Apple beerdigt iTunes in macOS Catalina

Auf dem gestrigen WWDC 2019 hat die Firma Apple in der Tat bekannt gegeben, dass iTunes eingestellt ist und die Funktionalität auf Apple-Geräten durch mehrere andere Apps bereitgestellt wird. Ergänzung: Die Einstellung gilt für macOS Catalina – für Windows will man iTunes noch eine Weile weiter pflegen – Details nachgetragen.


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iTunes war eine Multimedia-Verwaltungssoftware von Apple, welcher in macOS enthalten ist. Für Windows 7 oder höher ist iTunes als separates Programm von Apple erhältlich. Das Programm ermöglicht das Abspielen, Konvertieren, Brennen, Organisieren und Kaufen von Musik, Hörbüchern, Podcasts und Filmen und kann Inhalte angeschlossener iOS-Geräte (iPod, iPad und iPhone) verwalten.

Abschied von iTunes deutete sich an

Am Wochenende hatte ich im Blog-Beitrag Stellt Apple iTunes ein? Inhalte bei Facebook/Instagram bereits gelöscht angedeutet, dass die Tage von iTunes gezählt seien. Es gab ein Gerücht über das Ende der Anwendung, welches Bloomberg in einem Artikel aufgriff. Und am Wochenende hat Apple dann allen Social Media Content für iTunes von seinen Facebook– und Instagram-Seitenentfernt.  Die Details sind im Blog-Beitrag nachlesbar.

Muss nichts schlechtes sein, denn iTunes war Problembär und wandelnde Sicherheitslücke in einem. Apple hatte letztmalig am 28. Mai 2019 ein Sicherheitsupdate für iTunes freigegeben (siehe Windows: Sicherheitsupdate für iCloud und iTunes (28.5.2019)).

iTunes wird in macOS Catalina abgelöst

Während der gestrigen WWDC 2019 Keynot hat Apple dann, wie erwartet, ganz offiziell das Ende von iTunes unter macOS verkündet, wie ich hier lese. Denn es wurde macOS Catalina vorgestellt, eine neue Version des Betriebssystems für die Mac-Computer. Das neue macOS-Betriebssystem soll diesen Herbst veröffentlicht werden, wie Apple auf dieser Preview-Seite bekannt gab.

Mit macOS Catalina ersetzt Apple iTunes durch seine Unterhaltungs-Apps – Apple Music, Apple Podcasts sowie die Apple TV App. Mit macOS Catalina bringen wir ganz neue Apps auf den Mac, angefangen mit eigenständigen Versionen von Apple Music, Apple Podcasts und der Apple TV App”, so Craig Federighi, Senior Vice President für Software Engineering von Apple. Aber letztendlich sind die macOS-Versionen der Apps Portierungen der Apps, die Apple auf seinen iOS- und iPadOS-basierten Geräten anbietet.

  • Die Apple Music-App ist Apple Music mit Apples kuratierten Playlists und lokaler Musikintegration. Mit Apple Music können die Benutzer auf über 50 Millionen Songs, Playlists und Musikvideos zugreifen. Und sie haben Zugriff auf ihre komplette Musikmediathek – egal ob sie Songs geladen, gekauft oder von einer CD importiert haben. Wer seine Musik lieber kaufen möchte, kann diese über den iTunes Music Store tun.
  • Apple TV ist die ehemalige Video-App und ermöglicht die Wiedergabe aller Inhalte, die Nutzer im iTunes Store gekauft haben. Die Apple TV App kommt mit Apple TV Channels, personalisierten Empfehlungen und über 100.000 iTunes Filmen und Serien, die Benutzer durchsuchen, kaufen oder leihen können, in 4K HDR und Dolby Atmos.1 Im Bereich ‘Jetzt ansehen’ gibt es ‘Als Nächstes’, wo die Benutzer ihre zuletzt angesehenen Titel finden und auf beliebigen Geräten fortsetzen können. Diesen Herbst kommt außerdem Apple TV+, der Original Video Abonnement-Service von Apple in die Apple TV App.
  • Und Apple Podcasts ist die Podcast-App mit der sich Podcasts aus dem Apple-Store etc. wiedergeben lassen. Die Apple Podcasts App umfasst einen Katalog von über 700.000 Sendungen und die Option, sich automatisch über neue Folgen benachrichtigen zu lassen, sobald diese verfügbar sind. Die App kommt außerdem mit neuen Kategorien, kuratierten Sammlungen von Experten auf der ganzen Welt sowie fortschrittlichen Suchwerkzeugen, um Folgen nach Gastgeber, Gast oder sogar Gesprächsthema zu finden.

macOS Podcast App
(macOS Podcast App, Quelle: Apple)

Dieser Weg wurde wohl auch beschritten, weil Apple ein neues Sidecar Feature in macOS eingeführt hat.

Sidecar: iPad als Display oder Eingabegerät nutzen


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Mit der neuen Sidecar-Funktion können Benutzer ihren Mac Desktop erweitern und ihr iPad als zweites Display oder als hochpräzises Eingabegerät für die Mac Kreativitäts-Apps verwenden. Zusammen mit dem Apple Pencil können Nutzer mit dem iPad in beliebigen Mac Apps, die Stifteingaben unterstützen, zeichnen, skizzieren oder schreiben. Sidecar ist z.B. ein Tool, um Videos mit Final Cut Pro X zu bearbeiten, mit Adobe Illustrator zu zeichnen oder iWork Dokumente zu kommentieren. Und wie alle Integrationsfeatures funktioniert Sidecar über eine kabellose Verbindung, sodass Benutzer mobil arbeiten können.

Neue Sicherheitsfeatures sollen die Benutzer besser schützen, und mit der Sprachsteuerung können sie ihren Mac auch ausschließlich mit ihrer Stimme bedienen. “Die Benutzer können jetzt mit Sidecar ihren Arbeitsbereich erweitern, wodurch es möglich ist, auf neue Art mit Mac Apps mit dem iPad und dem Apple Pencil zu interagieren. Und mit neuen Technologien für Entwickler können sich die Benutzer im Herbst auf weitere großartige Apps von anderen Anbietern für den Mac freuen.”, sagte Craig Federighi, Senior Vice President für Software Engineering von Apple in der WDDC 2019-Keynote.

Und was ist mit iTunes für Windows?

Unklar blieb bei dieser Geschichte, was mit iTunes für Windows passiert. Das ist ja Apples Client für diese Plattform, mit dem man die obigen Funktionen auch auf Microsofts Betriebssystem nutzen und gleichzeitig seine iPads, iPods und iPhones verwalten kann. Nachdem aber die macOS-Version von iTunes stirbt, gehe ich davon aus, dass Apple auch für Windows einen Ersatz anbieten wird.

Ergänzung: Über die Kollegen von Dr. Windows wurde ich auf einen Tweet von Micah Singleton vom Billboard Magazine aufmerksam. Der hat bei Apple nachgefragt und Antwort erhalten.

Apple wird also iTunes unter Windows im ‘aktuellen Status’ beibehalten. Gemäß meinem Blog-Beitrag Windows: Sicherheitsupdate für iCloud und iTunes (28.5.2019) wird das wohl die iTunes Version 12.9.5 sein. Ob es dort noch Sicherheitsupdates gibt, beantwortet der Tweet nicht. Auch ist mir unklar, was mit iTunes auf älteren macOS-Versionen passiert. Müssen die alle auf Catalina umsteigen? Wird wohl kaum gehen. So lässt Apple mehr Fragen offen, als beantwortet werden – aber vielleicht hat jemand da draußen im Web mehr Informationen von Apple, was wirklich geplant ist.


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5 Antworten zu Apple beerdigt iTunes in macOS Catalina


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  2. Onkel Hotte sagt:

    iTunes war immer schon scheisse. Ich kenne niemanden, der sich mit diesem UI Verbrechen anfreunden konnte. Habe mich auch immer gefragt wie Apple sowas rausbringen konnte, aber die Software wurde wohl damals nur dazugekauft. Zeit, die mal zu optimieren hatten die allerdings genug. Na, egal, jetzt kommt’s auf den Schrotthaufen

    • Günter Born sagt:

      Ich mag dir wegen des Urteils nicht wiedersprechen – ich habe iTunes nach einer verunglückten Installation mit ruiniertem Windows 7 nie wieder auf eine Produktivmaschine gelassen. Das lief zum Testen in VMs. Bei der Windows 10 iTunes-App ist es etwas anders, da kann man wenigstens rückstandsfrei deinstallieren (aber das nutze ich auch nicht).

  3. Roland Moser sagt:

    Ich habe iTunes mal auf einem XP installiert. Wegen Nichtgebrauch wieder deinstalliert. Und siehe da: Es liess sich nicht vollständig deinstallieren, irgendein Rest Wirtschafts-Spionage-Software blieb unlöschbar auf der Festplatte. Mit irgendwelchen Murksereien konnte man es dann löschen.
    Evt. war es auch aus dem Systemstart nicht mehr rauszubringen, bin mir aber nicht mehr sicher.
    Welcher Normalverbraucher kommt auf die Idee, dass nach dem Deinstallieren noch Reste von Software unlöschbar vorhanden bleiben? Und welcher Normalverbraucher sucht danach?
    Das war eine echt vollkrasse Nummer.

    • Toby sagt:

      @Roland Moser:
      Passiert leider öfter als man denkt. Es gibt extra Software zum Entfernen genau dieser Überreste (Dateien, Ordner, vor allem Regkeys, Autostart-Einträge usw.). Manchmal sind die Uninstaller nicht sauber geschrieben, oder haben zum Zeitpunkt der Deinstallation keinen Schreibzugriff auf gewisse Datein und müssen diese dann überspringen. Bei Apple kommt noch hinzu, dass die Software Treiber für die Geräte enthält. Oft kommt es auch zu Problemen, wenn die benötigten Uninstall-Informationen gar nicht mehr vorhanden sind, das passiert vor allem bei MSI-Paketen, denen der Uninstaller weggelöscht wurde, z. B. durch eine Aufräumaktion. Ich kenne persönlich sogar realtiv wenig Software, die keinerlei Spuren auf dem Computer hinterlässt, sobald sie deinstalliert wurde. Und bei iTunes … tja, die waren immer schon ganz speziell ^^

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  5. RUTZ-AhA sagt:

    Die Software iTunes hatte noch nie einen guten Ruf.

    Wollte ich auch mal unter XP installieren, habe ich aus dem Grund aber sein lassen. Das ist kein Tool, das man unbedingt haben muss, da gibt es besseres.

    Eingefleischte Apple Anhänger sehen das vielleicht anders.

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