Android als AirPlay-Empfänger verwenden – Teil 5

In Teil 1 der AirPlay-Artikelserie habe ich mich mit Apple TV und HDMI-Empfängern für AirPlay befasst. In den Teilen 3, 4 wurde aufgezeigt, wie sich Windows-Rechner oder Mac OS X-Systeme mit geeigneter Software in geeignete AirPlay-Empfänger verwandeln lassen. Im aktuellen Blog-Beitrag geht es nun um die Frage, wie man Android als AirPlay-Empfänger nutzen kann. Ich stelle zwei Android-Apps in der kostenlose LITE-Version vor, mit denen dies klappt und verrate auch deren Einschränkungen.


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Sicherlich hat so mancher Android-Geräte zu Hause im Einsatz. Da wäre es gelegentlich hilfreich, wenn man vom iPad per AirPlay Musik, Videos oder Bilder auf ein Android-Gerät streamen könnte. Denken Sie an das Streamen von Fotos vom iPhone auf ein Android-Tablet. Oder man nimmt einen Android HDMI-Stick wie den TVPeCee MMS.884.quad, schließt diesen an den HDMI-Eingang eines TV-Geräts an und hat quasi ein Smart TV.

(Quelle: Pearl)

Aber wie sieht es nun mit AirPlay aus? Standardmäßig unterstützt Android kein AirPlay, so dass ein HDMI-Empfänger nichts damit anfangen kann. Aber es gibt Lösungen.

Verwende die AirPlay/DLNA Receiver-App (AirPin)

Vor einiger Zeit habe ich mich mit der Frage befasst, wie man Android AirPlay-Empfang beibringen kann. Dabei ist mir die Android-App AirPlay/DLNA Receiver (auch unter AirPin bekannt) von WaxRain Tech in die Finger gefallen. Es gibt dabei eine kostenfreie LITE-Version, die ich getestet habe, und eine kostenpflichtige Pro-Version (die ich ebenfalls antesten konnte). Den AirPlay/DLNA Receiver (LITE) gibt es kostenfrei im Google Play Store.

Den Einsatz der App habe ich vor einiger Zeit detailliert im Artikel TVPeCee MMS-884.quad als AirPlay-Empfänger (iOS) – Teil 9 für das iPad 1 mit iOS 5 beschrieben. Allerdings wurde die AirPlay-Funktionalität mit iOS 6 geändert. Zwischenzeitlich verfüge ich über ein iPad 3 mit iOS 7.1.3, auf dem die AirPlay-Funktionen etwas anders ausschauen. Daher noch ein paar Hinweise zum Umgang mit der App.

Sobald Sie die App unter Android installiert haben, können sie diese über das App-Symbol aufrufen.


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Die App zeigt dann in der LITE-Version eine Konfigurationsseite (Screenshot unten), in der die Optionen aufgelistet werden. Dort lässt sich über Kontrollkästchen festlegen, ob AirPlay, AirTunes (für Audio) und DLNA als Protokolle unterstützt werden sollen.

Unter Device nickname taucht der Name der App auf, unter der diese auf Android- und iOS-Geräten gelistet wird. Öffnen Sie den Statusbereich des Android-Screens, sollte die im obigen Foto in der rechten unteren Seite gezeigte Statusnachricht, dass der AirPin Service läuft, erscheinen.

Fotos, Musik, Video per AirPlay aus iOS 7 auf den Android-Receiver streamen

Sobald das iOS- und das Android-Gerät im gleichen WLAN eingebucht sind, lassen sich Bilder, Musik und Videos wenigen Handgriffen aus iOS auf das Android-Gerät bzw. dessen AirPlay/DLNA Receiver-App streamen.

1. Rufen Sie in iOS die gewünschte App (Fotos, Musik, YouTube etc.) auf und wählen Sie die wiederzugebenden Medien aus. Diese werden dann lokal auf die iOS-Gerät wiedergegeben.

Android-AirPlay-01

2. Wischen Sie auf dem iOS-Gerät vom unteren Rand nach oben, um die in obigem Foto sichtbare Bedienleiste einzublenden und tippen Sie dann auf den angezeigten AirPlay-Eintrag (in obigem Foto ROM7)

3. Wählen Sie in der Liste der AirPlay-Empfänger das gewünschte Gerät (hier den AirPlay-Empfänger auf dem Android-Gerät) aus – fertig.

In obigem Screenshot laufen zwei AirPlay-Receiver-Apps auf meinem Nexus 4 – AirPlay/DLNA Receiver und AirReceiverLite, die ich zum Testen installiert habe (sollte man in der Praxis aber nicht machen, da dies zu Problemen führen kann). Beide Apps unterstützen in der Lite-Version kein Screen-Mirroring von iOS-Geräten. Bilder werden aber auf dem Android-Gerät 1:1 – notfalls mit schwarzen Rändern rechts und links – angezeigt.

Android-AirPlay-03

Wechseln Sie auf dem iOS-Gerät Bilder in der Foto-App, dauern die Bildwechsel beim AirPlay/DLNA Receiver aber 1-2 Sekunden. Der Anbieter verspricht in der kostenpflichtigen Pro-App aber bessere Leistung.

Musik und Videos werden direkt auf dem Android-Gerät vom AirPlay/DLNA-Receiver in einem Playerfenster abgespielt. Allerdings dauerte es in der LITE-Variante irre lange, bis die Daten übertragen waren und abgespielt werden konnten. Empfinde ich als unbefriedigend.

Android-AirPlay-02

Die AirPlay/DLNA Receiver-App meldet sich mit zwei Einträgen im AirPlay-Popup-Fenster des iOS-Geräts. Einmal taucht ein airpin-Gerät auf – und es wird ein ITV@xx-Gerät angezeigt. Nur wenn Sie den IPTV-Eintrag anwählen, erscheint das Player-Fenster auf dem Android-Gerät.

AirPlay mit der AirPlay/DLNA Receiver Pro-App

Vom Entwickler wurde mit auch die AirPlay/DLNA Receiver Pro-App zur Verfügung gestellt. Ich habe die App auf einem Galaxy S4 installiert und konnte dann kurz testen. Solange man keinen Freischaltcode besitzt, kann die App für genau 3 Tage genutzt werden – beim Schreiben des Blog-Beitrags ließ sich die App bereits nicht mehr verwenden.

Zur Lizenzierung ist anzumerken, dass der Entwickler WaxRain Tech die App an die MAC-Adresse des Geräts koppelt. Das kann man zwar so tun – allerdings erinnere ich mich an ein Android Tablet von Pearl, wo die erste Firmware-Version mit wechselnden MAC-Adressen arbeitete. In diesem Fall wäre es vermutlich schwierig mit der Lizenzierung – und erinnerungsmäßig möchte Apple aus Gründen des Schutzes der Privatphäre ebenfalls unter iOS in Richtung wechselnde Mac-Adressen gehen. Hier finde ich die Lizenzierung des AirReceiver Pro, die an die E-Mail-Adresse des Kunden gebunden ist, flexibler handhabbar. Ich kann die App (Beschreibung nachfolgend und im nächsten Teil) somit problemlos zwischen meinen diversen Android-Geräten umziehen.

Der folgende Screenshot zeigt die Optionen der AirPlay/DLNA Receiver Pro-App. Es sind einige zusätzliche Optionen gegenüber der LITE-Version hinzugekommen.

Android-AirPlay-06

Im Gegensatz zur LITE-Version unterstützt die Pro-Variante das Mirroring durch iOS unter Android (siehe folgendes Foto). Etwas verwirrend empfand ich aber den Umstand, dass ich den iOS-Homescreen erst auf dem Android-Gerät sah, nachdem ich das Popup-Fenster zur Auswahl des AirPlay-Empfängers geschlossen hatte.

Android-AirPlay-07

Was mir aufgefallen ist: Die Latzenzzeit beim Bildwechsel (Fotos betrachten) ist deutlich höher als beim nachfolgend besprochenen AirReceiver Pro. Insgesamt empfand ich die AirReceiver (in der Pro-Version) als angenehmer zu bedienen – was aber eine subjektive Meinung ist.

Ich hatte den Entwickler diesbezüglich kontaktiert und auch die MAC-Adresse zwecks Zusendung des Freischaltcodes zugemailt. Aber seit dieser Mail herrscht “Funkstille”. Daher kann ich die App auch nicht weiter testen und werde diese wieder deinstallieren.

AirPlay mit der AirReceiver Lite-App

Im Google Play Store lässt sich auch die AirReceiver Lite-App kostenlos zum Testen herunterladen (es gibt auch eine kostenpflichtige Version, siehe nächstes Teil). Startet man die App nach der Installation, meldet sich diese mit folgendem Fenster.

Android-AirPlay-04

Man kann den AirPlay-Gerätenamen anpassen sowie den AirPlay-Dienst und den Renderer zur Anzeige ein-/ausschalten.

1. Ist das Einstellungsfenster sichtbar, lässt sich auf dem iOS-Gerät eine Foto-, Musik- oder Video-App aufrufen und ein Medien zur Wiedergabe auswählen.

Android-AirPlay-01

2. Blendet man dann die Statusleiste durch Wischen am unteren Bildrand des iOS-Geräts ein, lässt sich über den AirPlay-Eintrag ebenfalls das gleichnamige Popup-Fenster öffnen. Anschließend wählt man den AirReceiver (in obigem Foto hier AirReceiver(Nexus4)) als Empfänger aus.

Bei Fotos sollte dieses recht fix auf dem Android-Gerät angezeigt werden. Musik wird ohne weiteres Playerfenster direkt zum Android-Gerät gestreamt. Das geht selbst in der Lite-Version der App ganz fix und in meiner Umgebung mit einem Nexus 4 gab es auch keine Ruckler oder Aussetzer.

Android-AirPlay-05

Bei Videos hatte ich jedoch einige Probleme. Beim Streamen von YouTube-Videos aus dem Safari dauerte es irre lange, bis die Videos wiedergegeben werden konnten. Das obige Foto zeigt das Player-Fenster. Die Leiste zur Wiedergabesteuerung erscheint erst, wenn das Display des Android-Geräts berührt wird. Anschließend konnte ich das Video auf einem Nexus 4 aber ohne Ruckler wiedergeben.

Mein Versuch, aus einer YouTube-App direkt auf das Android-Gerät zu streamen, führte auf diesem zum Hinweis, dass das Video nicht wiedergegeben werden könne. So richtig überzeugend empfand ich das nicht. Nach einem E-Mail-Kontakt mit dem Entwickler ist mir allerdings der Grund bekannt. Der Entwickler der App kann da nichts für, es handelt sich um einen Bug in der YouTube-App von Google. Die AirPlay/DLNA Receiver-App funktioniert aus dem gleichen Grund nicht mit der YouTube-App von Google.

Verglichen mit Windows oder Mac OS X stellt sich mir die Situation in Android im Hinblick auf die  AirPlay-Wiedergabe mit den kostenlosen Apps doch etwas eingeschränkt dar. Wer Mirroring und mehr Komfort wünscht, muss auf die kostenpflichtigen Apps AirPlay/DLNA Receiver Pro oder AirReceiver Pro) ausweichen. Diese bringen substantielle Verbesserungen. In Teil 6 werfe ich daher noch einen Blick auf die kostenpflichtige App AirReceiver Pro und zeige, was mit dieser App (im Gegensatz zur LITE-Version) alles geht.

Artikelreihe:
i: AirPlay mit Apple-TV und HDMI-Sticks nutzen – Teil 1
ii: Windows mit Reflector als AirPlay-Empfänger aufrüsten – Teil 2
iii: Windows per AirServer als AirPlay-Empfänger nutzen – Teil 3
iv: Mac OS X mit AirServer als AirPlay-Empfänger einsetzen – Teil 4
v: Android als AirPlay-Empfänger verwenden – Teil 5
vi: AirReceiver Pro als Android AirPlay-Empfänger  – Teil 6
vii: Weitere AirPlay-Software-Lösungen – Teil 7

Ähnliche Artikel:
Miracast bei Windows 8.1
Miracast mit dem TVPeCee MMS-884.quad und Windows 8.1 – Teil 10
Screenrecording vom iPhone/iPad, wie geht das?

Links:
a1: AirPlay geht fremd – Mac & i (heise.de)


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4 Antworten zu Android als AirPlay-Empfänger verwenden – Teil 5


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  2. Daniel H sagt:

    Hallo,
    ich nutze seit kurzem ebenfalls eine altes Android Handy an meiner Strereoanlage als Verbindung in die Welt…

    Du schreibts: “Musik und Videos werden direkt auf dem Android-Gerät vom AirPlay/DLNA-Receiver in einem Playerfenster abgespielt. Allerdings dauerte es in der LITE-Variante irre lange, bis die Daten übertragen waren und abgespielt werden konnten. Empfinde ich als unbefriedigend.”
    1) Dies empfinde ich ebenfalls so, hast du testen können ob es bei der Pro Version besser wird?
    2) Wenn das Airplay “AirPlay/DLNA Receiver LITE” längere Zeit nicht genutzt wurde deaktiviert sich leider die App, man muss zum Handy gehen und einmal den Bielschirm entsperren. Die App läuft zwar noch in der Statusleiste, aber leider ist sie nicht aktiv. Kennst du das Problem?
    3) Gibt es auch eine Möglichkeit, nicht die Daten wie z.B. Online-Radio-Streams zu dem Android Handy an der Stereoanlage vom Ipad aus zu streamen, sondern mit dem Ipad wie eine Fernbedienung dem Android zu sagen, welchen Stream er abspielen soll? So sollten Latenzen ja niedriger sein und der Akkuverbrauch des Ipad reduziert werden?

    Vielen Dank im Voraus!

  3. Jan sagt:

    Tatsächlich gibt’s zumindest für die Audioübertragung mehrere Apps für Android, ich benutze AirAudio, funktioniert super (nicht free!). Und das, obwohl ich sonst kein Apple-Gerät hab und nicht sonderlich Apple-begeistert bin, aber Airplay haben die echt sauber hinbekommen, imho das Beste was Apple je gemacht hat.
    Die Latenz ist kaum spürbar, die Umschaltung extrem schnell, und fast jeder mittelpreisige Receiver ab 2010 unterstützt es. Außerdem funktioniert es aus jeder erdenklichen App heraus, sobald Ton abgespielt wird und ein Airplay-Gerät (was auch eine App auf einem anderen Android sein kann) im Netzwerk ist kann innerhalb einer Sekunde umgeschaltet werden.
    Das ist super, das kann nicht mal UPnP. Dessen heißestes Eisen im Feuer ist BubbleUPnP mit AudioCast, auch das greift alle Sound aus Android ab und streamt sie auf sämtliche UPnP-Geräte. Aber das ist schlicht umständlicher und stockt eher als Airplay, außerdem ist die Latenz leicht spürbar.

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