EU-Parlament für gemeinsames Ladegerät für Mobilfunkgeräte

ParagraphDas EU-Parlament hat am gestrigen Donnerstag mit überwältigender Mehrheit die Resolution 2019/2983(RSP) 'Common charger for mobile radio equipment' (Gemeinsames Ladegerät für Mobilfunkgeräte) angenommen. Ziel ist es, das einheitliche Ladegerät für Mobilfunkgeräte in eine EU-Verordnung umzusetzen.


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Kurzer Rückblick

Über dieses Thema hatte ich vor einigen Tagen im Artikel Apple, die EU und die USB Typ C-Schnittstelle berichtet. Die Kurzfassung: Die EU denkt darüber nach, den einheitlichen Ladestandard für Mobilgeräte in einer Richtlinie festzuschreiben. Warum das Thema es in die Presse schaffte: Apple hatte erst einmal Position dagegen bezogen und sprach 'von einer innovationsfeindlichen Regulierung', die keinem etwas bringe.

Es ist ein unendliches Thema: Die EU-Kommission wollte schon vor 10 Jahren eine einheitliche Ladeschnittstelle bzw. –Buchse. Ziel ist es, 51.000 Tonnen unnötigen Elektronik-Sondermüll durch nicht mehr passende Ladekabel und –Netzteile zu reduzieren. Das sollte durch ein Standardkabel zum Laden passieren. Ich habe mal nachgeschaut, 2013 gab es im Blog den Artikel Sauerei! Smartphone-Hersteller torpedieren einheitliche Ladeschnittstelle. Die Hersteller hatten sich damals auf eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Einführung einer einheitlichen Ladeschnittstelle geeinigt.

microUSB-Buchse am Smartphone

Bei Smartphones und Tablet PCs gibt es die MicroUSB-Buchse, die sich auch zum Laden eignet. Persönlich empfinde ich es als sehr angenehm, ein Ladekabel mit einem USB-Steckernetzteil für alle Geräte verwenden zu können. Wobei 'alle Geräte' nicht ganz stimmt. Apple fährt da mit seinem Lightning-Anschluss einen eigenen Stiefel.

Die EU-Kommission ist mit dem 'Status Quo' nicht zufrieden. Im August 2018 hatte ich den Blog-Beitrag EU-Ziel: Einheitliches Ladekabel; trifft es Apples Lightning? schon mal im Blog. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Maroš Šefčovič, hat am 13. Januar in Straßburg gehalten. Dort kündigte er die Veröffentlichung einer Studie an, die die Möglichkeiten zur Einführung eines Standards für Ladegeräte klären soll. Er erklärte auch, dass die Kommission erneut regulatorische und nicht-regulatorische Möglichkeiten prüfen werde, um die Industrie zur Einführung eines Standards zu bewegen.

Die Resolution 2019/2983(RSP) des EU-Parlaments

Gestern (30.1.2020) fand im EU-Parlament eine Abstimmung über die Resolution 2019/2983(RSP) 'Common charger for mobile radio equipment' statt. Die Resolution fordert die Europäische Kommission auf, dafür zu sorgen, dass die Verbraucher in der EU nicht mehr verpflichtet sind, mit jedem neuen Mobilgerät neue Ladegeräte zu kaufen. Es soll eine Regelung für ein gemeinsames Ladegerät für Mobilfunkgeräte beschlossen werden.

Reuters berichtet hier, dass die Mitglieder des Europäischen Parlaments mit 582-40 Stimmen für die Annahme dieser Resolution votierten. Die Resolution fordert die EU-Kommission auf, bis zum Juli 2020 eine entsprechende EU-Verordnung zu verabschieden. In der Resolution hieß es, dass freiwillige Vereinbarungen in der Industrie die Anzahl der Ladegerätetypen deutlich reduziert hätten, aber nicht zu einem gemeinsamen Standard geführt hätten.


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Laut der Resolution betrug der Elektronikschrott im Jahr 2016 etwa 16,6 Kilogramm pro EU-Einwohner. Das ergibt eine Gesamtmenge von 12,3 Millionen Tonnen unnötigem Elektronikschrott.

In der Resolution hieß es zwar, dass sich das Aufladen drahtloser Geräte als vorteilhaft erweisen könnte, indem der Abfall verringert wird. Aber es erging auch eine Aufforderung an die Kommission, Regeln zu verabschieden, die sicherstellen, dass drahtlose Ladegeräte viele verschiedene mobile Geräte aufladen können. Also auch dort wird der Wildwuchs an unterschiedlichen Drahtlos-Ladestandards dann wohl durch eine Richtlinien künftig begrenzt.

In den Medien wird nun spekuliert, dass diese EU-Richtlinie Apple besonders hart treffen würde, weil die mit Lightning einen eigenen Standard haben. Hier muss man meines Erachtens abwarten, was eine EU-Verordnung, wenn sie dann mal vorliegt, wirklich regelt. Ein USB-Ladegerät mit einem USB-A-zu USB-Typ-C-Kabel, oder ob auch Lightning zu USB-Typ C-Buchsen zulässig sind. 


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9 Antworten zu EU-Parlament für gemeinsames Ladegerät für Mobilfunkgeräte

  1. Michael sagt:

    >> Gesamtmenge von 12,3 Millionen Tonnen unnötigem Elektronikschrott >>

    Und das jährlich "nur" in der EU, wenn man das mal auf die Welt insgesamt hoch rechnet …

  2. deoroller sagt:

    Man könnte es so regeln, dass grundsätzlich keine Lade- oder Netzteile mehr mit den Geräten verkauft werden, sondern der Kunde eins zusätzlich bei Bedarf kauft.

    • Randolf sagt:

      Da bin ich vollkommen bei Dir.
      Deinen Vorschlag als zusätzliche Regelung würde ich sehr begrüßen.

      Aber, die EU hat es seit zig Jahren nicht geschafft EU-einheitliche Stecker für 220 V~ Anschlüsse durchzusetzen. Warten wir mal ab.

  3. Gaga sagt:

    Ist doch gut und auch kein Problem. Einfach Netzteil/Ladegerät weg lassen. Und warum sollte Lightning betroffen sein? Solange Apple ein USB Kabel mit liefert dass sich an jedes Standard Ladegerät stecken lässt, sehe ich keinen Handlungsbedarf. Wir laden schon seit Jahren über ein 5 Port USB Ladeteil sämtliche Geräte – inkl. Apple. Standard sind doch 5V und 1-2 A möglicher Ladestrom… Die Ladeelektronik sitzt im Gerät, nicht im Netzteil. Also einfach Standard Kabel beipacken und gut iss. Oder!?

    Gruß
    Gaga

  4. Dekre sagt:

    Das wird spannend. Da werden ja noch mehr Geräte mit eingeklebten Akku explodieren.
    So einfach ist es nicht.

    Aber die EU ist immer wieder für Schwachsinn gut und vor allem weil das Betroffenheitssyndorm zugeschlagen hat. Ansonsten kann so was nicht aus dem Parlament kommen – oder er ist Lobbyist.
    Korruption ist auch dort hoch willkommen.

    Ach schön ist es, wenn man noch was Genormtes hat. Das kommt aber nicht von der EU und schon gar nicht von den gierigen Parlamentariern.

  5. 1ST1 sagt:

    Micro-USB ist der letzte Mist, die Stecker gehen laufend kaputt, haben Wachelkontakte in den Geräten und dass man sie nur in eine Richtung reinstecken kann macht es nicht einfacher. Insofern kann ich Apple verstehen, dass sie sich dagegen und für die Eigenentwicklung Lightning entschieden haben. USB-C hat diese Nachteile nicht, hat sicherlich aus den Erfahrungen mit Micro-USB … und … Lightning gelernt, aber USB-C jetzt als Standard, von dem keiner abweichen darf, festzulegen, bedeutet gleichzeitig, dass es eine Weiterentwicklung erschwert wird, weil selbst jüngste Verbesserungen noch mit den ersten USB-C-Geräten kompatibel bleiben müssten. Dabei ist USB-C mit seinen nicht verpflichteten Protokollen schon jetzt Verwirrung pur.

    • wufuc_MaD sagt:

      du ich hab auch schon mehrfach geräte mit kaputtgedremmelten usb-a eingängen gesehen… es gibt eine kategorie humanoiden, die gehen halt so mit "technik" um; das sind aber nicht die mit 0 ahnung.. das sind wieder andere ;-)

      "0 ahnung" ist wirklich unterbelichtet, auch wenn sich das womöglich schön sagt.. das wäre wie leute überfahren bei rot und sich ernsthaft im recht fühlen! das dürfen nur immune politiker..

      • 1ST1 sagt:

        Das hat nichts mit Grobmotorik zu tun. Ich verwende im Auto Android-Auto zur Navigation, und habe seit letztem Sommer sicher schon 4 oder 5 USB-Kabel verschlissen. Es ist jedes Mal das selbe, der Micro-USB-Anschluss zum Handy hat nach einer Weile einen Wackler und schon funzt das Ganze nicht mehr..

  6. Micha sagt:

    Bei den ganzen USB Netzteilverbrauch der sowieso anfällt kann ich mir keine Verbesserung vorstellen.

    In den Letzten 10 Jahren 3 Defekte USB Ladegeräte gehabt. Das waren nur welche um meinen Falk V700 Navi alle 3 Monate mal nachzuladen. Meistens 0815 USB Netzteile von Mediamarkt oder Conrad. Laut Datenblatt sollten sie alle 5V und mindestens 1A aushalten.

    Bei Samsung Klapphandeis sieht es nicht viel besser aus. Da sind auch schon viele Ladegeräte defekt gegangen. Teilweise kommen aus 4,75V Ladegeräten im Leerlauf 5,6V raus. Unter last sind es dann noch 5,3V. In der Servicemanual zum Samsung GT-E1195 steht drin das der Ladeanschluss für 5V gedacht ist.

    Wenn man jetzt dazu die Soll und Ist Spannung am Ladegerät Ausgang ermittelt stellt man oft fest das die USB Spezifikation voll ausgeschöpft wird oder sogar verletzt. Hatte schon alles von unter 4,7 bis über 5,3 Volt. Je nach Laststrom.

    Zur Erinnerung: USB sollte zwischen 4,75V und 5,25V bereitstellen.

    An EMV Probleme mit Schaltnetzteilen möchte ich jetzt gar nicht erst denken. Selbst UKW wird von manchen Exemplaren gestört.

    Wenn das genormt wird dann Normiert bitte auch noch das Platinendesign für das Netzteil mit und sorgt dafür das die Dinger auch 10 Jahre Plus halten und keine EMV Probleme machen.

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