Windows 10 erneut im Fokus der EU-Datenschützer

[English]Microsoft ist mit seinem Windows 10 erneut in den Fokus der EU im Hinblick auf den Datenschutz geraten. Die niederländische Datenschutzbehörde (DPA) wirft Microsoft vor, Daten der Benutzer von Windows 10 Home und Pro-Systemen abzugreifen und damit möglicherweise gegen Datenschutzbestimmungen zu verstoßen.


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Microsoft kommt mit seinem Cloud- und Telemetriewahn in der EU immer stärker wegen der Datenschutzgrundverordnung unter Beschuss. Office 365 ist nicht zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) konform – und Windows 10 steht auch ständig im Fokus der Datenschützer. Ich habe mich hier im Blog ja seit 2015 mit diesem Thema befasst (siehe Linkliste am Artikelende). Microsoft musste in den letzten vier Jahren diesbezüglich immer wieder in Punkto Datenschutz nachbessern. Jetzt gibt es neue Vorwürfe und einen Prüfauftrag an die irische Datenschutzbehörde – dieses mal zu Windows 10.

Niederländische Datenschutzbehörde interveniert

Die niederländischen Datenschützer haben Windows 10 ja bereits länger wegen der Erfassung von Telemetriedaten im Fokus (der Beitrag von Techcrunch von Oktober 2017 thematisiert das zum Beispiel). Nun bin ich über folgenden Tweet auf einen Reuter-Artikel gestoßen, der sich erneut mit dem Thema befasst.

Der Vorwurf der niederländischen Datenschutzbehörde (Data Protection Agency, DPA) lautet, dass Microsoft remote Daten von Benutzern von Windows Home und Windows Pro sammelt, und damit  möglicherweise einen Verstoß gegen die Datenschutzbestimmungen der EU (DSGVO, GDPR) begeht. Die Aussage aus obigem Tweet, der einen Reuters-Artikel zitiert, lautet: Microsoft hat sich zwar an die [mit niederländischen Datenschützern] getroffenen Vereinbarungen gehalten. „Die Überprüfung hat jedoch auch ergeben, dass Microsoft aus der Ferne andere Daten von Benutzern sammelt. Infolgedessen verstößt Microsoft immer noch möglicherweise gegen die Datenschutzbestimmungen.“

Prüfung legt Unregelmäßigkeiten offen

Die niederländische DPA hat sich dieses Jahr Windows 10 erneut vorgenommen, nachdem man letztes Jahr Microsoft zur Nachbesserung beim Datenschutz aufgefordert hat. Dabei haben die Prüfer die oben kritisierten Praktiken gefunden, die die Datenschützer wohl nicht zufrieden stellen.

Liest man zwischen den Zeilen, ergibt sich folgendes Bild: Während Microsoft bei Windows 10 Enterprise zahlreiche Möglichkeiten bietet, die Telemetriedatenerfassung über Gruppenrichtlinien abzuschalten, gibt es so etwas bei Windows 10 Home nicht. Und bei Windows 10 Pro sind diverse Gruppenrichtlinien deaktiviert. Ich hatte ja vor wenigen Tage den Fall Windows 10 Pro V1903: Gruppenrichtlinie „Telemetrie zulassen“ aktivierbar? als Beleg aufgegriffen.

Irische Datenschutzbehörde kontaktiert

Die niederländische Regulierungsbehörde teilte Reuters mit, sie habe ihre Ergebnisse an ihr Gegenstück in Irland weitergeleitet, wo Microsoft seinen Hauptsitz hat. Der irische Datenschutzausschuss (DPC) bestätigte, dass er die Informationen der niederländischen Regulierungsbehörden letzten Monat erhalten habe.

„Der DPC hatte ein vorläufiges Engagement bei Microsoft, und mit Unterstützung der niederländischen Behörde werden wir in Kürze weitere Kontakte zu Microsoft knüpfen, um substanzielle Antworten auf die angesprochenen Bedenken zu erhalten“, sagte er. Techchrunch hat hier eine erweiterte Stellungnahme Microsofts veröffentlicht.


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Damit steht Microsoft erneut im Fokus der Datenschützer. Die Stellungnahme des Unternehmen: Man setzt sich für den Schutz der Privatsphäre seiner Kunden ein und hat in den letzten Jahren die Datenschutzfunktionen für Einzelpersonen und kleine Unternehmen, die Windows 10 verwenden, verbessert. Microsoft meint noch: „Wir begrüßen die Möglichkeit, die Werkzeuge und Wahlmöglichkeiten, die wir diesen Anwendern anbieten, noch weiter zu verbessern.“ Ich hoffe, niemand fällt jetzt vor Lachen vom Stuhl. Die werden auch weiterhin heftig gegen die Wand rennen.

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10 Antworten zu Windows 10 erneut im Fokus der EU-Datenschützer

  1. Tom sagt:

    Zitat:
    “Wir begrüßen die Möglichkeit, die Werkzeuge und Wahlmöglichkeiten, die wir diesen Anwendern anbieten, noch weiter zu verbessern.”

    Das ist gelinde ausgedrückt ein Zeig mit geballter Faust und ausgestrecktem Mittelfinger an alle home/pro Anwender!

    Es könnte sogar soweit kommen, daß MS sich vollständig vom europäischen Markt zürück zieht oder dort nur noch Enterprise-Versionen vertreibt, mit den entsprechend anpassbaren Gruppenrichtlinien und dem Setzen der „0“ in den Telemetriedaten zuläßt – was auch immer von dieser „uminösen „0“ übrig bleibt, die nirgendwo seitens MS kommuniziert wird.

    • wufuc_MaD sagt:

      ja was meinst du denn wozu spectremeltdown von unseren eu politicians ersonnen wurde?! sehr bald gibts den „eu-prozessor“…

      und, wenn die telemetrie dazu verwendet wird um die outlook-verknüpfung in den papierkorb zu legen, genau in dem moment wenn das backup-laufwerk überläuft… dann ist das vielleicht ein „einzelfall“ aber besser als sehr vieles was ich die jahre gesehen hab :-)

      die nicht-dokumentation gewisser features ist sozusagen die „5%-hürde“

      • Tom sagt:

        @wufuc_MaD
        Ich habe ehrlich geschrieben absolut keine Ahnung, was Du mir mit diesen Aussagen schreiben willst?
        Ein kleiner Tip(p) an Dich: einfach mal den Aluhut absetzen und richtig durchatmen hilft (vielleicht)!

        p.s.: Wenn das hier zu sehr „off-topic“ gehen sollte, dann bitte löschen.

  2. diramyss sagt:

    je nun, Fa. MS macht das, was geht.
    Und zwar WEILS geht!
    Nennt sich ooch Kapitalismus. etc.
    Wir alle sind daher ganz klar Teil der Verlosung – und solange wir in der Masse alles mitmachen, hat Fa. MS alles „richtig“ gemacht. Weil, mit Moral und ähnlichem zu kommen wäre albern, eine Marktwirtschaft/Kapitalismus ist nicht gerichtet – in dieser Hinsicht. Sowas ist nicht Teil des „Sytems“. Wie auch erstmal alle sozialen und ökologischen Kosten, die ich als Produzent unweigerlich verursache. Solche Anwürfe gehen daher ins Leere, generell.
    => Systemfehler endlich abstellen – oder hinnehmen.

    Und privacy? Auch hier gilt: das Gemecker der paar Köppe interessiert genau wen? korrekt, kaum jemand. Solange alles schön funktional ist. Was auf w10 zutrifft.
    Zumal diese zum allerallergrößten Teil wahrscheinlich eh die Klappe halten müssten, dieweil sie eine Wanzen-Tech a la Smart-fone benutzen – weil man ja angeblich kaum anders könne.
    Wer sowas macht/nutzt, hat allerdings jede Kritikoption verwirkt, eigentlich…

  3. Blupp sagt:

    „Ich hoffe, niemand fällt jetzt vor Lachen vom Stuhl.“
    Zu spät :-D

  4. Christian59 sagt:

    …ich lese immer „möglicherweise“, „möglicherweise“, etc.
    Ja was jetzt? Verstossen sie oder verstossen sie nicht? Immer
    dieses halbbatzige Zögern! Entweder macht man mal endlich
    mal was oder man kuscht besser wie alle anderen auch!

    Ich habe möglicherweise bereits wieder fertig!
    Christian

    • Günter Born sagt:

      Nun ja, auch ohne juristische Grundausbildung sollte auch dir klar sein, dass ein ‚Verstoß gegen die GPDR‘ in diesem Fall erst dann vorliegt, wenn das per Gericht final festgestellt wurde. Alles andere läuft auf ‚möglicherweise‘ hinaus.

  5. RUTZ-AhA sagt:

    Es beinhaltet stets auch negative Auswirkungen, wenn Unternehmen zu riesig und mächtig werden. Dazu addiert sich die zunehmende Vernetzung.

    Das gleiche Problem stellt sich z.B. bei den Banken dar.

    Daher gibt es immer wieder Überlegungen, diese Unternehmen zu zerschlagen, weil sie eben immensen Schaden anrichten können.

  6. Richard Kaufmann sagt:

    Die Mac-Version von Office 365 (ProPlus) zeigt deutlich, wie ernst es Microsoft mit dem Thema ist. Dort läßt sich – im Gegensatz zur Windows-Version – die Telemetrie weder abschalten noch einschränken. Auch ein DSGVO Verstoß – möglicherweise. Es müsste nur mal jemand prüfen…

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