Digitalkamera unter Windows 7 nicht erkannt

Besitzer von Digitalkameras stehen u.U. vor dem Problem, dass diese von Windows 7 nicht erkannt werden und die Fotos dann nicht importiert werden können. Der Beitrag beleuchtet einige Ursachen und gibt Hinweise zur Behebung.


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Wo liegt das Problem?

So mancher Besitzer einer Digitalkamera stellt ernüchtert fest, dass diese beim Anschluss an die USB-Schnittstelle nicht von Windows 7 erkannt wird. Es tut sich einfach nichts. Wer dann versucht, die “Treiber” des Kameraherstellers zu installieren, erlebt u. U. eine noch bösere Überraschung. Von “Treiber kann nicht installiert werden” bis “Nix geht mehr nach der Treiberinstallation” ist da alles drin.

Was kann ich tun, worauf ist zu achten?

Die erste Frage, mit der sich Ein- oder Umsteiger herumschlagen, besteht in der Frage, wie sich Digitalkameras unter Windows7 einrichten lassen und was es zu beachten gibt. Bezüglich des Punkts Einrichten ist die ganze Sache recht einfach.

  • Bei Digitalkameras ist es optimal, wenn das Gerät den Digital Storage Class-Standard unterstützt. Dann wird die (eingeschaltete) Kamera beim Anschluss an die USB-Schnittstelle als Wechseldatenträger erkannt und es lässt sich über das Ordnerfenster Computer auf das Gerät zugreifen.
  • Falls die Digitalkamera nicht als Laufwerk erkannt wird, wird ein Windows 7-kompatibler WIA-Treiber des Herstellers benötigt. Dann wird die Kamera erkannt und lässt sich ansprechen. Ohne diesen Treiber empfiehlt sich bei solchen Kameras die Verwendung eines Speicherkartenlesegeräts.

Falls der Hersteller lediglich Windows XP-Treiber bereitstellt, sollten Sie auf deren Installation verzichten. Die WIA-Schnittstelle ist nicht mit Windows Vista/Windows 7 kompatibel und bringt nur zusätzlichen Ärger.

Falls die Kamera laut Hersteller direkt durch Windows 7 erkannt und unterstützt werden sollte, gibt es mehrere Punkte, auf die Sie achten sollten.

  • Trivial, aber schon vorgekommen: Damit Windows 7 das Gerät erkennt, muss dieses auch eingeschaltet sein. Bei manchen Geräten muss das Funktionswahlrad zudem auf die Wiedergabe von Bildern eingestellt sein. Hilfreich ist es auch, wenn die Akkus der Kamera genügend aufgeladen sind. Mir sind schon Fälle (zwar bei Camcordern) untergekommen, wo der Foto- und Videoimport nur bei angeschlossenem Netzteil möglich war.
  • Unterstützt die Kamera PTP? Das Picture Transfer Protocol (PTP) wurde von der International Imaging Industry Association definiert, um den Transfer von Fotos von Kameras mit anderen Geräten wie Computern zu ermöglichen. Dann sind eigentlich keine Treiber für Geräte erforderlich und Windows 7 unterstützt das PTP-Protokoll automatisch über den eigene WPD (Windows Portable Devices)-Standard. Sie müssen aber über eine entsprechende Kamera verfügen und das Protokoll muss in den Kameraoptionen eingeschaltet sein. Schauen Sie notfalls in der Bedienungsanleitung der Kamera nach, ob dort etwas zu diesem Thema zu finden ist.
  • Moderne Geräte (wie Smartphones) können auch das MTP-Protokoll (Media Transfer Protocol) unterstützen. MTP ist zum Datenaustausch von Fotos, Musik und Videos vorgesehen. Hier können Virenscanner und Windows N-Varianten die Ursache für eine fehlende Erkennung sein (siehe MTP in der Linkliste am Artikelende).

Zum Testen, ob die Kamera durch Windows erkannt wird, reicht es das Ordnerfenster Computer zu öffnen. Dort sollte die eingeschaltete Kamera als Wechseldatenträger auftauchen. Zudem können Sie im Startmenü auf Geräte und Drucker klicken. Dann sollte die Kamera im gleichnamigen Ordnerfenster auftauchen und als funktionierend gemeldet werden. Ist das Symbol mit einem gelben Dreieck und einem schwarzen Ausrufezeichen versehen? Dann liegt ein Treiberproblem vor und Sie können über das Kontextmenü des Gerätesymbols die Problembehandlung aufrufen. Vielleicht liefert diese noch Hinweise auf die Ursache des Problems. Meist läuft es aber darauf hinaus, dass der passende WIA-Treiber fehlt. Schauen Sie ggf. auf den Seiten des Kameraherstellers nach, ob ggf. Windows 7-Treiber für das Modell angeboten werden.

Nachtrag: In Foren mehren sich die Anfragen von Besitzern diverser Canon EOS-Kameras, die nicht durch Windows 7 erkannt werden [12, 14, 15]. Nach meinen Informationen unterstützt Windows 7 alle Kameras, die das Picture Transfer Protocol (PTP) beherrschen, automatisch über einen generischen WPD-Treiber (WPD = Windows Picture Device). Voraussetzung ist dabei, dass das PTP bei der Kamera eingeschaltet wurde [13]. Falls der Bildtransfer bei Anwendern doch nicht klappt, ist entweder eine mit Canon-Software installierter Treiber oder ein Problem im USB-Support (USB-Hub, Fremdgeräte blockieren den Bus, Chipsatztreiber etc.) die Ursache.  Hier muss das System erst einmal “entmistet” werden. Also alle installierte Canon-Software sowie eventuell installierte Treiber runter. Falls es noch nicht allzulange her ist, empfiehlt sich eine Systemwiederherstellung auf den Zeitpunkt vor der Softwareinstallation – bereinigt alle zwischenzeitlich durchgeführten Systemänderungen.


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Fotoimport von der Kamera

Wer eine Digitalkamera der gehobeneren Preisklasse besitzt, die den Digital Storage Class Standard (ist z.B. bei meiner Fuji FinePix S9500 der Fall) unterstützt, braucht diese nur an die USB-Schnittstelle anzuschließen und das Gerät anzuschalten. Der Importassistent der Windows-Fotoanzeige (oder von Windows Live Fotogalerie) kann dann direkt die Datein von der eingeschalteten Kamera übernehmen.

Alternativ besteht die Möglichkeit des Direkttransfers (d.h. Ordnerfenster Computer und dann des Wechseldatenträgerlaufwerks öffnen, zum Ordner DCIM und dann zum Bilderordner navigieren und die Fotodateien direkt auf die Festplatte nach Bilder oder Unterordner verschieben).

Wer eine der beliebten Kompaktkameras besitzt, die nicht durch Windows 7 unterstützt wird, sollte folgenden Weg gehen: Beschaffen Sie sich einen Universal USB 2.0-Speicherkartenleser (für 10 Euro im Fachhandel erhältlich), der keine Treiber für Windows benötigt. Dann reicht es, die Speicherkarte aus der Kamera zu entnehmen und ins Lesegerät einzuschieben. Schon können die Fotodateien direkt oder über den Importassistenten übertragen werden. Vorteile dieses Ansatzes: Funktioniert immer, auch bei mehreren Kameras brauchen keine Treiber installiert zu werden. Es kommt auch nicht wieder vor, dass die Akkus der Kamera gerade leer sind, wenn Fotos transferiert werden sollen. Man kann die Fotos in der Miniaturansicht vor dem Verschieben ansehen sowie bewerten. Zudem besteht die Möglichkeit, bearbeitete Fotos auf die Speicherkarte zurück zu kopieren (hilfreich, falls man Papierabzüge an einer Direct Print Station anfertigen will).

Tipp:  Falls Sie ein Lesegerät zum Transfer der Fotos von einer Speicherkarte verwenden, noch ein kleiner Hinweis. Ähnlich wie bei USB-Sticks sollte die Speicherkarte nicht unbedingt aus dem Laufwerk gezogen werden, da es andernfalls zu Datenverlust kommen kann. Statt jetzt aber das Symbol “Hardware sicher entfernen” im Infobereich der Taskleiste zum “Auswerfen” der Speicherkarte zu verwenden, sollten Sie das Wechseldatenträgerlaufwerk im Ordnerfenster Computer mit der rechten Maustaste anklicken und den Kontextmenübefehl Auswerfen wählen. Dies leert den Zwischenspeicher (Cache) und die Speicherkarte kann entfernt werden. Nutzen Sie die Funktion “Hardware sicher entfernen”, ist dagegen das Speicherkartenlesegerät als Hardware abgemeldet und die Neuanmeldung wird bei integrierten Leseeinheiten etwas schwierig (bei externen USB-Geräten müssen diese abgezogen und neu eingesteckt werden).

Nachtrag: In Microsofts technischen Foren [5] sowie in der beim Markt+Technik-Verlag gehosteten Kopie dieses Beitrags häufen sich Anfragen von Lesern, die höherwertige bzw. moderne Kameras von Canon bzw. Fuji besitzen, die aber unter Windows 7 nicht erkannt werden. Da speziell bei der Canon EOS400D eine “Build-in”-Treiberunterstützung (WPD-Driver) durch Windows 7 vorhanden ist (bei den anderen Kameras habe ich keine Rückmeldung), ist der Grund für die Fehlfunktion offenbar in einer verhunzten USB-Konfigurierung (z.B. durch Installation weiterer USB-Gerätetreiber oder einem Windows 7-Installationsfehler, z.B. Upgrade von Windows Vista) zu suchen. Hier hilft eventuell eine Desinstallation anderer USB-Gerätetreiber. Falls dies nichts mehr bringt,  bleibt nach meinen bisherigen Kenntnissen nur eine Neuinstallation des Betriebssystems. Ein zweiter Ansatz, der auch schon weiter oben implizit adressiert wurde, wird unter [10] beschrieben: Die Kamera muss lediglich so konfiguriert werden, dass das Picture Transfer Protocol aktiv ist. Bei FujiFilm FinePix gibt das Benutzermanual der S1600 an, dass der FinePix-Viewer benötigt wird (siehe [11]). Ich bin mir aber unsicher, ob das Problem nicht durch die Software verursacht wird (wie bereits ausgeführt, ich habe bei meinen Kameras keine Software installiert und nutze ausschließlich Windows-Funktionen).

Links zu ähnlichen Artikel

[1] Scanner/Digitalkameras und Vista
[2] Speicherkarten und USB-Sticks sicher entfernen …
[3] Fotoimportassistent-Nachfrage in Windows 7 reaktivieren
[4] Scanner unter Windows 7
[5] Treiberproblem Canon EOS400D (Microsoft-Forum)
[6] Windows 8.1 N: Keine PTP- und MTP-Unterstützun
[6a] Windows-MTP-Treiber funktioniert nicht
[7] Wenn der Fotoimport nicht mehr funktioniert
[8] AutoRun nach VMware-Installation reaktivieren
[9] AutoPlay-Handler unter Windows 7 entfernen und korrigieren
[10] Canon-Kamera in Windows 7 nicht erkannt
[11] FinePix-Viewer (angeblich auch für Win 7)
[12] Forendiskussion Canon EOS400-Treiber
[13] Canon EOS 350 D mit Windows 7
[14] Canon EOS 350 D-Treiberproblem (französisch)
[15] Canon EOS 350 D-Treiberproblem (französisch)
[16] Canon EOS 350 D Forendiskussion


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3 Antworten zu Digitalkamera unter Windows 7 nicht erkannt


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  2. Manzomanen sagt:

    Hi gborn,

    danke für deinen Artikel. Leider hat er mir nicht weitergeholfen, ich bin nun zufällig aber auf die Lösung gestoßen, die ich gerne mit euch teilen möchte.

    Die Ursache lag darin, dass ich eine Windows N Version habe, genauer Windows 8.1 N. Dabei fehlen einige “Windows Media Features”, u.a. der Media Player.

    Kürzlich wollte ich den Windows Movie Maker verwenden, doch verweigerte er mir immer den Dienst mit der Begründung “MF.dll fehlt”. Ich habe dann den “Media Feature Pack für die N- und KN-Versionen” hier heruntergeladen: http://www.microsoft.com/de-de/download/details.aspx?id=40744

    Nun erkennt mein Windows 8.1 meine Canon EOS 400D wieder ganz ohne Probleme.

    Viele Grüße
    Manzomanen

  3. Christine Schwarz sagt:

    EOS D 350 mit Windows 7 – So hat es geklappt:
    1. EOS-Utility-Software herunterladen und installieren: http://www.canon.de/Support/Consumer_Products/products/cameras/Digital_SLR/EOS_650D.aspx?type=download&softwaredetailid=tcm:83-1225922&os=Windows%207%20(x64)&language=
    2. Im Kamera-Menü [Verbindung] auswählen und [PTP] einstellen

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