Windows 8 UEFI-/GPT-Partitionierung enträtselt – Teil I

Mit der Einführung von UEFI-Hardware kommt auf vielen Windows 8-Geräten auch die neue GPT-Partitionierung zum Einsatz. So mancher Anwender frickelt dann fröhlich frei an der Partitionierungsstruktur herum und wird durch ein nicht mehr lauffähiges System bestraft. Nachdem mir zwei Anwender per E-Mail und einige in den Microsoft Answers-Foren mit Partitionierungsproblemen begegnet sind (und wohl auch die Leser meiner Windows 8-Bücher nachfragen), möchte ich das Thema näher beleuchten.


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BIOS und MBR: Das Problem – aus meiner Sicht

Bisher war es so, dass die meisten Computersysteme mit BIOS-Unterstützung ausgeliefert wurden. Windows XP, Windows Vista oder Windows 7 und auch Windows 8 wurden und werden dann auf einem Datenträger mit MBR-Partitionierung (MBR = Master-Boot-Record) installiert (bei 32-BIT sogar zwingend erforderlich).

Ein solcher Datenträger kann maximal 4 Primärpartitionen oder 3 Primärpartitionen und eine erweiterte Partition (Sekundärpartition) aufnehmen. Pro Primärpartition lässt sich ein logisches Laufwerk zuweisen, eine erweiterte Partition darf dagegen mehrere logische Laufwerke verwalten. Der WikiPedia-Artikel unter [1] geht auf die Strukturen etwas detaillierter ein.

Viele Anwender empfanden die MBR-Partitionierung als “einfach” und leicht zu handhaben, während die GPT-Partitionierung als “komplex” und kompliziert bezeichnet wird. Dass dies so nicht ganz stimmt, geht aus den verlinkten Beiträgen im Abschnitt “Ähnliche Artikel” hervor. Unter [a] habe ich die grundsätzliche Vorgehensweise bei der Partitionierung besprochen. Auf die vielfältig lauernden Probleme bei MBR-Partitionierung, z.B. wenn OEM-Partitionen auf der Festplatte lauern, wird in den Artikeln [b, e, f] des Abschnitts eingegangen.

Der Hintergrund zur GPT-Partitionierung

Die GPT-Partitionsstruktur (GPT = GUI Partition Table) vermeidet die Beschränkungen der MBR-Partitionierung – es kommt zwar ein Master-Boot-Record aus Kompatibilitätsgründen zum Einsatz. Aber die Festplatte kann bis zu 128 GPT-Partitionen aufnehmen. Die Struktur wird ganz gut im WikiPedia-Artikel unter [2] beschrieben.

Eine GPT-Partitionierung ist für Festplatten mit einer Kapazität von über 2 Terabyte zwingend erforderlich. Bei Hardware, die UEFI-fähig ist, kommt die GPT-Partitionierung aber auch bei kleineren Disk-Kapazitäten zum Einsatz. Die MBR- oder GPT-Partitionierung wird beim sogenannten Initialisieren der Festplatte während der Erstinbetriebnahme festgelegt. Erst danach lassen sich Partitionen und darauf logische Laufwerke anlegen. Es gibt aber Tools wie den Paragon Festplattenmanager 12 (Windows 8-kompatibel), die Festplatten zwischen MBR- und GPT-Partitionierung konvertieren können.

Windows und GPT-Datenträger

Windows unterstützt in den 64-Bit-Varianten bereits seit Windows XP GPT-Datenträger, so dass dies nichts neues für Windows 8 ist. Lediglich die 32-Bit-Versionen von Windows sind auf MBR-Partitionierung und BIOS angewiesen. Um ein 64-Bit-Windows aber von GPT-Datenträgern booten zu können, wird eine (U)EFI-Unterstützung durch die Hardware gefordert.

Die UEFI-Hardware umgeht an einigen Stellen die Beschränkungen, die ein BIOS auferlegt (wie z.B. Unterstützung für GPT-Boot). Zudem ermöglicht UEFI einen abgesicherten Start, weshalb Microsoft diesen für bestimmte Windows RT-/Windows 8-Systeme vorschreibt.


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Ich kann es mir an dieser Stelle mit den Details einfach machen. Wolfgang Sommergut hat bei WindowsPro.de eine schöne FAQ veröffentlicht [4], die alle wichtigen Fragen zum Thema beleuchtet.

Auch von Microsoft sind einige Dokumente rund um das Thema enthalten. Zur Einführung empfehle ich die Windows and GPT FAQ [6] – der auch den Hinweis enthält, dass Windows XP 64-Bit GPT-Datenträger nur lesen und schreiben kann. Booten funktioniert aber erst ab Windows Server 2003 in den 64-Bit-Versionen. Unter [3] gibt es den Microsoft-Artikel Grundlegendes zu Datenträgerpartitionen, in dem die Informationen zur Disk-Struktur dokumentiert sind. Diese Erkenntnisse werden wir in Teil II verwenden.

Artikelreihe:
i: Windows 8 UEFI-/GPT-Partitionierung enträtselt – Teil I
ii: Windows 8 auf UEFI-/GPT-Hardware – Teil II
iii: Windows 8 UEFI-/OEM-Partitionierung – Teil III

Ähnliche Artikel:
a: Partitionierung, (k)ein Buch mit 7 Siegeln?
b: Was steckt hinter der Medion OEM-Partition?
c: Partition gelöscht, Windows 7 bootet nicht mehr
d: Partitionsprobleme mit der Datenträgerverwaltung
e: Vorsicht, Partitionierungsfalle bei Windows 8 – Teil 1
f: Dynamischen Datenträger in Basisdatenträger konvertieren – Teil 2

Links:
1: Master Boot Record – Wikipedia
2: GUID Partition Table – Wikipedia
3: Grundlegendes zu Datenträgerpartitionen Microsoft-Artikel
4: FAQ zu UEFI, BIOS, GUID Partition Table (GPT) und Master Boot
5: Paragon Festplattenmanager 12
6: Windows and GPT FAQ


Weitere Infos zu Windows 7 finden sich in meinen Windows 7-Titeln.

 


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6 Kommentare zu Windows 8 UEFI-/GPT-Partitionierung enträtselt – Teil I

  1. Hans-Peter Matthess sagt:

    Moin,
    ich hab mich mal dem Thema “UEFI-Windows zu BIOS-Windows konvertieren und umgekehrt” gewidmet. Das klappte hier mit Bordmitteln und meinem Imager “Drive Snapshot” recht problemlos.
    UEFI nach BIOS:
    Windows-Partition gesichert, System im BIOS-Modus gestartet, GPT-Platte gelöscht, als MBR-Platte neu eingerichtet, Image zurück, Automatische Bootreparatur laufen lassen, fertig.

    BIOS nach UEFI:
    Windows-Partition gesichert, System im EFI-Modus gestartet, MBR-Platte gelöscht,
    mit Diskpart nach GPT konvertiert, EFI- und MSR-Partition erstellt, Windows-Partition erstellt, Image zurück auf Windows-Partition, automatische Reparatur:
    “konnte nicht repariert werden”. Also “bootrec /rebuildbcd” gemacht, noch mal automatische Reparatur, und Bingo, bootet.
    Geht doch. ;-)

  2. Günter Born sagt:

    @HPM: Danke für die Info. Frage: Wie hast Du die EFI- und MSR-Partition erstellt? Mit diskpart gemäß dem hier?

  3. Hans-Peter Matthess sagt:

    > Mit diskpart gemäß dem hier?

    Genau, exakt so. Dabei bleibt dann allerdings die Wiederherstellungspartition mit
    Win RE außen vor. Die sollte man zusätzlich auch noch erstellen und Winre.wim
    dorthin kopieren. Ansonsten müsste man für die Wiederherstellungsumgebung halt immer die CD oder den Stick benutzen.

  4. Roman sagt:

    Danke an Herr Matthess für die Anleitung.
    Auch wenn der Artikel und die Kommentare schon ein wenig her sind:

    Für diejenigen welche nach der Umstellung gerne die systemeigene Funktion der Wiederherstellungslaufwerkserstellung nutzen möchten findet sich von Microsoft TechNet eine Anleitung.

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  6. Günter Born sagt:

    @Roman: Danke für das Feedback. Der Artikel ist zwar schon etwas älter, aber zu Win 8/8.1 hat sich m.W. ja nichts geändert.

    Zum Kommentar zwei kleine Anmerkungen für die Mitleser: Der Hinweis auf die “Wiederherstellungslaufwerkserstellung” ist von der Nomenklatur etwas missverständlich.

    Das Thema “Wiederherstellungslaufwerkserstellung” ist im Artikel III: Wiederherstellungslaufwerk mit Win RE erstellen beschrieben.

    Roman meint wohl die Erstellung einer Windows PE/RE-Umgebung (zur Wiederherstellung bzw. zum Booten von Window RE) auf einer Partition “Systemreserviert”.

    @Roman: Ich habe den Hyperlink auf den Artikel, den Du im Punkt zum Satzabschluss untergebracht hattest, in den Text gebracht – so dass man den Link besser sieht. Der von dir verlinkte Artikel ist recht hilfreich – nochmals danke.

  7. Roman sagt:

    @Günter Born:
    Ja das meine ich.
    Nachdem ich von MBR zu GPT und damit von BIOS zu UEFI wechselte funktionierte unter Win 8.1 die Funktion “Wiederherstellungslaufwerk erstellen” welche unter Systemsteuerung -> Dateiversionsverlauf -> Wiederherstellung (links unten) gefunden werden kann nicht mehr. Die Aktion wurde mit der Meldung abgebrochen, dass Dateien fehlen würden.

    Mit dem Hinweis von Herrn Matthess bin ich da nun auf des Rätsels Lösung gekommen.

    Allerdings bin ich mit der Thematik noch nicht ganz durch.

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