apps oft auf einem so featurearmen Stand im Gegensatz zu den alten 8.1 Apps und die Bugs, die mühsam bei 8.1 im Laufe der Zeit beseitigt waren, waren auf einmal wieder da mit neuen, zusätzlichen Fehlern.

  3. Sam sagt:

    Sehe ich genau so und kann auch alles so bestätigen. Nutze ebenfalls noch ein Phone mit Windows 8.1 und – exakt wegen der von dir beschriebenen Misere – nun auch eins mit Windows 10 Mobile.

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  5. Ralph sagt:

    Ich bin mit meinem “Damit ich meinen Kunden helfen kann, habe ich mir eins gekauft”-iPhone vor kurzem erst selbst auf den Bauch gefallen. Ich hatte nicht vor, auf iOS 10 zu wechseln und die App, die ich habe wollte (weil ich sie wirklich brauchte), war für iOS 9.x nicht mehr verfügbar. Ich kann also durchaus unterstreichen, dass all die, deren iPhone nicht mehr aktualisierbar sind, irgendwann an den Punkt kommen, sich für ein neues Gerät von Apple oder gegen Apple insgesamt entscheiden zu müssen. Den Windows Store kenne ich gar nicht, und bei Android haben es tatsächlich zwei Apps geschafft, als Kaufversion auf meinem Schmierscheibentelefon zu landen.

  6. Dieter Schmitz sagt:

    Apps, die lange nicht aktualisiert worden sind

    Wie bitte? Das ist doch das absolut allerletzte.

    Man kann doch nicht verlangen, dass eine App einfach aktualisiert wird, weil der Apple oder wer auch immer es so will!

    So eine Einstellung, die Änderungen um der Änderungen willen fordert, ist doch krank.

    Was, wenn die App über einen langen Zeitraum fehlerfrei ist?

    Wenn man so Programme entwickelt, kommt doch nie etwas ausgereiftes zustande.

    Übrigens: Dann wäre TeX schon lange aus dem App-Shop gelöscht worden…

  7. Tim sagt:

    “Aber unter Windows hat man die Wahl”

    (noch)

    • ThBock sagt:

      Bin mir ganz sicher, dass über kurz oder lang nur noch Programme aus dem App Store
      auf Windows laufen. Dies ist ja mit TPM leicht zu realisieren.

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