Canon liefert Toner ohne Herstellerchips aus und gibt Hinweise zur Nutzung

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben. Druckerhersteller Canon muss aktuell Toner-Kartuschen ohne die Chips zur Prüfung, ob es Original-Ware ist, ausliefern. Grund ist wohl die Chip-Knappheit auf dem Markt, die nun auch diesen Hersteller erwischt hat. Damit die Kartuschen funktionieren, hat Canon ein Anleitung mitgeliefert, um die eigene Prüfung, die Fremdkartuschen sperrt, auszutricksen. Zeigt, wie krank dieses System geworden ist und es tut gut, zu sehen, wie die Hersteller jetzt in die eigene "DRM-Falle zur Kundengängelung" rauschen.


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Es war ein Kommentar von Martin Feuerstein im Diskussionsbereich dieses Blogs (danke dafür), der mich zum Wochenende erreichte. Martin war über diesen Tweet auf das Thema gestoßen.

Halbleitermangel zwingt Canon dazu, Tonerkartuschen ohne "Kopierschutz" auszuliefern – dieser Schutz war eigentlich nur zur Kundengängelung da, und um die eigenen Profite abzusichern. Weil der Drucker bei diesen Chip-losen Tonerkartuschen eine "Fälschung" meldet und streikt, musste Canon dann noch Rundmails an Kunden mit Hinweisen verschicken, wie man die Fehlermeldungen zu gefälschten Kartuschen umgeht.

Es gibt inzwischen die Canon-Webseite Interim-Toner: Auswirkungen der Halbleiterknappheit auf die Verbrauchsmaterialien des MFP von Canon, die Details enthält. Dort heißt es von Canon:

Wir schätzen Sie als Kunde und beständigen Nutzer von Canon Produkten.

Aufgrund der weltweit anhaltenden Knappheit an Halbleiterkomponenten steht Canon derzeit vor Herausforderungen bei der Beschaffung bestimmter elektronischer Komponenten, die in unseren Verbrauchsmaterialien für unsere Multifunktionsdrucker (MFP) verwendet werden. Diese Komponenten führen z. B. Funktionen wie die Erkennung des verbleibenden Tonerstands aus.

Um eine kontinuierliche und zuverlässige Versorgung mit Verbrauchsmaterialien zu gewährleisten, haben wir uns dafür entschieden, Verbrauchsmaterialien ohne Halbleiterkomponente zu liefern, bis die normale Versorgung wieder erfolgt.

Zwar ergeben sich keine negativen Auswirkungen auf die Druckqualität, wenn Verbrauchsmaterialien ohne elektronische Komponenten verwendet werden, jedoch können bestimmte Zusatzfunktionen, wie z. B. die Erkennung des Tonerstands, beeinträchtigt sein.

Hat mir dann doch die Schuhe ausgezogen – denn Allerortens höre ich, dass nur Tonerkartuschen mit Chips der Hersteller sicherstellen, dass die Drucker keinen Schaden nehmen. Jetzt gibt Canon also zu, dass da lediglich Kundengängelung hinter den Chips in den Kartuschen steckt. Betroffen sind folgende Canon Druckermodelle:

imageRUNNER 1435i/1435iF
imageRUNNER 2625i/2630i/2645i
imageRUNNER ADVANCE 4525i/4535i/4545i/4551i, II und III
imageRUNNER ADVANCE C250i/350i/C351iF
imageRUNNER ADVANCE C255i/C355i/C355iF/C256i/356i
imageRUNNER ADVANCE C256i/356i II und III
imageRUNNER ADVANCE C3320i/3325i/3330i
imageRUNNER ADVANCE C3520i/3525i/3530i, II und III
imageRUNNER ADVANCE C5535i/5540i/5550i/5560i, II und III
imageRUNNER ADVANCE DX 4725i/4735i/4745i/4751i
imageRUNNER ADVANCE DX 6000i
imageRUNNER ADVANCE DX C257i/C357i
imageRUNNER ADVANCE DX C3720i/3725i/3730i
imageRUNNER ADVANCE DX C3822i/3826i/3830i/3835i
imageRUNNER ADVANCE DX C5735i/5740i/5750i/5760i
imageRUNNER C1325iF/1335iF
imageRUNNER C3025i
imageRUNNER C3125i
imageRUNNER C3226i

Im Dokument gibt Canon detaillierte Hinweise, wie man die Fehlermeldung, die die Tonerkartusche ohne Chip auslöst, so umgehen kann, dass sich im Anschluss drucken lässt. Am Wochenende war das Dokument nicht mehr abrufbar, aber im webarchive ist die Seite auch abrufbar. Die Kollegen von Golem haben das ganz nett im Kommentar Canon: Der endgültige Beweis, dass DRM weg kann aufgegriffen.

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9 Antworten zu Canon liefert Toner ohne Herstellerchips aus und gibt Hinweise zur Nutzung

  1. Andy sagt:

    Da wünscht man sich doch, die Chip-Knappheit würde zumindest partiell nie enden.
    Grundsätzlich gilt ja: Im Mangel wird auf Überflüssiges verzichtet. Jede Mangelsituation ist damit eine Aufforderung, seine Abläufe, Produktion und auch die Produkte resilienter zu gestalten.

  2. Triceratops sagt:

    Na ein glück betrifft das nicht meinen Canon MG2150, der brauch noch Patronen ohne Chip. Empfinde aber schon schadenfreude, das Canon sich in dieser Kriese mit dem Chipwahn bei Patronen nun selbst ins knie geschoßen hat.

  3. Steter Tropfen sagt:

    Nun ja: Um mit ungechippten Tonern drucken zu können, braucht man demnach keine geheimen Tricks anzuwenden. Canon schreibt ja nur, man müsse nach Einsetzen des Toners eine Warnmeldung mit OK bestätigen – fertig.
    Das konnte man sicherlich bisher auch schon. Also kein Zwang zu Originalteilen, sondern nur eine Mahnung. Da gibt es wirklich Schlimmeres.

    Allerdings hat die Verschwendung von elektronischen Teilen durchaus bedenkliche Ausmaße angenommen. Wie die momentane Materialknappheit zeigt, macht auch solcher Kleinkram in der Summe einen bedenklichen Verbrauch. Wenn die ökologischen Folgekosten in solche Komponenten reell eingepreist wären, könnte man schlicht aus Wirtschaftlichkeitsgründen nicht mehr jedes Wegwerfteil damit ausstatten.
    Überfluss macht dumm. Der Mangel ist es, der zum Nachdenken zwingt.

  4. John Doe sagt:

    Das "tragische" an der Geschichte ist eigentlich, das Canon einer der letzten Hersteller war die auf gechippte Patronen gewechselt sind. Gut, ist 10+ Jahre her, aber immerhin. Zu dem Zeitpunkt waren Epson, Brother und HP schon längst komplett verdongelt, HP hatte sogar schon die "mein Resttintenschwamm ist voll, ich bin EOL" Firmware.

    Alles super.

  5. Zocker sagt:

    Eigentlich wäre eine Firmwareupdate erforderlich, damit es keine Fehlermeldung mehr gibt. Ob da was von Canon kommt?

  6. Hummel sagt:

    …und wenn der Scheiss mal endlich vernüftig recycelt würde,
    dann gäbe es auch keinen Chipmangel.
    Statt dessen vergiften sich KInder in Afrika und sonst wo,
    nur damit sie an ein paar Rohstoffe kommen.
    Es ist zum Kotzen!

  7. T Sommer sagt:

    Ich frage mich gerade wieviele private Haushalte einen Canon imagerunner haben…?
    Die Heimgeräte stehen jedenfalls nicht dabei.

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