Gebrauchtsoftwareanbieter lizenzfuchs.de nicht mehr erreichbar?

Findet gerade ein Shakeout der Webseiten diverser Gebrauchtsoftwareanbieter statt? Die Seiten von lizengo sind nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens nicht mehr erreichbar – und das Gleiche gilt wohl auch für lizenzfuchs.de – dort kommt nach ohne Zugangsdaten nicht mehr an das Angebot. Hier die Infos "zum nächsten Streich".


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Abzusehende Entwicklung?

Es war in meinen Augen wohl abzusehen, dass bestimmte Anbieter von Gebrauchtsoftware in Schieflage und juristische Probleme rutschen. Ich hatte das Thema ja seit 2019 in diversen Blog-Beiträgen aufbereitet (siehe Artikel am Beitragsende). Spätestens nach der Hausdurchsuchung beim Gebrauchtsoftwareanbieter lizengo (Hausdurchsuchung beim Gebrauchtsoftware-Händler lizengo) deutete sich eine wie auch immer geartete Klärung in diesem Bereich an. Kam schneller als erwartet, denn kurze Zeit später waren die Webseite von lizengo im Wartungsmodus und die Seiten von Lizenzfuchs & Co. boten keine Microsoft Produkte mehr an.

Hinweis bei Lizenzfuchs

Sollte nur vorübergehend sein, wie ich im Beitrag Exit bei Gebrauchtsoftware-Verkäufern? lizengo, Lizenzfuchs & Co. im Wartungsmodus, basierend auf den Angaben in obigem Screenshot, dargelegt habe. Ein Blog-Leser hatte mich per Kommentar aufmerksam gemacht, dass bei einigen Anbietern (u.a. Tornadosoft, die Seite ist im "Wartungsmodus") etwas vorginge.

Zwischenzeitlich ging sogar die Kunde einer Insolvenz der Lizenzfuchs GmbH um (wer nach gewissen Stichworten sucht, findet noch diverse Artikel zum Thema). Ich hatte vor Veröffentlichung eines Beitrags aber schlicht die Insolvenzmitteilungen des Insolvenzgerichts Köln durchforstet und konnte nichts zu einem gestellten Insolvenzantrag finden – habe daher die Meldung unter den Tisch fallen lassen. Vom Flurfunk weiß ich aber, dass Artikel nach entsprechendem Druck verschwanden (gut, die Faktenlage war ja eindeutig falsch, es gab keinen Insolvenzantrag). Eine heutige Suche in den Insolvenzbekanntmachungen hat ebenfalls noch nichts in dieser Richtung ergeben, was den nachfolgenden Vorgang mit noch mehr Fragezeichen versehen lässt.

Lizenzfuchs nur mit Anmeldung erreichbar

Nachdem ich die Nacht im Beitrag lizengo: Webseite des Gebrauchtsoftware-Anbieters verschwunden darauf hingewiesen habe, dass die Webseite samt Shop dieses Anbieters im Web nicht mehr erreichbar sei, kann ich dies für die Seiten von Lizenzfuchs nachreichen. Martin hatte sich die Mühe gemacht, nachzuschauen, und schreibt hier, dass die Seite offline sei. 

Lizenzfuchs Zugang nur noch mit Anmeldung

Das muss man aber wohl präzisieren, wie der obige Screenshot zeigt. Das Angebot von Lizenzfuchs ist nur noch mit einer Anmeldung zugreifbar. Das wirft natürlich Fragen nach dem Warum auf, denn immerhin wurde über die Domain ein Webshop betrieben, der auch andere Produkte, die nicht von Microsoft stammen, angeboten hat. Wenn der Zugang jetzt allgemein gesperrt ist, hat sich der Anbieter quasi vom Markt genommen. Ich unterlasse an dieser Stelle jetzt jegliche Spekulation zu den Gründen – dazu kann sich jeder eine eigene Meinung zu bilden (unterlasst es aber entsprechende Vermutungen dazu in den Kommentaren hier zum Artikel abzugeben).

Mein Rat: Finger weg

Was sich aber sofort als Frage aufdrängt: Schauen Leute, die dort vermeintlich ein Produkt gekauft haben, und deren Produktkey gesperrt wurde, nun in die Röhre? Ich hatte im Artikel lizengo: Webseite des Gebrauchtsoftware-Anbieters verschwunden auf die Problematik und die rechtlichen Unsicherheiten hingewiesen.


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Und es gibt noch einen Aspekt, den ich im Blog-Beitrag Falle: Office 365 Business/Microsoft 365-app-Abonnement vom 'Reseller' – Teil 11 auf Grund einer Leser-Mail ergänzt habe. Gelegentlich ist es interessant, über die Seite Northdata zu schauen, welche Beteiligungen Firmen im Bereich Gebrauchtsoftware so halten bzw. wie sich die Verflechtungen der Geschäftsführer so darstellen. Die dort bis 2019 ausgewiesenen Bilanzsummen der Lizenzfuchs GmbH aus Köln lassen sich sehen (an die Gewinne komme ich nicht heran). Wäre jetzt ad hoc aus diesem Blickwinkel kein sofortiger Grund, dass Alarmglocken läuten. Aber die bei Northdata aufgeführten Verbindungen in der Geschäftsführung könnte man schon hinterfragen. Die Kollegen hier haben Anfang Dezember 2020 bereits die richtigen Fragen aufgeworfen. Bleibt abzuwarten, ob die Seite von Lizenzfuchs in den kommenden Wochen wieder online geht, oder ob sich das Thema auf andere Weise klärt.

Als Fazit lässt sich aktuell nur der Schluss ziehen: Lasst als Privatnutzer oder kleine Firma die Finger vom Thema Gebrauchtlizenzen. Ihr könnte nur auf den Bauch fallen – denn das Metier erfordert umfassende (auch rechtliche) Kenntnisse. Ich habe auch einige Zeit gebraucht, um eine ganz grobe Ahnung über die Implikationen zu bekommen. Und je länger ich die Thematik verfolge, umso mehr stoße ich auf Abgründe. Erst seit Herbst 2020 eskaliert das Thema ja nach den Hausdurchsuchungen und der Insolvenz des Anbieters lizengo.

Zudem thematisiere ich längst nicht alles, was mir von Tippgebern auf den Tisch kommt. Aber mir sind in den letzten Wochen illustre Namen von Webseiten (Medien, Preisportale etc.) unter die Augen gekommen, auf denen solche "undurchsichtigen" Angebote "in Kooperation" (also nicht als einfache Werbeanzeige, die automatisch ausgespielt wird und sich vom Publisher nur durch Sperre der betreffenden Domains unterdrücken lässt) beworben wurden. Mein Tippgeber hat in den jeweiligen Fällen nachgehakt und mitunter erstaunliches zu hören bekommen – viele Angebote sind dann aber sang- und klanglos verschwunden.

Artikelreihe:
Edeka, lizengo und die verkauften Microsoft-Lizenzen – Teil 1
Fallen beim Online-Softwarekauf – Teil 2
Fallen beim Online-Softwarekauf: Lizenzhürden – Teil 3
Fallen beim Online-Softwarekauf: Die Lizenzfrage  – Teil 4
Falle: Billige Software-Lizenzen – neue Erkenntnisse – Teil 5
Falle: Inkassoforderung nach Kauf von Gebrauchtsoftware im Amazon Marketplace  – Teil 6
Fallen beim Online-Softwarekauf: Neue Erkenntnisse – Teil 7
Neues zu Fallen bei (Office-)Lizenzen bei Edeka – Teil 8
Microsoft klagt gegen lizengo wegen 'Billig-Lizenzen' – Teil 9
Billig-Lizenzen: Neues zu lizengo, Edeka und Microsoft – Teil 10
Falle: Office 365 Business/Microsoft 365-app-Abonnement vom 'Reseller' – Teil 11

Hausdurchsuchung beim Gebrauchtsoftware-Händler lizengo
lizengo seit 31.10.2020 offline, was ist da los?
Exit bei Gebrauchtsoftware-Verkäufern? lizengo, Lizenzfuchs & Co. im Wartungsmodus
Gebrauchtsoftware-Verkäufe: Offenkundige Betrugsfälle
Konkurs: Gebrauchtsoftwareanbieter lizengo stellt Insolvenzantrag
lizengo: Webseite des Gebrauchtsoftware-Anbieters verschwunden


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6 Antworten zu Gebrauchtsoftwareanbieter lizenzfuchs.de nicht mehr erreichbar?

  1. Werner Hermann sagt:

    Falls du dir mal den Spass gönnen willst …

    Ein anderer bekannter Blog hat auch seinen Buddy: mysoftware*de
    Weil er ihn kennt …feiner Kerl und so :)

    Ich habe ihm ( dem Blog-Admin) vor ein paar Monaten auf unter Zuhilfenahme deines …
    Fortsetzungs-Romans :) … versucht zu überzeugen, das auch die Seite den Status einer Tontaube hat .

    Gut … ich habe versagt … aber ich nehme an das die Einschläge bald häufiger kommen .

    • Orthographie6 sagt:

      Man kann auch…

      ….normal

      in ein….

      Textareafeld….

      tippen?????

      • Günter Born sagt:

        Nun ja, vom Duktus war der Kommentar genau an mich adressiert – und ich habe verstanden, was Werner Herrmann mit sagen wollte ;-)

        Belassen wir es dabei …

        Ach ja: Der Werner scheint echt zu sein und nicht derjenige, den ich im Sinn hatte.

  2. Günter Born sagt:

    Ich glaube, ich weiß, wen Du meinst – mancher scheint lernrestistent. Gerade im Mail-Order für diese "Dingens" nachgeschaut, denn im Hinterkopf steckt "da war doch was".

    Nun rätsele ich, ob der Werner Hermann echt ist oder unter dem Hut eines anderen steckt, der mir schrieb "neulich habe ich doch erzählt, dass der Chef Redakteur von *.de darum gebeten hat, ihm Unregelmäßigkeiten bei mysoftware.de zu melden. …" – was die Person (die beruflich Gebrauchtsoftware für seine Organisation beschafft) auch 2 Mal getan hat … Ergebnis gleich Null.

    Zur Sache an sich: Ich habe gerade eine kurze Recherche gemacht – es ist unglaublich, da erblöden sich Webseiten, "Preisvergleiche" von Gebrauchtsoftware-Shops zu machen und ranken die Teile mit den billigsten Windows-Keys ganz vorne – es gibt "Vergleichsportale" die sogar ein Prädikat sehr gut vergeben. Es ist sinnlos, die Leute wollen beschissen werden – Hauptsache billig.

    Schätze, das Thema wird mir nicht verloren gehen. Zu mysoftware.de sind die Northdata-Informationen recht interessant. Bin noch unschlüssig, wie ich heftige Verluste bis 2018 zu interpretieren habe.

  3. Bernard sagt:

    Es sollte erwähnt werden, dass diese Anbieter auch deshalb beliebt sind, weil nicht jeder Nutzer ein ZwangsABO von Microsoft haben will, sondern EINMAL kaufen will und fertig.

    Word 2010 und 2013 sind für Otto Normalverbraucher immer noch ausreichend.

    Damals gab es das Family Pack (3 Lizenzen) für den Hausgebrauch zu einem guten Preis.

    Jetzt ZWINGT Microsoft diese Menschen zu einem (teuren) Abo.

    • Goscho sagt:

      Microsoft zwingt auch Otto Normalverbraucher nicht zu einem Office Abo.
      Natürlich möchten sie Abos – am liebsten ausschließlich – an den Mann/die Frau bringen.
      Du kannst aber auch weiterhin Office Home & Student bzw. Home & Business kaufen.
      Das sind – nicht wirklich billige – Kauflizenzen. Müssen zwar mit einem MS-Konto aktiviert werden, sind aber kein Abo!

      Wer das nicht möchte und auf Office-Programm nicht verzichten kann, der hat auch andere Möglichkeiten (Libre Office z.B.)

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